Bayern-Fan gegen den FC Bayern - verhärtete Fronten

Bayern-Fans protestieren gegen Montagsspiele

Prozess

Bayern-Fan gegen den FC Bayern - verhärtete Fronten

Von Marcus Bark

Einem Bayern-Fan wird vom Verein per Hausverbot der Zugang zum Stadion verweigert und er zieht dagegen vor Gericht. Es ging beim ersten Verhandlungstag (Mittwoch 19.08.2020) um mehr als nur ein Banner gegen Montagsspiele, das juristisch im Vordergrund steht. Es geht auch um die Frage, wie der FC Bayern mit kritischen Fans umgeht. Das Verfahren dauert an.

Mike heißt gar nicht Mike. Er will aber nicht, dass sein richtiger Name im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit genannt wird, den Mike gegen den FC Bayern führt. Der FC Bayern ist Mikes Verein, er gehört der aktiven Fanszene an. Deshalb ist er auch vor ein Gericht gezogen, denn sein Verein erteilte ihm Hausverbot für das Stadion, in dem die Profis des Rekordmeisters spielen.

Außerdem darf er nicht mehr das Stadion an der Grünwalder Straße, in dem die zweite Mannschaft spielt, den FC-Bayern-Campus, in dem unter anderem die Nachwuchsmannschaften trainieren und spielen, und das Gelände an der Säbener Straße betreten, auf dem die Profis trainieren. Alles unbefristet. Das ist eine ziemlich heftige Strafe für einen aktiven Fan.

Klage auf Aufhebung des Hausverbots

Da Mike und sein Anwalt Andreas Hüttl zudem der Meinung sind, dass der FC Bayern die Sanktion ohne Grund und Rechtsgrundlage verhängte, klagen sie gegen den Klub auf Aufhebung des Hausverbots.

Am Mittwoch (19.08.20) wäre der Saal 120 des Amtsgerichts München auch dann für alle interessierten Zuschauer zu klein gewesen, wenn jeder Platz hätte besetzt werden dürfen. So hörten nur etwa zehn Leute auf Abstand zu, viele Mitstreiter von Mike warteten auf dem Flur.

Lebhafter Prozessauftakt

Die Richterin befragte eingangs beide Parteien, ob sie denn nicht doch noch eine gütliche Einigung anstrebten. Es war sehr schnell klar, dass sie die Sache vor Gericht geklärt wissen wollen.

Es ging äußerst kontrovers und lebhaft zu: Die Anwälte fielen sich ins Wort, bezichtigten sich gegenseitig der Lüge. Die Richterin beraumte für den 15. Oktober einen weiteren Termin an, dort soll dann mindestens ein Zeuge gehört werden. Mit einem Urteil ist frühestens Mitte bis Ende Oktober zu rechnen.

"Bayern-Amateure gegen Montagsspiele"

Mike hofft, dass er danach  wieder ins Stadion an der Grünwalder Straße darf. Dort war er am 17. Februar 2020 zum Spiel des FC Bayern II gegen den Halleschen FC. Es war ein Montag, ein verhasster Termin bei vielen aktiven Fans. Daher entrollten die Anhänger des FC Bayern ein Banner, auf dem stand: "Bayern-Amateure gegen Montagsspiele".

Mike soll das Banner verbotenerweise ins Stadion gebracht und dort zusammen mit anderen präsentiert haben. Das behauptet der FC Bayern, der darauf das Hausverbot gründet.

Hätte es einer Genehmigung für das Plakat bedurft?

Mike und sein Anwalt bestreiten, das Mike das Plakat ins Stadion gebracht hat. Sie bestreiten auch den Vorwurf des FC Bayern, dass Mike mit dem Plakat gegen die Brandschutzordnung verstoßen habe.

Fananwalt Hüttl: "Das Ende der Meinungsfreiheit im Stadion" Sportschau 19.08.2020 00:45 Min. Verfügbar bis 19.08.2021 Das Erste

Sie sind vielmehr der Meinung, dass eine Genehmigung nach der Brandschutzordnung gar nicht nötig war für ein Banner bei einem Spiel mit weniger als 5.000 Zuschauern. Bei der angesprochenen Drittligapartie waren sogar weniger als 2.000 Zuschauer im Stadion. Nur einer von vielen Punkten, bei denen die Streitparteien nicht auf einen Nenner kamen und wohl auch kaum kommen werden.

Wollte der FC Bayern einen Fan "mundtot" machen?

Die Frage, die über allem schwebt und dem Verfahren öffentliches Interesse verleiht, ist : Wollte der FC Bayern mit dem Hausverbot einen kritischen Geist unter den Mitgliedern "mundtot" machen, wie Mikes Anwalt Andreas Hüttl behauptet? 

Mike sieht vor allem die enge Verbindung des Klubs zum Wüstenemirat Katar, Ausrichter der WM 2022, sehr kritisch. Die staatliche Fluggesellschaft des Emirats ist Ärmelsponsor des Rekordmeisters, der seit Jahren auch in Katar sein Wintertrainingslager am Persischen Golf bezieht.

FC Bayern - Kritik an Katar unerwünscht? sport inside 01.07.2020 08:17 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 WDR

Er wollte mit einer Satzungsänderung erzwingen, dass sich der FC Bayern München "zur Einhaltung der Menschenrechte gemäß den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen" bekenne. Der Antrag kam auf der vergangenen Mitgliederversammlung gar nicht zur Abstimmung.

Der FC Bayern bestreitet die Vorwürfe vehement

Mike trat auch prominent bei einer vom Dachverband der Bayern-Fans organisierten Veranstaltung auf. Dort referierten zwei nepalesische Wanderarbeiter über die Bedingungen, unter denen sie in Katar ihr Geld verdienten. Der FC Bayern nahm die Einladung zu der Veranstaltung nicht an. Es war deshalb symbolisch ein Stuhl freigelassen worden.

Der Klub bestreitet vehement, dass er einen Kritiker mundtot machen wolle. Als Beleg führte Bayerns Rechtsanwalt Gerhard Riedl am Donnerstag vor dem Amtsgericht an, dass Mike schon vor der strittigen Banneraktion im Februar eine Einladung des Vereins erhalten habe, als Gast bei Sitzungen der Satzungskommission teilzunehmen. Das, so Riedl, hätte der Verein ja nicht gemacht, wenn er den kritischen Fan ausschließen wolle.

Mike und sein Anwalt sehen es anders. Sie sehen auch mehr als ein Verfahren um ein -  sehr schmerzliches - Hausverbot. Für Hüttl geht es "um Grundrechte, um die Meinungsfreiheit". Vor allem gehe es ihm um den Gleichheitsgrundsatz. Mike sei der einzige Bayern-Fan, der in den vergangenen Jahren ein Hausverbot bekommen habe, weil er ein Banner präsentierte. 

Stand: 19.08.2020, 18:09

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