Bayern gegen Leipzig - der Mann-gegen-Mann-Vergleich

Serge Gnabry (l.) und Christopher Nkunku

Bundesliga-Spitzenspiel

Bayern gegen Leipzig - der Mann-gegen-Mann-Vergleich

Von Marco Schyns

Es ist das absolute Spitzenspiel der Bundesliga: Bayern gegen Leipzig, Tabellenführer gegen Verfolger. Wir haben die beiden Teams anhand der einzelnen Positionen miteinander verglichen - und kommen zu einem knappen Ergebnis.

Tor: Manuel Neuer vs. Peter Gulacsi
Auf der einen Seite der viermalige Welttorhüter und auf der anderen Seite der vielleicht stabilste und konstanteste Bundesliga-Torhüter der vergangenen Jahre. Neuer hat sich nach einer schwierigen Zeit mit Verletzungen und Diskussionen, vor allem in der Nationalmannschaft, stabilisiert und spielt eine starke Saison (sieben Mal zu null). Gulacsi ist schon seit Leipzigs Aufstieg 2016 ein starker Rückhalt und eine feste Größe im Team. Er steht bei vier Partien zu Null, beide Keeper mussten 23 Mal hinter sich greifen. Unentschieden - 1:1.

Rechte Abwehr: Benjamin Pavard vs. Nordi Mukiele
Obwohl sich Pavard in seinem ersten Jahr für die Bayern gesteigert hat, ist der Franzose noch lange nicht auf dem Leistungsniveau angekommen, das ihn 2018 zum Stammspieler in Frankreichs Weltmeister-Team gemacht hat. Die Ansätze sind gut, vor allem offensiv (3 Tore, 2 Torvorlagen), aber Szenen wie im DFB-Pokal gegen Hoffenheim, als er etwas ungelenk versuchte, eine Hoffenheimer Flanke abzuwehren, bleiben nicht aus. Leipzigs Mukiele hat sich, auch weil "Konkurrent" Klostermann im Zentrum spielt, auf der rechten Abwehrseite festgespielt, ist offensiv ähnlich stark wie Pavard (2 Tore, 2 Torvorlagen) und muss sich im französischen Duell nicht verstecken. Unentschieden - 2:2.

Innenverteidigung links: David Alaba vs. Lukas Klostermann
Ein ungewöhnliches "Duell", weil beide Spieler keine gelernten Innenverteidiger sind. Verletzungsprobleme führten in beiden Fällen aber dazu, dass sowohl Alaba als auch Klostermann ausweichen mussten und von den Außenbahnen ins Zentrum beordert wurden. Beide erledigen ihre Aufgaben souverän, an Alaba führt in diesem Fall aber kein Weg vorbei. Der Österreicher ist der geborene Allrounder und stellt in diesen Wochen unter Beweis, dass die Innenverteidigung womöglich sogar seine Zukunft sein könnte. Punkt für Bayern - 3:2.

Bayern München gegen Hoffenheim - die Highlights Sportschau 05.02.2020 04:38 Min. Verfügbar bis 05.02.2021 Das Erste

Innenverteidigung rechts: Jérôme Boateng vs. Dayot Upamecano
Auch Boateng ist durch die Verletzungsmisere in der Bayern-Abwehr wieder in den Fokus gerückt. Von seiner Weltklasse-Form von vor fünf Jahren ist der Weltmeister von 2014 weit entfernt. Boateng strahlt kaum mehr Sicherheit aus, Stellungs- und Passspiel haben ebenfalls nachgelassen. Upamecano dagegen ist Leipzigs Abwehrchef und zählt mit seinen 21 Jahren zu den vielversprechendsten Abwehrtalenten weltweit. Der eine oder andere Fehler unterläuft ihm zwar noch, insgesamt aber gibt es nur wenige stabilere Innenverteidiger als den Franzosen in der Bundesliga. Punkt für Leipzig - 3:3.

Linke Abwehr: Alphonso Davies vs. Marcel Halstenberg
Wenn man über Davies spricht, wird nicht selten von einem "Fußballmärchen" gesprochen. Seit ziemlich genau einem Jahr ist Davies in München, kam im ersten halben Jahr kaum zum Einsatz. Durch die Ausfälle in der Abwehr und Alabas Positionwechsel spielte sich Davies als Linksverteidiger fest - und macht seine Sache sehr gut. Davies ist pfeilschnell, agil und stark im Zweikampf. Halstenberg hat die deutlich größere Erfahrung, ist Nationalspieler und gehört zu Leipzigs Dauerläufern. Aus dem RB-Team ist er nicht wegzudenken. Unentschieden - 4:4.

Zentrales Mittelfeld: Joshua Kimmich vs. Dani Olmo
Nachdem Bundestrainer Joachim Löw angekündigt hatte, Kimmich im defensiven Mittelfeld einsetzen zu wollen, übernahm er auch bei den Bayern jene Rolle als Sechser. Es ist, als sei diese Position auf den 24-Jährigen zugeschnitten, der in jeder Spielsituation ruhig agiert, Übersicht beweist und aus dem Bayern-Mittelfeld nicht mehr wegzudenken ist. Der Leipziger Olmo kam im Januar von Dinamo Zagreb, traf gleich in seinem zweiten Spiel gegen Frankfurt im DFB-Pokal. Er muss sich noch beweisen und hat im Duell mit Kimmich das Nachsehen. Punkt für Bayern - 5:4.

