BVB-Boss Watzke wirbt für volle Stadien - mit Geimpften

Die Dortmunder Fans zeigen vor Beginn des Spiels im Signal Iduna Park eine Choreogephie die über 3 Tribünen.

Bundesliga-Klubs wollen Klarheit von der Politik

BVB-Boss Watzke wirbt für volle Stadien - mit Geimpften

Die Zuschauer-Debatte und die Bundesliga - es könnte das Thema der kommenden Wochen werden. BVB-Boss Joachim Watzke hat eine klare Meinung - und verweist auf die aktuellen Inzidenzwerte. Frankfurts Vorstand Axel Hellmann rechnet mit Klagen.

Noch wird über die Corona-Hotspots bei der EM-Endrunde diskutiert, doch die Fragen rund um eine Zuschauer-Zulassung bewegen längst auch die Fußball-Bundesliga. Die Klubchefs wollen zum Start der neuen Saison unbedingt Fans in den Stadien sehen. Die Angst vor der Corona-Pandemie ist endgültig der Furcht vor der Pleite gewichen.

"Klubs in ihrer Existenz bedroht"

"Ein zweites Jahr nur mit Geisterspielen bedroht all die Klubs in ihrer Existenz, die im Wesentlichen auf Eigenerlöse angewiesen sind", sagte Vorstandssprecher Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt, der via "Sport Bild" die politisch Verantwortlichen unter Druck setzt: "Die Politik muss aus dem Dornröschenschlaf aufwachen, wir haben nicht mehr viel Zeit. Wir brauchen klare Ansagen innerhalb der nächsten vier Wochen, sonst können die Klubs überhaupt nicht planen."

Auch Borussia Dortmunds Klubchef Hans-Joachim Watzke, der sich auf das Zulassen eines Drittels der Stadionkapazität in der neuen Saison einstellt, hat eine klare Meinung. "Warum soll ein Stadion nicht ausverkauft sein nur mit Geimpften? Wo ist das Problem? Was ist eigentlich, wenn die ersten Geimpften klagen, warum sie nicht ins Stadion dürfen? Darüber macht sich keiner Gedanken", sagte der BVB-Geschäftsführer am Donnerstag (01.07.2021) in Dortmund.

Planspiele der Bundesländer - ein Flickenteppich

Dass klare Vorgaben der Politik angesichts der dynamischen Entwicklung nur schwer möglich sind, müssten Hellmann und Watzke nach fast eineinhalb Jahren inmitten der Pandemie allerdings wissen. Wie die Verordnungen Mitte August aussehen werden, kann niemand realistisch einschätzen. Ganz sicher will kein Politiker riskieren, in ähnlicher Form wie derzeit die Europäische Fußball-Union (UEFA) für einen Anstieg der Fallzahlen durch die Erlaubnis von zu vielen Besuchern in den Arenen verantwortlich gemacht zu werden.

Völlig offen ist auch, ob die Verhandlungen zwischen den Staatskanzleien des Bundes und der Länder tatsächlich zu einer bundesweit einheitlichen Regelung führen. Und so sind alle Planspiele der Bundesländer, die wie schon zu Beginn der vergangenen Spielzeit zu einem Flickenteppich führen könnten, bislang eben nur Planspiele.

In Mönchengladbach bis zu 18.000 Fans möglich

In Nordrhein-Westfalen, wo am ersten Spieltag vier Partien steigen, darf derzeit ein Drittel der Stadionkapazität ausgeschöpft werden - wenn die Nachverfolgung der Besucher gewährleistet ist. So könnte das Auftaktspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München laut der aktuellen Regelungen vor 18.000 Zuschauern stattfinden. Deshalb rechnet auch Arminia Bielefeld mit knapp 9.000 Zuschauern. "Anschließend gehen wir von einer Steigerung nach und nach aus", sagte Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek dem "Kicker".

Noch optimistischer klingt sein Kollege Jan Lehmann vom 1. FSV Mainz 05. Lehmann hofft zum Saisonstart auf den Einlass "aller 13.000 Dauerkartenbesitzer." Dabei sind derzeit sind in Rheinland-Pfalz nur 5.000 Zuschauer im Freien erlaubt.

In Bayern derzeit nur 1.500 Besucher erlaubt

Noch wesentlich geringer ist die Zahl in Bayern. Im Freistaat sind momentan 1.500 Besucher zulässig. Dass 14.000 Besucher zu den EM Spielen in die Münchner Arena dürfen, beruht auf einer Ausnahmeregelung. Dennoch hofft der FC Augsburg zunächst auf 6.000 Zuschauer. "Wirtschaftlich wäre es für uns und die bayerischen Vereine sehr wichtig, wenn mindestens ein Drittel zugelassen würden", äußerte FCA-Finanzboss Michael Ströll.

In Niedersachsen gibt es zwar positive Signale von der Politik, konkret wird aber auch Ministerpräsident Stephan Weil nicht. "Ob wir mit 20, 25 oder 30 Prozent starten werden, steht noch nicht fest", sagte der SPD-Politiker der "Welt".

Bei Eintracht Frankfurt sagte Vorstandssprecher Hellmann der "Sport Bild", er sehe da durchaus Probleme auf die Liga zukommen. Wenn etwa ein Klub nur Geimpfte ins Stadion lassen wolle, ihm dies aber verwehrt werde, könne es sogar zu Klagen kommen. "Wir beschäftigen uns auch mit der Frage", sagt Hellmann. "Es ist dabei weniger eine Frage des Klagen-Wollens als vielmehr des Klagen-Müssens."

sid/dpa | Stand: 01.07.2021, 21:12

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