BVB gegen Frankfurt - Favre unter dem Brennglas

Lucien Favre, Michael Zorc

Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt

BVB gegen Frankfurt - Favre unter dem Brennglas

Von Marcus Bark

Durch große Probleme in der Defensive hat Borussia Dortmund schon viele Punkte verloren. Trainer Lucien Favre fordert "Kontrolle" und "Geduld", andere beim BVB fordern mehr Leidenschaft und Aktivität. Beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt gerät Favre mal wieder unter das Brennglas.

"Wir bauen auf unsere Heimstärke", sagt Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt, mit der die Bundesliga am Freitag (14.02.2020) den 22. Spieltag eröffnet. Das ist ein Plan, der aufgehen könnte, denn der BVB hat von 30 möglichen Punkten in dieser Saison zu Hause 24 geholt. Als einzige Mannschaft der Liga ist er im eigenen Stadion noch ohne Niederlage, zudem wurden die vergangenen acht Heimspiele gegen die Eintracht gewonnen.

Zorc merkte auch noch etwas an, das ebenfalls gut mit Zahlen zu belegen ist: "Tore schießen wir genug." Schon 59 Treffer gelangen den Dortmundern, mehr als jedem anderen Bundesligisten.

Genauso viele Gegentore wie Union Berlin

Trotzdem ist es mal wieder so, dass die Stimmung gedämpft ist, dass der Trainer schon wieder unter das Brennglas rückt. Das liegt daran, dass der BVB viel zu viele Tore kassiert - 32 schon, mehr als acht andere Klubs, genauso viele wie 1899 Hoffenheim und der 1. FC Union Berlin. 

Viel zu viele auf jeden Fall für eine Mannschaft, die Meister werden will, und das wollen sie ja immer noch. Jedenfalls ist nur von einem etwas anderes zu hören. "Oh lalalalalala, ich will nicht darüber sprechen", sagte derjenige nach dem 3:4 in Leverkusen am vergangenen Spieltag, als er auf die Titelchancen angesprochen wurde. Es war Trainer Lucien Favre.

Zögern, Fremdeln, Zaudern

Von ihm hieß es vor Saisonbeginn, dass er hinter dem ambitionierten Ziel stehe. Aber es war schnell zu spüren, dass er damit fremdelte, dass ihm die Erwartungshaltung zu hoch war.

Favre: "Müssen mit mehr Geduld spielen" Sportschau 13.02.2020 01:01 Min. Verfügbar bis 13.02.2021 Das Erste

Dass Favre der Zögerliche, der Zurückhaltende, der im Zweifel Zaudernde ist, muss allen Beteiligten klar gewesen sein. Inzwischen stellt sich aber auch die Frage, ob Trainer, Verantwortliche und Spieler aneinander vorbei reden, wenn es um elementare Aspekte ihrer Arbeit geht.

Hummels: "Wieder zu passiv"

So wiederholte Zorc in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Frankfurt, dass jeder Spieler mehr Bereitschaft zeigen müsse, "das eigene Tor zu beschützen". Leidenschaft, harter körperliche Einsatz, aktives Verteidigen, das forderte der Sportdirektor genau wie Mats Hummels. Der Innenverteidiger bemängelte in Leverkusen, dass der BVB bei einer 3:2-Führung "wieder zu passiv" geworden sei. Favre hingegen forderte, dass seine Mannschaft "kontrollierter" hätte spielen müssen, mit "mehr Geduld".

Zorc: "Wir müssen das eigene Tor besser beschützen" Sportschau 12.02.2020 01:00 Min. Verfügbar bis 12.02.2021 Das Erste

Unterschiedliche Auffassungen

Auch wenn stets berücksichtigt werden muss, dass Favre weiterhin Probleme mit der deutschen Sprache hat und dass er in der Öffentlichkeit nur herzlich wenig von seinen fußballerischen Überlegungen preisgibt: Die unterschiedlichen Auffassungen, die aus den Zitaten herauszulesen sind, erscheinen als Erklärung für die immer wiederkehrenden Probleme in der Defensivarbeit plausibel.

Lucien Favre galt auf seinen Stationen bei Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach als jemand, der die Defensive mit der Zeit stärkte und Probleme in den Griff bekam. Es gibt beim BVB Indikatoren, dass sein Stil erfolgreich sein könnte. So gehört es zu Favres Plan, den Gegner zu Abschlüssen aus Positionen zu bringen, die nur eine geringe Wahrscheinlichkeit eines Treffers ergeben.

Gute Zweikämpfer

In dieser Saison kamen nur die Gegner des FC Bayern seltener im Strafraum zum Abschluss als die des BVB. Trotzdem gelangen ihnen verhältnismäßig viele Tore. Dortmund gewann ligaweit die meisten Zweikämpfe in der Defensive und die meisten Kopfballduelle in der Defensive. Mit nur drei Gegentoren nach Kontern führt der BVB auch diese Statistik an.

Murmeltiertag beim BVB

Sportschau 14.02.2020 01:45 Min. Verfügbar bis 14.02.2021 ARD

Riesenproblem Flanken

Letzter sind die Dortmunder hingegen bei den Gegentoren nach Flanken, und das nicht nur auf diese Saison bezogen, sondern seitdem Favre im Sommer 2018 seine Arbeit bei den Westfalen antrat. Der Trainer legt großen Wert darauf, dem Gegner im Zentrum möglichst wenig Raum zu lassen. Flanken erlaubt er ihm deshalb. In seiner Gladbacher Zeit ging das nach den Daten des Statistikdienstleisters "deltatre" noch auf.

In Dortmund leiten Flanken des Gegners häufig Tore ein. Das dürfte an mangelhaftem Defensivverhalten der Spieler liegen, die mit ihrem Tempo für viel Gefahr in der Offensive sorgen, etwa Jadon Sancho und Achraf Hakimi. Es mag aber auch an einem nur vermeintlichen Spitzenwert liegen. Denn der BVB gewinnt zwar die meisten Zweikämpfe in der Defensive, er führt aber auch die wenigsten. Anders gesagt: Er agiert zu passiv.

Was die Zahlen auch verraten: Frankfurt ist nach Flanken die gefährlichste Mannschaft der Bundesliga. So gelangen der Eintracht schon 13 Treffer und womöglich klappt das auch gegen den BVB.

Stand: 14.02.2020, 09:30

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Eintr. Frankfurt24
2.Bayern München13
3.Bor. Dortmund13
4.FC Augsburg13
4.RB Leipzig13
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16.Werder Bremen10
17.Bor. M´gladbach10
18.FC Schalke 0410
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