Zentrales Mittelfeld: Thiago Alcantara vs. Konrad Laimer
Thiago ist die perfekte Ergänzung im Mittelfeld zu Kimmich. Der Spanier ist passsicher, zieht die Fäden, sieht die Räume und schaltet sich - wenn sich die Gelegenheit ergibt - offensiv mit ein. Laimer gehört zu den Säulen im Leipziger Spiel. Wenn er fit ist, spielt er immer - meist eher unauffällig, aber effektiv. Rein von den Zahlen im Offensivspiel steht er Thiago (3 Tore, keine Torvorlage) in nichts nach (2 Tore, 2 Torvorlagen), insgesamt aber kann er mit dem Spanier nicht mithalten. Punkt für Bayern - 6:4.

Offensives Mittelfeld: Philippe Coutinho vs. Christopher Nkunku
Eine mögliche Ablöse von rund 120 Millionen Euro gegenüber einer bereits gezahlten Ablöse von 13 Millionen Euro. Vor allem vor diesem Hintergrund war Nkunku für Leipzig ein wahres Schnäppchen und ein echter Volltreffer. Der Franzose gehört zu den stärksten Neuzugängen in dieser Saison, stellte zuletzt gegen Borussia Mönchengladbach seine Qualität unter Beweis, als er spät zum 2:2-Ausgleich traf. Viel wichtiger aber für Leipzig sind seine Torvorlagen. Nkunku steht bei neun Assists. Coutinho dagegen bleibt vieles noch schuldig, auch wenn der Brasilianer mitunter geniale Momente im Trikot der Bayern hat. Auch die nackten Zahlen könnten schlechter sein: sechs Tore und sechs Torvorlagen in 18 Ligaspielen. Dennoch: Vor allem in Anbetracht der Form setzt sich hier Nkunku durch. Punkt für Leipzig - 6:5.

Offensives Mittelfeld: Serge Gnabry vs. Marcel Sabitzer
Auch wenn, ohne näheres Betrachten, der Eindruck entstehen könnte, dass Gnabry eine herausragende, und damit auch deutlich bessere Bundesliga-Saison als Sabitzer spielt, täuscht das. Beide Offensivspieler stehen bei sieben Toren und sechs Torvorlagen. Beide spielen, sofern sie fit sind, immer. Beide sind auf den Außenbahnen beheimatet und haben einen feinen Fuß. Kurios: Sogar wenn man die Statistiken der beiden Spieler auf alle Wettbewerbe erweitert, bleiben sie gleichauf: Zwölf Tore und acht Torvorlagen. Und trotzdem hat Gnabry mit seinen Fähigkeiten hier die Nase vorn. Punkt für Bayern - 7:5.

Frankfurt gegen Leipzig - die Zusammenfassung Sportschau 04.02.2020 10:09 Min. Verfügbar bis 04.02.2021 Das Erste

Angriff: Thomas Müller vs. Timo Werner
Noch im Herbst wurde spekuliert, ob Müller den FC Bayern im Winter verlassen könnte. Dann kam der Trainerwechsel und der Neustart für Müller unter Hansi Flick. Der 30-Jährige ist wieder zu einem wichtigen Bestandteil der Offensive geworden und glänzt vor allem als Vorlagengeber (12 Torvorlagen). Müller hält Lewandowski den Rücken frei und nutzt Räume, die der Pole mit seinen Laufwegen aufreißt. Ihm gegenüber in diesem Vergleich steht Timo Werner, dessen Spielweise eher der von Müller gleichkommt als der von Lewandowski. Werners Zahlen sprechen für sich: 20 Spiele, 20 Tore, sechs Torvorlagen. Werner ist im Sprint kaum aufzuhalten, hat einen herausragenden Abschluss und erzielte fast 30 Prozent aller Leipziger Tore. Punkt für Leipzig - 7:6.

Angriff: Robert Lewandowski vs. Patrick Schick
22 Tore nach 20 Spielen - Lewandowski ist auf dem bestem Wege, den Uralt-Rekord von Gerd Müller (40 Tore in einer Saison) zu brechen. Der Pole spielt die vielleicht beste Saison seines Lebens - und das im Alter von 31 Jahren. Wettbewerbsübergreifend steht Lewandowski bei 35 Treffern und hat damit sogar noch zehn Tore mehr als sein ärgster Verfolger in der Torjägerliste, Timo Werner. Im Vergleich mit Schick liegt Lewandowski natürlich vorne, auch wenn der tscheschiche Neuzugang seine Sache bei den Sachsen sehr gut macht. Es scheint, als hätte Schick (5 Tore, 1 Torvorlage) Yussuf Poulsen vorerst verdrängt aus der Startelf. Punkt für Bayern - 8:6.

Fazit:

Der FC Bayern gewinnt das "Mann-gegen-Mann-Duell" gegen RB Leipzig knapp mit 8:6. Ein Ergebnis, das unterstreicht, was RB-Coach Julian Nagelsmann erst kürzlich angesprochen hat: In Sachen individuelle Klasse ist Bayern (und auch Dortmund) Leipzig noch voraus. Die Sachsen aber haben ein homogenes, abgestimmtes Team, dass ohne Superstars - von Timo Werner mal abgesehen - auskommt. Bei den Münchnern haben viele Weltstars ihre Normalform unter Flick wieder erreicht - und Spieler wie Alaba und Davies sorgen für positive Überraschungen.

Stand: 07.02.2020, 09:45

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