Dortmunds Trainer Favre - Auftrag an den Perfektionisten

BVB-Trainer Lucien Favre

Fortsetzung der Bundesliga

Dortmunds Trainer Favre - Auftrag an den Perfektionisten

Von Tim Beyer

Dortmunds Trainer Lucien Favre liebt die Arbeit an den Details, er hatte zuletzt auch viel Zeit dafür. Ausgerechnet vor dem Revierderby gegen Schalke muss er jedoch im zentralen Mittelfeld umbauen - dort, wo er das am liebsten nie täte.

Es ist noch gar nicht lange her, da war Lucien Favre zu Gast beim klubeigenen Podcast von Borussia Dortmund. Favre hat über das Trainer-Dasein in Zeiten von Covid-19 gesprochen, über Herausforderungen und Übungen auf Abstand. "Für mich ist es positiv, dass wir derzeit Sachen machen können, für die normalerweise keine Zeit bleibt", sagte Favre und meinte damit vor allem Technikübungen, "am Boden, in der Luft, vor dem Tor. Für die Spieler ist das angenehm, weil sie den Ball am Fuß haben."

Über den Trainer Favre weiß man, dass ihm die Kleinigkeiten wichtig sind, die richtige Fußstellung oder die Körperhaltung beim Blocken eines gegnerischen Schussversuches. Manchmal hat sich Favre in seinen bald zwei Dortmunder Jahren beklagt, dass in normalen Zeiten für solche Detailarbeit zwischen Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League kaum Zeit bleibe. Favre ist Perfektionist, und es ist gut möglich, dass dies nun die Zeit für Perfektionisten wird.

Schlechte Erinnerungen an Schalke

Am Samstag (16.05.2020) nimmt die Fußball-Bundesliga nach zwei Monaten Pause den Spielbetrieb wieder auf, und für den BVB geht es gleich mal um alles. In der Tabelle hat Dortmund vier Punkte weniger als die Bayern und ist Zweiter. Und zum Wiederbeginn ist direkt ein Revierderby angesagt - es wird das erste ohne Zuschauer im Stadion. Zuletzt sind bei den Dortmundern aber eher keine guten Erinnerungen an Schalke aufgekommen - von den vergangenen acht Bundesliga-Duellen hat der Klub nur eins gewonnen. "Wir wissen, dass wir beim letzten Mal zuhause verloren haben. Aber die Gedanken daran sind vorbei", sagte Favre.

Was ihn hingegen noch beschäftigen wird, ist die personelle Situation beim BVB, vor allem in der Defensive. Dan-Axel Zagadou ist verletzt und wird gegen Schalke fehlen, das wusste man schon länger. Auch für Marco Reus kommt das Derby zu früh. Doch nun muss Favre auch noch auf Axel Witsel und Emre Can verzichten, ausgerechnet auf jene beiden Spieler also, die dem oft so filigranen Spiel der Dortmunder in den ersten Wochen des Jahres mehr Wucht und auch Stabilität verliehen hatten. "Sie werden definitiv nicht dabei sein", sagte Favre. Er ist nun wieder als Perfektionist gefordert, nur eben ganz anders, als sie das beim BVB gerne hätten.

Zeit für ein Delaney-Comeback

Womoglich greift Favre auf eine Variante zurück, die er in dieser Saison schon einige Male für gut befunden hat und zieht Julian Brandt zurück ins zentrale Mittelfeld. Es wäre die offensive Variante, und an der Seite des Nationalspielers natürlich ein ganz anderer Spielertyp gefragt. Einer wie Thomas Delaney, 28, der zuletzt beinahe sechs Monate ausgefallen ist.

Für den BVB kam Delaney zuletzt im Oktober 2019 zum Einsatz, beim 0:0 gegen Schalke. Drei Wochen später verletzte er sich bei einem Spiel mit Dänemarks Nationalmannschaft am Knöchel und als er im Wintertrainingslager in Spanien wieder mit der Mannschaft trainierte, fiel er erneut aus - diesmal war es das Knie, das Probleme machte. Vorbei, endgültig vorbei, so scheint es. "Thomas macht einen richtig guten Eindruck", sagte der Sportdirektor Michael Zorc dem "Kicker".

Neue Chance für Akanji?

Umbauen muss Favre auch seine Abwehrformation. Zuletzt hatte er dort immer drei Verteidiger nominiert, neben Lukasz Piszczek und Mats Hummels war das sehr oft Zagadou. Für Manuel Akanji, 24, blieb nach der Niederlage beim Spiel in Leverkusen Anfang Februar nur noch ein Platz auf der Reservebank. Akanji sei ein "ziemlich kompletter Abwehrspieler", hat Zorc einmal gesagt und es haben ihm sehr viele Menschen zugestimmt. Akanji ist schnell und er ist gut im Aufbauspiel. Es gab eine Zeit, da schien es, als entwickle sich der Schweizer Akanji zu schnell für den BVB - doch zuletzt hatte man oft den Eindruck, es sei eher andersherum.

Jedenfalls wäre es nun nur logisch, wenn Favre den Abwehr-Job von Zagadou vorübergehend wieder an Akanji vergeben würde. Überhaupt sind es gerade aufregende Tage für Akanji. Am Sonntag (10.05.2020) ist er zunächst Vater geworden, ehe er noch am Abend schnell in das Quarantäne-Hotel der Dortmunder musste - so schreiben es die Hygienemaßnahmen der DFL vor. Es sind wirklich seltsame Zeiten.

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mit Material von sid und dpa | Stand: 15.05.2020, 14:55

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