FC Bayern: Keine öffentliche Kritik an der Menschenrechtslage in Katar

Coman (li.) und  Müller im Training in Katar

Aufforderung von vier Münchner Stadtratsfraktionen

FC Bayern: Keine öffentliche Kritik an der Menschenrechtslage in Katar

Von Benjamin Best

Im vergangenen Jahr forderten vier Münchner Stadtratsfraktionen (Die Grünen/RL, ÖDP, Die Linke und FDP) per Antrag den FC Bayern München dazu auf, dass sich der Verein für die Menschen- und Arbeitsrechtssituation im Emirat Katar einsetzen soll. Die jetzt veröffentlichten Antworten des Vereins werden aus der Münchner Politik stark kritisiert.

Einer der Kernpunkte des Antrags war, dass der FC Bayern Katar öffentlich auffordern möge, Todesfälle von Gastarbeitern untersuchen zu lassen und die Daten zu Todesfällen zu veröffentlichen. Beides geschieht bislang nicht ausreichend. Trotz vieler Reformversprechen in den vergangenen Jahren wird Katar, dem Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr, weiterhin von Menschenrechtsorganisationen ein ausbeuterischer Umgang mit Arbeitern vorgeworfen.

FC Bayern: "Sport nicht NGO"

Nun veröffentlichte die Stadt die Antworten des Klubs auf den Antrag der Politiker. Öffentliche Kritik an der Menschen- und Arbeitsrechtssituation in Katar lehnt der FC Bayern weiterhin ab und verweist auf Reformen im Land. In der Antwort heißt es unter anderem, der Sport könne nicht NGO spielen. Ein runder Tisch mit dem Generalsekretär von Katars WM-Organisationskomitee, an dem auch Fans und andere Organisationen teilnehmen sollen, sei in Planung.

Münchner Politiker kritisieren Antworten des FC Bayern

Die Stadträtin Brigitte Wolf (Die Linke), eine der Initiatoren des Antrages, kritisiert gegenüber sportschau.de die Antworten des FC Bayern deutlich. "Angesichts der Brisanz der Vorwürfe zur Menschenrechtslage in Katar und der andauernden Ausbeutung der migrantischen Arbeiter*innen stellt uns die Antwort des FC Bayern nicht zufrieden. Von einem so international anerkannten Fußballverein hätte ein öffentliches Eintreten für die Menschenrechte auch in Katar einen großen Wert. Leider gehen für die Verantwortlichen die profitablen Geschäftsbeziehungen vor. (…).“

Tobias Ruff, Fraktionsvorsitzender der ÖDP/FW, ergänzt, dass der FC Bayern durch das jährliche Trainingslager die Augen vor den Menschenrechtsverletzungen in Katar verschließe.

Oberbürgermeister will sich nicht weiter äußern

Im Antrag forderten die Stadträte den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, der gleichzeitig Mitglied im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München e.V. ist, allerdings nicht in seiner Funktion als Oberbürgermeister, dazu auf, sich für ihre Forderungen gegenüber dem Verein einzusetzen.

Auf sportschau.de-Nachfrage heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters, dass über die veröffentlichten Antworten des FC Bayern keine weitere Stellungnahme zu dem Thema gegeben wird.

Eigene Fanszene kritisiert FC Bayern

Seit einem Jahrzehnt pflegt der FC Bayern München Geschäftsbeziehungen zu Katar. Regelmäßig absolviert der Klub sein Wintertrainingslager am Golf, die staatliche Fluglinie Qatar Airways und der Flughafen in Doha sind Sponsoringpartner. Teile der eigenen aktiven Fanszene kritisieren seit Jahren die Verbindungen zwischen dem Klub und Katar. 

Stand: 11.02.2021, 14:46

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