Coronavirus - Bundesliga-Schiedsrichter noch nicht getestet

Schiedsrichter Deniz Aytekin beim Geisterspiel zwischen Mönchengladbach und Köln

Was passiert im Krankheitsfall?

Coronavirus - Bundesliga-Schiedsrichter noch nicht getestet

Während die 36 Profiklubs der 1. und 2. Fußball-Bundesligen zurzeit eifrig auf das Coronavirus getestet werden, stehen die Tests bei den Schiedsrichtern noch aus. Das könnte Probleme geben.

Wochenlang hat der Profifußball auf einen Re-Start in der 1. und 2. Bundesliga mit Geisterspielen hingearbeitet. Jetzt hat auch der Deutsche Fußball-Bund sein Konzept für die Spitzenreferees veröffentlicht. Demnach sollen sie sich vor dem Wiederanpfiff zwei Testreihen unterziehen. Laut "Kicker" wurden sie bislang noch nicht getestet.

Von Montag (11.05.2020) bis Mittwoch (13.05.2020) werden die Unparteiischen und ihre Assistenten erstmals auf das Coronavirus getestet - voraussichtlich bei einem heimatnahen Klub. Der zweite Test wird am Vortag ihrer ersten Partie in der 1. oder 2. Liga durchgeführt. Im weiteren Saisonverlauf werden die Spielleiter jeweils am Vortag einer Partie getestet.

Bei positivem Test in Quarantäne

"Im Falle eines positiven Testergebnisses begibt sich der Unparteiische in sofortige Selbstisolation gemäß den geltenden behördlichen Vorgaben", erklärte der DFB nach einer Schaltkonferenz mit seinen Elite-Schiedsrichtern. Die Ansetzungen werden erst am Spieltag bekannt gegeben.

Außer Kraft setzt der DFB vorerst seine Regel, wonach Referees nicht Spiele in ihren Landesverbänden pfeifen dürfen - damit ihnen lange Anreisen erspart bleiben. Nicht leiten dürfen sie aber weiterhin Spiele in ihrem Wohnort.

Seifert: "DFB führt Testungen durch"

Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), sagte nach der außerordentlichen DFL-Mitgliederversammlung am Donnerstag (07.05.2020), dass der DFB "die Umsetzung unseres Konzeptes in die Hand nimmt und entsprechende Testungen durchführt". Er ergänzte, dass es "selbstverständlich" auch für die Referees hygienische und medizinische Anforderungen geben werde.

DFL-Geschäftsführer Seifert über die Testung der Schiedsrichter Sportschau 07.05.2020 01:27 Min. Verfügbar bis 07.05.2021 Das Erste

"Es ist auch für die Schiedsrichter eine ganz außergewöhnliche Situation, die nur bewältigt werden kann, wenn alle mit den Vorgaben diszipliniert umgehen und vorbildlich handeln. Das wird, was die Ansetzungen angeht, auch viel Flexibilität und viel Geduld abverlangen", sagte DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich.

Wer pfeift im Krankheitsfall?

Doch was passiert bei positiven Befunden? Die sind durchaus möglich, denn die Schiedsrichter gehen neben ihrer Tätigkeit als Referee auch noch ihren Berufen nach - und das nicht immer im Home Office. So sind sie einem größeren Infektionsrisiko ausgesetzt als ein Spieler, der sich in den kommenden Wochen wohl nur in den eigenen vier Wänden, im Mannschaftshotel und im Stadion aufhalten wird.

DFB-Präsident Keller: "Wissen, dass wir großes Vertrauen geschenkt kriegen" Sportschau 07.05.2020 01:35 Min. Verfügbar bis 07.05.2021 Das Erste

Sollte ein Schiedsrichter sehr kurzfristig ausfallen, steht Schiedsrichter-Chef Fröhlich vor einer Herausforderung. Der muss dann für Ersatz sorgen oder den 4. Offiziellen oder einen Linienrichter mit der Spielleitung betrauen. Im Falle eines Falles würde dann ein Bundesliga-Spitzenspiel von einem Assistenten geleitet.

Welche Vorkehrungen gibt es im "Kölner Keller"?

Hinzu kommt, dass bei jedem Spiel auch noch ein Erstligaschiedsrichter als Video-Assistent (VAR) im Kölner Video-Assist-Center (VAC) benötigt wird. Dort sitzen insgesamt vier Menschen pro Spiel. DFL-Boss Seifert kündigte hier "bauliche Maßnahmen" an, "die es uns ermöglichen, die Sicherheitsvorkehrungen umzusetzen, die erfüllt sein müssen, um auch dort einen Arbeitsschutz zu gewährleisten und das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten".

Entsprechend zur personellen Aufstellung im Stadion soll auch im "Kölner Keller" das Personenaufkommen auf ein Minimum reduziert werden. Die Arbeitsplätze werden durch Plexiglasscheiben voneinander getrennt.

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Aytekin kann Geisterspielen nichts abgewinnen

Für die Referees werden die Spiele ohne Zuschauer in jeder Hinsicht eine ganz besondere Herausforderung. Deniz Aytekin, der "Schiedsrichter des Jahres", hatte Mitte März in Mönchengladbach (2:1 gegen den 1. FC Köln) das erste Geisterspiel der Bundesliga gepfiffen. Der 41-Jährige konnte dem nichts abgewinnen. Die Fans im Borussia-Park hätten gefehlt, "und zwar massiv", sagte er damals. Er könne nur hoffen, dass sich das langfristig nicht durchsetze: "Es war sehr, sehr schwierig, sich durchgängig zu konzentrieren."

red/dpa/sid | Stand: 07.05.2020, 21:13

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