Hansi Flick - der Bayern-Chef aus der zweiten Reihe

Bayern Münchens Interimstrainer Hansi Flick

Interimstrainer beim FC Bayern

Hansi Flick - der Bayern-Chef aus der zweiten Reihe

Von Marcus Bark

Die zweite Reihe hat ihn zum Weltmeister und Ehrenbürger gemacht. Nun rückt Hansi Flick nach vorne, bei einem Klub, der mehr als jeder andere in Deutschland im Scheinwerferlicht steht.

Die deutsche Bürokratie ist gnadenlos. Auf einer Ernennungsurkunde zum Ehrenbürger steht selbstverständlich der Name, der auch im Pass vermerkt ist. Das ist selbst dann der Fall, wenn der Ehrenbürger nur von Leuten so genannt wird, die ihn ärgern wollen. Der jüngste Ehrenbürger Bammentals heißt Hans-Dieter Flick. Es ist der Hansi, der mit Jogi, Poldi und Schweini 2014 Weltmeister wurde.

Deshalb wurde er zum Ehrenbürger seines Wohnortes ernannt, einer kleinen Gemeinde, die gut zehn Kilometer entfernt von Heidelberg liegt.

In Bammental begann auch die Trainerkarriere Flicks. Die Zeit mit dem FC Victoria hätte allerdings niemals für eine Ehrenbürgerschaft gereicht, denn er stieg aus der Oberliga Baden-Württemberg ab. Bei der folgenden Station, der TSG Hoffenheim, stieg er dem Mäzen Dietmar Hopp nicht schnell genug auf, deshalb war dort im November 2005 Schluss.

Das Herz am richtigen Fleck

Dass Hansi Flick 14 Jahre später Cheftrainer beim FC Bayern wird, zumindest übergangsweise, ist schon ein bisschen seltsam. Es dürfte auch mit den Worten von Bammentals Bürgermeister Holger Karl zusammenhängen, die dieser bei der Urkundenübergabe im November 2015 fand: "Hansi Flick hat eine Eigenschaft, die man nicht lernen kann, nämlich das Herz am richtigen Fleck zu tragen."

Oder mit den Worten von Kai Herdling. Der heutige U16-Trainer der TSG spielte jahrelang für den Klub unter Flick und sagte über ihn zur Sportschau: "Er war schon damals sehr innovativ und sehr weit. Hansi liebt den Fußball. Er hat einen engen Draht zu den Spielern, es geht in Richtung Kumpeltyp, aber das ist nicht ganz das richtige Wort." Herdling sieht noch zwei weitere Eigenschaften Flicks, die in jedem Bewerbungsgespräch bei Bayerns scheidendem Präsidenten Uli Hoeneß sehr gut ankommen dürften: "Er ist bodenständig, ein absoluter Familienmensch."

Flick: "Habe einen guten Draht zu den Spielern" Sportschau 05.11.2019 01:02 Min. Verfügbar bis 05.11.2020 Das Erste

Flick, der loyale Assistent

Dass Flick "fachlich sehr gut" sei, sagte mit Heiko Throm ein weiterer Spieler aus der Hoffenheimer Trainerzeit. Dass Flick "absolut loyal" sei, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Er war von 2006 bis 2014 Flicks Chef.

Wie das in solchen Arbeitsverhältnissen vorkommt, kann es lange dauern, bis der Chef auf seinen Assistenten hört. Vor der WM in Brasilien drang Flick endlich mal durch. Er hatte schon lange gefordert, vermehrt Standardsituationen einzuüben. Angesichts der Hitze und vorsichtigen Taktik erschien das dann auch Löw eine gute Idee. Sie führte mit zum Triumph in Rio.

Das bleibt vor allem hängen von der Zeit an Löws Seite, in der er ab und an auch gezwungen war, Pressekonferenzen zu geben. Er lächelte dabei, sagte das, was die meisten Trainer sagen. Er mochte das aber nie. Scheinwerfer mussten nie sein. Die erste Reihe ist Hans-Dieter. Hansi ist lieber zweite Reihe.

