Bundesliga - ein guter Anfang, aber nur ein Anfang

Kölns Florian Kainz sitzt nach seiner Auswechslung mit Maske auf der Tribüne.

Bilanz des ersten Geisterspiel-Spieltages

Bundesliga - ein guter Anfang, aber nur ein Anfang

Von Marcus Bark

Die Bundesligen spielen wieder, und sie haben einen guten Start hingelegt. Aber es ist nicht mehr als ein Start, das Risiko bleibt bestehen, die Verantwortung steigt sogar noch.

Es war - das wurde auch häufig genug zugegeben - der wirtschaftliche Zwang, der die Deutsche Fußball Liga (DFL) drängte. So schnell wie möglich sollte in den höchsten beiden deutschen Ligen wieder gespielt werden. Zehn Tage nur vergingen vom Einverständnis der Politik bis zum ersten Anstoß. Das war gewagt, zumal der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte, wie repräsentative Umfragen zeigten.

Werbefaktor: hoch - Echo: positiv

Noch bevor die englische Premier League und spanische Primera Division ein Datum für Fortsetzung der Spielzeiten festgelegt haben, rollten in Deutschland schon wieder die Bälle. Der enorme Werbefaktor durch die hohe Aufmerksamkeitssteigerung war nicht vordergründig gewollt, wurde aber gewiss gerne mitgenommen.

Das Echo fiel auch positiv aus. Es gab in den Medien Jubelarien mit nationalistischem Unterton, überwiegend aber sachliche und differenzierte Analysen. Tenor: Es ist glatt gelaufen.

Das Risiko ist geringer geworden

Wichtig waren vor allem die Ergebnisse. Aber nicht die, die hinterher in die Tabellen eingehen, sondern die Ergebnisse der Tests. Hätte es am Samstagmorgen ein positives Testergebnis, eine damit mögliche Mannschaftsquarantäne und somit einen weiteren Spielausfall gegeben - die Schlagzeilen hätte sich jeder ausmalen können. Noch ist der Start auch nicht vollständig gelungen, denn am Montag (18.05.2020) steht noch das Spiel zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen an. Die Bremer müssen ohnehin noch eine Partie (gegen Eintracht Frankfurt) nachholen.

Wehrle über das Greifen des DFL-Konzepts: "Stein vom Herzen gefallen" Sportschau 17.05.2020 05:00 Min. Verfügbar bis 17.05.2021 Das Erste

Sollten die Ligen wie gewünscht bis zum 30. Juni fertig werden wollen, darf nichts mehr passieren. Das Risiko, doch die Saison abbrechen zu müssen, ist geringer geworden. Aber es besteht schon allein durch die hohe Zahl der Restspieltage: noch immer sind es acht.

Alles im Rahmen

Die Vorschrift, sich im Mannschaftskreis unter Quarantänebedingungen auf die weiteren Begegnungen vorbereiten zu müssen, ist nun aufgehoben. Die Verantwortung des Einzelnen steigt weiter.

Am Wochenende des Wiederbeginns waren sich die Protagonisten dieser Verantwortung bewusst. Es gab verrutschte Mund-Nasen-Schutzmasken, einige Torjubel am Wortlaut der Hygienevorschriften vorbei  - aber alles im Rahmen, wenn berücksichtigt wird, dass die jubelnden Spieler zuvor in Zweikämpfen ihren Schweiß verteilten.

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Sportlich durchaus unterhaltsam - Neugierde groß

Sportlich war es ziemlich gut, besser als vermutlich viele dachten. Borussia Dortmund gewann das Derby gegen den FC Schalke 04 mit einer sehr überzeugenden Leistung, Hertha BSC fand unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia sofort in die Spur, Borussia Mönchengladbach brauchte in Frankfurt nur acht Minuten für die ersten beiden Tore. Auch in der 2. Liga wurde ordentlich gespielt, am Sonntag ging es in den Partien der drei Spitzenmannschaften mit späten Toren sehr unterhaltsam zu.

Die übertragenden Fernsehsender durften mit den Einschaltquoten sehr zufrieden sein. Aber die Zahlen haben nur eine bedingte Aussagekraft. Wenn etwas neu ist, zieht es zunächst an. Ein Spieltag ohne Zuschauer war und ist etwas Neues. Die Neugier war groß. Wie das wohl ist, wenn die Anweisungen der Trainer und Spieler zu hören sind, wollten viele wissen. Wie sich wohl die Fans verhalten würden, hatten sich einige gefragt. Die Fans verhielten sich dann so, wie sie es angekündigt hatten - vorbildlich. 

Fehlende Stimmung ist der große Makel

Sie schauten oder hörten zu Hause oder in Gaststätten im kleinen Kreis. Oder sie schauten gar nicht, weil Fußball ohne Zuschauer für sie keinen Reiz hat. 

Es gab keine Stimmung - das ist der riesige Makel, der wegen der wirtschaftlichen Zwänge in Kauf genommen wurde. Er bleibt in den kommenden Wochen und Monaten bestehen. Auch deshalb ist trotz des guten Starts noch alles ziemlich fragil. 

Bilder aus der Bundesliga im "Geistermodus"

Der 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga ist ein Neustart in einer schwierigen Zeit. Zwischen Mundschutz und Desinfektion wurde aber trotzdem auch gejubelt.

