Umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen

Bellinghams Hoyzer-Anspielung gegen Zwayer hat Folgen

Die Hoyzer-Anspielungen von Jude Bellingham gegen Schiedsrichter Felix Zwayer haben Folgen. Der DFB prüft Ermittlungen, ein Ex-Schiedsrichter erstattete Strafanzeige.

"Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest Du?", sagte BVB-Profi Jude Bellingham nach dem Bundesliga-Gipfel zwischen Dortmund und Bayern (2:3) in einem Interview beim norwegischen Sender Viaplay Fotball, das der ehemalige Bundesligastürmer Jan Aage Fjörtoft  führte, über den Referee aus Berlin.

Zwayer Kronzeuge im Hoyzer-Prozess

Bellingham spielte mit seinen Aussagen auf den Skandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer 2004 an, in dem auch der Name Zwayer mehrfach aufgetaucht war. Später war Zwayer Kronzeuge im Hoyzer-Prozess, wurde von diesem belastet - er gilt aber längst als rehabilitiert. Die Zeit enthüllte aber 2014, dass Zwayer vom DFB-Sportgericht 2006 tatsächlich für sechs Monate gesperrt worden war, unter anderem weil er "ihm bekannte Spielmanipulationen" zunächst nicht gemeldet und von Hoyzer Geld angenommen haben soll.

Nachreiner kündigt Prüfung an

Gut möglich, dass der DFB nun auch gegen Bellingham - der zum Zeitpunkt des Hoyzer-Skandals ein Jahr alt war - aktiv wird. "Der Kontrollausschuss wird die Äußerung des Dortmunder Spielers Jude Bellingham auf ihre sportstrafrechtliche Relevanz prüfen", sagte der Kontrollausschuss-Vorsitzende Anton Nachreiner am Sonntag (05.12.21).

Der Dortmunder bezog seine Kritik an Zwayer allerdings auf "viele Situationen in diesem Spiel", nicht nur auf den entscheidenden Elfmeter zum Münchner 3:2-Sieg. So wurde unter anderem ein möglicher Elfmeter nach Foul von Bayerns Lucas Hernández nicht gegeben - und noch nicht mal am Videoschirm überprüft.

Strafanzeige eines Ex-Schiedsrichters

Bayerns Vorstandschef Oliver Kahn kritisierte Bellingham bei Sky90: "Das geht einen gewaltigen Schritt zu weit. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Spieler schon mal was in der Art von sich gegeben hat." Ein ehemaliger Schiedsrichter erstattete sogar Strafanzeige wegen Verleumdung und Beleidigung.

Zorc spricht bei Zwayer von "Fakten"

Der BVB verteidigte Bellingham. "Er benennt alte Fakten, das muss man nicht machen", sagte Sportdirektor Michael Zorc. "Wir stehen da zu ihm. Strafrechtlich sehe ich nichts Problematisches." Zorc sagte weiter: "Zwayer wurde leider dem Niveau des Spiels nicht gerecht. Er war überfordert. Es war ein tolles Topspiel, das durch den Schiedsrichter entschieden wurde."

In der spielentscheidenden Szene, die zum Bayern-Elfmeter führte, sah Zorc "kein absichtliches Handspiel von Mats Hummels. Er sieht den Ball ja gar nicht, er taumelt da rein. Auf der anderen Seite werden Dinge wie der Rempler gegen Marco Reus oder die Szene mit Alphonso Davies nicht überprüft. Da verzweifelst du draußen, wenn diese Sachen vom Schiedsrichter unterschiedlich gehandhabt werden." Betrug sei "ein großes Wort", sagte Zorc, "wir wollen hier ja keine neuen Vorwürfe artikulieren. Aber sagen wir es so: Wir fühlen uns in den entscheidenden Szenen benachteiligt."

Auch Haaland sieht einen "Skandal"

Auch Erling Haaland sprach gegenüber "Viaplay" von einem "Skandal", als er auf Zwayer angesprochen wurde: "Er war arrogant, mehr werde ich nicht sagen."

Auch Trainer Marco Rose, dem Zwayer Gelb-Rot wegen "wiederholter Unsportlichkeit" gezeigt hatte, wurde gehässig. "Herr Zwayer kann ruhig noch ein paar mal den BVB pfeifen, wir sind hier und bereiten uns vor auf alles, was da kommt. Er kann uns gerne noch ein paar Stöcke und Steine in den Weg werfen", sagte er bei Sky. Zwayer erklärte seine Elfmeterentscheidung nach einem Handspiel von Mats Hummels und nannte die Szene - was den Ärger der Dortmunder noch vergrößern dürfte: "unstrittig".