Die Probleme der Bayern

Bayern Münchens Trainer Niko Kovac

Rekordmeister in der Krise

Die Probleme der Bayern

Von Chaled Nahar

Der FC Bayern steckt in einer seiner selten gewordenen Krisen - die Probleme liegen in vielen Bereichen der Mannschaft und des Vereins.

Das 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach stürzte den FC Bayern nun endgültig in eine ausgewachsene Krise. Die Bayern zeigten sich in einem desolaten Spiel völlig chancenlos und finden sich nun auf Platz sechs der Bundesliga wieder. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Verpasste Weiterentwicklung

Die Altersstruktur im Kader wird immer stärker zum Problem. Arjen Robben wird im Januar 35 Jahre alt und im Mai zehn Jahre bei den Bayern gespielt haben. Franck Ribéry wird am Saisonende 36 Jahre alt sein und dann zwölf Jahre an der Säbener Straße verbracht haben. Besser als ihre Gegenspieler sind sie vor allem in den entscheidenden Runden der Champions League häufig nicht mehr.

Die Bayern erreichten 2013 zum bislang letzten Mal das Endspiel der Champions League. Die Startelf der Bayern aus dem Spiel in Wembley zeigt mit Neuer, Boateng, Alaba, Martinez, Robben, Müller und Ribéry gleich sieben Spieler, die auch heute noch im Kader stehen. Beim damaligen Gegner Borussia Dortmund sind es nur zwei. Zwar belegt eine Statistik der "CIES Football Observatory", dass beim FC Barcelona und bei Real Madrid die Spieler im Schnitt noch länger im Klub sind. Doch der Altersschnitt ist demnach in München (28,32 Jahre) höher als in Barcelona (28,02) und Madrid (27,96). Die Verletzungen von Alternativen wie Kingsley Coman oder Corentin Tolisso machen sich daher schneller bemerkbar.

Arjen Robben nach dem Sieg in der Champions League 2013

Arjen Robben nach dem Sieg in der Champions League 2013

Die Frage ist, ob die Vereinsführung in den fünf Jahren mit den Trainern Pep Guardiola, Jupp Heynckes, Carlo Ancelotti und nun Niko Kovac bei der Kaderplanung keine Alternativen fand - oder aus Verbundenheit vielleicht keine wollte. Eine Weiterentwicklung des Kaders hat der Klub zumindest im Kampf um die europäische Spitze nicht richtig geschafft.

Ärger über die Rotation

Bei Spitzenklubs wie den Bayern ist das Wechseln der Startelf eine der Künste, die sitzen muss. Immer frische Spieler für die richtigen Gegner auf dem Platz zu haben und gleichzeitig hochbezahlte und anspruchsvolle Profis bei Laune zu halten, ist eine wichtige Aufgabe des Trainers. Nur Manuel Neuer und Joshua Kimmich haben alle Bundesligaspiele der Saison 2018/19 von Beginn an absolviert.

Niko Kovac (l.) mit James bei seiner Einwechslung

Niko Kovac (l.) mit James bei seiner Einwechslung

Zum Spiel gegen den FC Augsburg - bis dahin hatten die Bayern alle ihre sieben Pflichtspiele gewonnen - wechselte Kovac die Startelf auf fünf Positionen. Am Ende stand ein enttäuschendes 1:1. In Medienberichten ist von wütenden Stars die Rede gewesen, die mit ihren Einsatzzeiten unzufrieden gewesen sein sollen.

Unbedachte Äußerungen der Vereinsführung

Dieser Streit führte zu einem vielleicht unbedachten Satz von Bayerns Präsident Uli Hoeneß. "Am Ende muss der Trainer den Kopf hinhalten", sagte Hoeneß. Er meinte wahrscheinlich, dass Kovac die Rotation vor der Mannschaft erklären müsse. Doch die Wortwahl ließ natürlich eine sich anbahnende Trainerfrage vermuten, Hoeneß setzte Kovac ohne Not unter Druck. Nun schob er im Kicker martialisch nach, dass er Kovac "bis aufs Blut" verteidigen wolle.

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß

Die Unterstützung verwundert nicht, da die Klubführung Jupp Heynckes nicht von der Fortsetzung seiner Arbeit überzeugen konnte, Thomas Tuchel inzwischen in Paris unterschrieben hatte und Jürgen Klopp an Liverpool gebunden ist. Sollte die Diskussion um Kovac Fahrt aufnehmen, würde das auch Hoeneß schaden.

Parallele zu Ancelotti

Doch schon jetzt ist die Diskussion da. Zu einem ähnlichen Zeitpunkt, nämlich nach sechs Spielen in der Bundesliga mit 13 Punkten und dem 0:3 in der Champions League bei Paris Saint-Germain musste Carlo Ancelotti gehen.

"Ich kenne den Mechanismus im Fußball beziehungsweise in der Bundesliga", sagte Kovac nach dem Spiel gegen Gladbach. "Ich bin der Meinung, dass wir es sieben Spiele lang gut gemacht haben und jetzt eben nicht. Ich weiß, dass ich beim FC Bayern München bin und die Zeit hier anders läuft als vielleicht woanders."

Kovac muss Antworten finden

Trainer Kovac hat nun fast zwei Wochen Zeit, die Wende einzuleiten. Er muss Antworten finden auf die Stimmung im Team zur Rotation und vor allem auf das derzeit insgesamt schwache Offensivspiel, das lahmende Spiel über die Außen und die schlechte Chancenverwertung. "Wir schaffen es derzeit nicht, uns über die Außen durchzusetzen", sagte Kovac. "Durch die Mitte schaffen wir's auch nicht."

Am 20. Oktober beginnt eine englische Woche mit drei Auswärtsspielen in Folge, die für Kovacs kurzfristige Zukunft bei den Bayern entscheidend sein dürfte: Die Gegner in Bundesliga und Champions League sind dann der VfL Wolfsburg, AEK Athen und der 1. FSV Mainz 05.

Stand: 08.10.2018, 12:50

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