Sportdirektor beim DFB? War nichts für Flick

Der Posten des Sportdirektors beim DFB schien daher bestens geeignet. Im Schatten von Oliver Bierhoff, eines Präsidenten und der Nationalmannschaft ließe sich gut tüfteln, ließen sich Konzepte erarbeiten und umsetzen.

Aber dieser Job beim DFB war nichts für Flick. Er verließ den Verband nach gut zwei Jahren im Januar 2017. "Wenn man im weltgrößten Sportverband arbeitet, dann sind viele Dinge doch auch sehr politisch, sehr zäh. Man ist teilweise zu weit vom normalen Sport entfernt. Ich musste zu mir ehrlich sein, dass das nicht so ganz die Arbeit ist, wie ich sie mir vorgestellt hatte", sagte Flick über die wahren Beweggründe der Trennung. Er hatte sich damit ein halbes Jahr Zeit gelassen, bis zu seiner Vorstellung bei der TSG Hoffenheim.

Das schien jetzt aber tatsächlich zu passen. Als Geschäftsführer bei dem Klub, den er kannte, der in der Nähe von Bammental spielt und beste Möglichkeiten hatte. Aber Trainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Alexander Rosen sollen nicht so recht gewusst haben, warum ihnen jetzt noch ein Fußballexperte vorgesetzt wird.

Der Vertrag, für fünf Jahre gültig, wurde nach acht Monaten aufgelöst.

Die Bayern suchten einen wie Flick

Wieder hatte Flick viel Zeit für die Familie. Dann kam das Angebot aus München. Der FC Bayern suchte jemanden für die zweite Reihe, weil sie dort mit Peter Hermann einen der besten verloren hatten. Dass Flick in dem Fall, dass es mit Niko Kovac nicht klappt, eine stimmige Interimslösung sein würde, war schon im Sommer 2019 abzusehen.

Der Fall ist nun eingetreten. Am Mittwoch (06.11.2019) wird Hansi Flick erstmals wieder als Cheftrainer einer Vereinsmannschaft an der Seitenlinie stehen, seitdem er am 18. November 2005 mit der TSG Hoffenheim in der Regionalliga Süd gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart mit 1:2 verlor. Es geht in der Champions League gegen Olympiakos Piräus, drei Tage später kommt Borussia Dortmund zum Topspiel der Bundesliga nach München.

Flick: "Mannschaft hat verstanden, dass sie in der Verantwortung ist" Sportschau 05.11.2019 00:32 Min. Verfügbar bis 05.11.2020 Das Erste

An Ehrgeiz mangelt es Flick nicht

Ob er sich denn vorstellen könne, bei positivem Verlauf auch weiterhin Cheftrainer bei den Bayern zu sein, wurde Flick am Dienstag gefragt. Er sagte: "Ich lebe weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft, sondern nur in der Gegenwart."

Das war ziemlich gut für jemanden, der solche Auftritte in der ersten Reihe nicht mag. Flick lässt sich alles offen, und dass er ganz gerne zumindest gefragt werden würde, darf angenommen werden. Flick ist nämlich auch sehr ehrgeizig. Das sagen sie beim DFB und berichten von Trainingsspielen, bei denen der ehemalige Profi des FC Bayern (1985 bis 1990) auch mal die rustikale Grätsche auspackte, wenn es gegen ihn lief.

Heiko Throm sagte über die gemeinsame Zeit in Hoffenheim: "Hansi Flick ist extrem ehrgeizig. Es konnte schon sein, dass er im Trainingsspiel ruppiger wurde. Er mag es gar nicht, zu verlieren."

Nach der Trennung von Niko Kovac - schwierige Zeiten für den FC Bayern Mittagsmagazin 04.11.2019 02:17 Min. Verfügbar bis 04.11.2020 Das Erste

Stand: 05.11.2019, 22:57

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