Der neue BVB unter Lucien Favre

Schweizer Trainer formt Kader um

Der neue BVB unter Lucien Favre

Der neue Trainer Lucien Favre verpasst der Dortmunder Borussia vor allem in Mittelfeld und Angriff ein neues Gesicht. Königstransfer Axel Witsel soll die neue Taktik und Spielweise auf den Rasen bringen.

Favre ist dafür bekannt, jede Mannschaft, die er trainiert, besser zu machen. Das war schon in der Schweiz so bei Servette Genf und beim FC Zürich, später dann in der Fußball-Bundesliga bei Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach.

Dafür hat Borussia Dortmund den Schweizer zur neuen Saison verpflichtet. Favre, für den der Begriff Fußball-Lehrer besser passt als Trainer, soll den BVB nach einer enttäuschenden Saison zurück zum Erfolg führen - und vor allem zurück zu einem attraktiven Fußball.

Wunschspieler Witsel

Was Transfers angeht, hatte Favre freie Hand. Jetzt hat er seinen Wunschspieler bekommen. Der heißt Axel Witsel, ist 29 Jahre alt und zuletzt mit Belgien bei der WM in Russland Dritter geworden. Zuvor hatten die Dortmunder schon die Torhüter Marwin Hitz und Eric Oelschlägel sowie für die Abwehr Abdou Diallo und Achraf Hakimi und für das Mittelfeld Thomas Delaney und Marius Wolf verpflichtet. 73 Millionen Euro hat der Klub in Neuzugänge investiert, mehr als jeder andere Bundesligist.

Witsel-Wechsel zu Borussia Dortmund vor dem Abschluss

Sportschau | 06.08.2018 | 00:41 Min.

Die Renaissance des Tempofußballs

Witsel ist ein Kämpfer und ein Stratege. Er soll das Führungsvakuum im Dortmunder Mittelfeld beheben. Das war unter den Trainern Peter Bosz und Peter Stöger zuletzt recht fade und uninspiriert und von einem tempoarmen Ballbesitzfußball geprägt. Favre dagegen will ein klares Passspiel mit viel Tempo und Struktur sowie schnelles Umschalten bei Balleroberungen und Konterfußball - natürlich mit entsprechender Absicherung im defensiven Bereich.

Das alles bringt er seinen Spielern zurzeit im Trainingslager in Bad Ragaz bei und geht dabei pedantisch und perfektionistisch wie eh und je zu Werke. "Er bespricht mit mir meine Körperhaltung, wie ich laufen soll, wie ich den rechten, wie ich den linken Fuß einsetze - für ihn ist alles wichtig", sagt Neuzugang Diallo aus Mainz.

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"Mittelfeld prägen"

Witsel gilt als Königstransfer. 20 Millionen Euro überweist der BVB an den chinesischen Super-League-Klub Tianjin Quanjian - was in diesen Tagen angesichts der allgemeinen Hektik und Aufgeregtheit auf dem weltweiten Transfermarkt wohl als Schnäppchen zu bezeichnen ist. Er erhält einen Vertrag bis 2022. Das alles muss übrigens noch von der FIFA bestätigt werden.  

 Dortmunds Coach Lucien Favre beim Training

Dortmunds Coach Lucien Favre beim Training

"Axel ist ein Spieler mit großer internationaler Erfahrung, der alle Fähigkeiten mitbringt, um das zentrale BVB-Mittelfeld zu prägen: taktisches Verständnis, Zweikampfstärke, Tempo, Kreativität und Mentalität", sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc über den 96-maligen belgischen Nationalspieler.

"In der Analyse der vergangenen Saison haben wir festgestellt, dass es in einigen Spielen zu einfach war, uns zu schlagen. Da hatten wir zu wenig Gegenwehr auf dem Platz. Und zu wenig Führungsfiguren, die gesagt haben, Jungs, reißt euch wieder zusammen, sonst geht das hier heute in die falsche Richtung. Das erwarte ich mir von Axel Witsel", erklärt Zorc.

Überangebot an Spielern

In Mittelfeld und Offensive hat Favre ein Überangebot an Spielern. Neben Witsel ist wohl nur der neue Kapitän und Favre-Spezi aus Mönchengladbacher Zeiten Marco Reus gesetzt. In den Testspielen wechselte der Schweizer bisher munter die Spielsysteme durch -  4-2-3-1, 4-3-3, 4-1-4-1 und 4-4-2.

Die große Frage ist, wer hinten neben Witsel die Fäden zieht. Die größten Chancen hat wohl Julian Weigl. Infrage kommt aber auch Mahmoud Dahoud, den Favre in Mönchengladbach zum Bundesligaspieler formte. Möglich ist aber auch, dass Delaney neben Witsel spielt. Dann wäre im Mittelfeld Platz für Mario Götze, der unter Favre derzeit wieder aufblüht.

Offensiver könnten neben Reus dann Christian Pulisic und Maximilian Philipp spielen. Für Nuri Sahin, Sebastian Rode, Shinji Kagawa und Marius Wolf wäre dann erstmal kein Platz. Nach dem Weggang von Michy Batshuayi fehlt im Kader ein klassischer Mittelstürmer, den Favre aber in seinem System auch nie zwingend brauchte.

Ernsthafter Bayern-Herausforderer

Fest steht, dass der BVB in Mittelfeld und Offensive bestens besetzt ist. Vor allem wegen Trainer Favre gilt der Klub als sehr ernsthafter Herausforderer des Meisters Bayern München.  

vdv/sid/dpa | Stand: 07.08.2018, 11:00

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