Bild von einem der Geisterspiele des 26. Spieltag

Bevor es losgehen kann: Fiebermessen, zumindest bei denen, die außerhalb der Teams zu den wenigen gehören, die das Stadion betreten dürfen - so wie hier bei einem Fotografen in Hoffenheim.

Bevor es losgehen kann: Fiebermessen, zumindest bei denen, die außerhalb der Teams zu den wenigen gehören, die das Stadion betreten dürfen - so wie hier bei einem Fotografen in Hoffenheim.

Neues Einsatzfeld für die Balljungen, die vor dem Revierderby zwischen Dortmund und Schalke die Bälle desinfizieren müssen.

Auch in Düsseldorf halten sich vor dem Anpfiff die Helfer an die vorgeschriebenen Maßnahmen.

Viel Platz haben Deniz Aytekin und sein Schiedsrichterteam vor dem Anpfiff in Dortmund. Die Schiedsrichter sind einen Tag vor dem Spieltag auf das Coronavirus getestet worden - alle negativ.

Vor dem Dortmunder Stadion passen Ordner auf niemanden auf, weil keine Fans in die Nähe des Stadions kamen.

1,50 Meter Abstand sind auf der Ersatzbank kaum möglich. Deshalb weichen die Spieler auf die leeren Ränge aus.

Alle, die nicht direkt am Spiel teilnehmen, müssen Mundschutz tragen.

Auch auf der Pressetribüne heißt es: Abstand und Mundschutz.

Kleine Ausnahme: Die DFL legte noch fest, dass Trainer in der Coachingzone den Mundschutz abnehmen dürfen. So können Hoffenheims Alfred Schreuder (Foto) und seine 17 Kollegen - in Augsburg vertrat Tobias Zellner Chefcoach Heiko Herrlich an der Seitenlinie - ihre Anweisungen ungefiltert auf den Rasen rufen.

Auch ein Disput mit dem Kollegen wird deutlicher ohne Mundschutz, wie bei Gladbachs Marco Rose in Richtung von Frankfurts Adi Hütter.

Und dann geht es los, vor leeren Rängen. Ob in Leipzig ...

... oder bei Hoffenheim gegen Hertha in Sinsheim ...

... oder in der Augsburger Arena, wird ohne Fans und mit viel Leere gespielt.

Etwas belebter sieht es wegen der bunten Sitze in der Düsseldorfer Arena aus.

Das erste Tor des "Geister-Teils" der Saison darf in Dortmund bejubelt werden. BVB-Stürmer Erling Haaland lässt sich auf Abstand von den Kollegen für das 1:0 gegen Schalke feiern.

Allein mit Ball im Netz: Schalkes Salif Sane nach dem ersten Gegentor der "Königsblauen" in Dortmund.

Behandlungen in Zeiten besonderer Hygiene: Das medizinische Personal von Hertha BSC macht Jordan Torunarigha wieder spielfit.

Vorgerschrieben aber unbeschäftigt waren die Sanitäter in den Stadien.

Renato Steffen (r.) feiert seinen Treffer in Augsburg mit seinem Wolfsburger Mitspieler Paulo Otavio per "Corona-Check" an den Ellbogen.

Genauso machen es die Freiburger in Leipzig.

Mehr Nähe erlaubten sich die Berliner. Derdyck Boyata (l.) hat Marko Grujic wohl etwas sehr wichtiges mitzuteilen.

Auch beim Torjubel hielten sich die Herthaner nicht an die Anweisungen der DFL.

Besser macht es Wolfsburgs Daniel Ginczek (l.), der mit Kevin Mbabu seinen Siegtreffer in Augsburg bejubelt.

Gleich vier Mal nach Vorschrift freuten sich die Dortmunder bei ihrem Derbysieg gegen Schalke 04.

Vollkontakt gibt es dagegen natürlich auf dem Spielfeld, wie beim Abendspiel zwischen Frankfurt und Mönchengladbach.

Neue Routine nach dem Abpfiff: Augsburgs Co-Trainer Tobias Zellner gibt als Herrlich-Vertreter auf Distanz ein Interview.

Die Dortmunder Spieler wollen nach dem Schluss auf eine Routine nicht verzichten und bedanken sich Richtung Südtribüne, wo sonst 35.000 Fans stehen.

Auch Mönchengladbachs Thuram ließ sich das Feiern nicht nehmen und konnte ohne Zuschauer im Stadion auch beim Auswärtsieg in Frankfurt nach der Partie jubeln wie sonst nur zu Hause.

Am Sonntag (17.05.2020) hieß es in Köln ebenfalls: Tore zu.

Die Fans mussten draußen bleiben. Einige trafen sich aber mit Abstand auf den Wiesen rund ums Stadion.

Im Stadion zeigten in Köln die Anhänger anders Flagge. Nach einem Aufruf des Klubs hatten Fans dem FC ihre Glücksbringer geliehen, die dann auf den leeren Sitzschalen ausgelegt wurden.

Stand: 17.05.2020, 20:00

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München2967
2.Bor. Dortmund2960
3.RB Leipzig2958
4.Bor. M´gladbach2956
5.Bayer Leverkusen2956
 ...  
16.Fort. Düsseldorf2927
17.Werder Bremen2925
18.SC Paderborn 072919
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