Gladbachs wahres Prunkstück ist die Abwehr

Matthias Ginter (vorne) und Nico Elvedi

Nico Elvedi und Matthias Ginter erklären den Erfolg

Gladbachs wahres Prunkstück ist die Abwehr

Von Christian Hornung (Jerez de la Frontera)

Dass die Gladbacher Borussia am Freitagabend (17.01.2020) "auf Schalke" als erster Verfolger von Spitzenreiter Leipzig in die Rückrunde startet, wird oft dem wuchtigen Angriff um Shootingstar Marcus Thuram zugeschrieben. Dabei ist die Abwehr die beste der Liga.

Marco Rose hat Mönchengladbach verändert. Das Spiel des Tabellenzweiten ist mutiger geworden, schneller, zielgerichteter, es herrscht deutlich mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum als unter seinem Vorgänger Dieter Hecking. Das hat viel mit der neuen Angriffsformation zu tun, Thuram, Breel Embolo und Alassane Plea, aber auch Patrick Herrmann und Lars Stindl sollen die gegnerischen Aufbauspieler schon sehr früh unter Stress setzen, sie laut Rose "hoch" attackieren, aggressiv Bälle erobern - um so im Optimalfall sehr kurze Wege bis zum eigenen Abschluss zu haben.

Riskante Form des Pressings

Diese für die "Fohlen" neue Form des Pressings ist riskant. Je näher am gegnerischen Strafraum der Druck aufgebaut wird, desto offener ist der Rückraum, wenn die erste Pressinglinie überspielt wird. Trotzdem haben die Gladbacher nur 18 Gegentore bekommen, die wenigstens aller Spitzenteams. Nur Wolfsburg steht bei der gleichen Anzahl, hat aber dafür 15 Tore weniger geschossen. Auch jetzt zum Ende der Rückrunden-Vorbereitung zeigten die Borussen bei zwei 2:1-Testspielsiegen gegen den SC Freiburg wieder beide Qualitäten: viel Torgefahr zu erzeugen und trotzdem die Sicherheit zu wahren.

Elvedi: "Jetzt ist die Frische wieder da"

Sportschau 10.01.2020 00:22 Min. Verfügbar bis 10.01.2021 ARD

Für Innenverteidiger Nico Elvedi ist das erhöhte Offensivrisiko und die trotzdem vergrößerte defensive Stabilität kein Widerspruch. Der stille Schweizer erklärt gegenüber sportschau.de, warum die Balance funktioniert: "Wir haben es durch die neue Spielweise oft geschafft, den Gegner weit von unserem Tor wegzuhalten. Das klappt aber nur, weil wirklich alle mitarbeiten. Wenn du nur ein, zwei Spieler hast, die das vernachlässigen, wird es auch für uns hinten schwer."

Plea tut mehr in der Rückwärtsbewegung

In der Rückrunde der Vorsaison hatte vor allem der inzwischen nach Dortmund abgewanderte Thorgan Hazard die Rückwärtsbewegung vernachlässigt. Aber auch Plea engagiert sich in dieser ungeliebten Disziplin nun deutlich mehr.

Dazu ist bei den Borussen die Abstimmung zwischen Elvedi und seinem Nebenmann Matthias Ginter noch einmal besser geworden. "Wir verstehen uns wirklich sehr gut, jeder weiß, was der andere macht", sagt Elvedi. Ginter, der zuletzt zum Nationalspieler des Jahres gewählt wurde und auch die Wahl zum schönsten DFB-Tor der Saison für sich entschied (sein Hackentrick-Treffer im heimischen Stadion gegen Weißrussland), sagt dazu: "Es macht Spaß, mit Nico zusammenzuspielen, weil man sich immer aufeinander verlassen kann. Es hat uns die ganze Hinrunde über ausgezeichnet, dass wir sehr kompakt sind, uns gegenseitig helfen und auch schon in der Entstehung sehr viel wegverteidigt bekommen."

Ginter will sich nicht inszenieren

Im Aufbauspiel ist die Aufgabenverteilung dann so, dass sich beide Innenverteidiger wechselweise auch durchaus nach vorn einschalten dürfen. Während unter Ex-Trainer Lucien Favre lange Bälle noch auf dem Index standen, darf nun vor allem Ginter diese Stärke ausspielen: "Mein Ziel ist es dabei immer, möglichst viele Leute des Gegners zu überspielen. Aber ich inszeniere mich jetzt nicht nur noch über lange Pässe, es muss schon Sinn für die Mannschaft ergeben."

Ginter: "Es läuft schon vieles gut" Sportschau 10.01.2020 00:35 Min. Verfügbar bis 10.01.2021 Das Erste

Sowohl Ginter als auch Elvedi stehen generell nicht nur unter Verdacht, sich auf Kosten des Gesamtgefüges profilieren zu wollen. Beide sehen bei sich aber auch durchaus noch Luft nach oben. Elvedi: "Beispielweise bei Standards, bei denen ich mit nach vorne gehe, kann ich durchaus torgefährlicher werden. Und ich arbeite an meiner Ausstrahlung auf dem Platz, da habe ich mich schon verbessert, aber ein großer Lautsprecher werde ich sicher nicht mehr."

Gefahr durch Unzufriedenheit im Kader

Ginter hat sich fest vorgenommen, sich noch mehr beim Thema Mannschaftsführung einzubringen: "Ich denke, dass ich mir das über zweieinhalb Jahre hier durch Leistung erarbeitet habe. Ansonsten kannst du noch so viel erzählen, das wäre unglaubwürdig." Er sieht für die Rückrunde auch schon ein konkretes Aufgabenfeld, sogar eine Gefahr durch das frühe Aus in DFB- und Europapokal: "Es ist bei unserem starken Kader schon etwas anderes, dass wir im neuen Jahr nur noch in einem einzigen Wettbwerb vertreten sind. Da kann schnell Unzufriedenheit aufkommen, es gilt, die Warnsignale sehr früh zu erkennen."

Ginter weiter: "Es bringt nämlich keinem was, wenn man sich dann fünf Wochen zurückzieht und schmollt. Sowas ist immer ein schlechtes Zeichen an den Trainer und auch an die Kollegen. Aber noch ist die Stimmung super, noch ist alles cool bei uns."

Das Ziel heißt, oben dabeizubleiben

Sogar die Frage, ob am Ende der ganz große Wurf drin ist und Gladbach um den Titel mitspielen kann, sorgt bei den "Fohlen" nicht mehr für reflexartiges Abwehrverhalten. Ginter: "Der haushohe Favorit sind wir vielleicht nicht, da gibt es Bayern, Leipzig und Dortmund. Aber wir wollen weiter Spiele gewinnen, an den Feinheiten arbeiten und uns da festbeißen. Bis zum Ende ganz oben dabeizubleiben, das ist durchaus mein Ziel."

Stand: 15.01.2020, 02:00

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