DFB - Verband mit Imageproblemen, aber einem 5-Punkte-Plan

Eingangschild der DFB-zentrale

DFB versus DFL

DFB - Verband mit Imageproblemen, aber einem 5-Punkte-Plan

Von Frank Hellmann

DFB-Präsident Fritz Keller will neue Schwerpunkte im deutschen Fußball setzen. Diese betreffen auch den Profifußball - und das sorgt für Ärger. Eine Analyse.

So langsam füllt sich auch das wochenlang verwaiste Parkdeck wieder. Sichtbares Zeichen, dass in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zumindest Teile der Belegschaft wieder präsent sind. Die seit Ewigkeiten für die höchsten Funktionäre reservierten Parkplätze direkt links neben der Eingangstür sind allerdings freigeräumt - Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius verzichten auf dieses Privileg.

Was nichts daran ändert, dass beide in der Corona-Krise um Akzeptanz für die Verbandsaufgaben ringen. Der DFB mit seinen mehr als sieben Millionen Mitgliedern und 25.000 Vereinen hat Baustellen ohne Ende und wird am Montag (25.05.2020) einen Außerordentlichen Bundestag abhalten, der erstmals in der mehr als 100-jährigen Geschichte auf digitalem Wege stattfindet. Das wird nicht allein nur zur "technischen Herausforderung" (Curtius).

Keller will keinen Konflikt erkennen

Denn gerade im Moment wird die Trennlinie zwischen DFB und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wieder schärfer. Reißen alte Gräben wieder auf? Die DFB-Spitze hat am Dienstag in einem mehr als eineinhalbstündigen Videotalk noch einmal verdeutlicht, wie eng die beiden wichtigsten Institutionen des deutschen Fußballs zusammenarbeiten.

"Es ist wichtig, dass wir diskutieren und manchmal auch unterschiedliche Positionen haben, um gemeinsam etwas hinzukriegen. Wir haben das gemeinsame Ziel, das System Fußball zu erhalten. Wir sind auf einem besseren Weg, als ich das am Anfang der Krise befürchtet habe - bei all der Unterschiedlichkeit", sagte Keller auf Nachfrage von sportschau.de.

Fritz Keller

DFB-Präsident Fritz Keller

Den DFB stört, dass die DFL beim Krisenmanagement öffentlich viel besser wegkommt. Dabei hat das weltweit gerühmte Hygiene- und Sicherheitskonzept an der Spitze der Arzt der deutschen Nationalmannschaft und Vorsitzende der sportmedizinischen DFB-Kommission, Tim Meyer, entwickelt. "Unser Arzt", wie es beim DFB heißt. Im Unterton schwingen da schon Misstrauen und Argwohn mit.

Der Verband fühlt sich oft unverstanden

Den Verband nervte es schon immer, dass in Bundesliga-Stadien Schmähgesänge und -plakate auftauchten, die meist nur den DFB zur Zielscheibe hatten. Ihn stört es, wenn Politiker jetzt für die 3. Liga und Frauen-Bundesliga ein Hygienekonzept verlangen - dabei war dieses Papier von Anfang auch für die beiden höchsten Spielklassen unter DFB-Obhut angelegt. Obwohl im DFB-Präsidium mit DFL-Chef Christian Seifert, seinem Vertreter Peter Peters, dem DFL-Direktor Ansgar Schwenken, Oliver Leki (SC Freiburg) oder Steffen Schneekloth (Holstein Kiel) mehrere Liga-Vertreter sitzen, sind die Irritationen wieder größer geworden.

Dazu kam die jüngste Attacke von Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern), der Keller Populismus vorwarf. Eine Replik auf Kellers Aussagen zu abgehobenen und "großkotzigen" Bundesliga-Stars. Viele aus der Liga fanden vielleicht nicht die Wortwahl, aber die Maßregelung angebracht.

Wer hat die Macht - DFB oder DFL?

Keller hat zwar am Dienstag versichert, der Streit sei beigelegt, aber die Beziehung war schon mal inniger. Auch Seifert ist dem Vernehmen nach über manche Außendarstellung Kellers verwundert. Dass sich DFB und DFL weiterhin brauchen, um den deutschen Fußball aus der Talsohle zu führen, ist unstrittig. Vielleicht geht es wie so oft um die Machtfrage.

Direkt nach der missratenen WM 2018 übernahm die DFL bei der Aufarbeitung eine Führungsrolle, und beim diesjährigen DFL-Neujahrsempfang bat Seifert beinahe symbolisch auch Keller mit auf die Bühne, aber der ehemalige Präsident des SC Freiburg hat aus Liga-Sicht viele Erwartungen (noch) nicht erfüllt. Mitunter wirkt der 63-Jährige wenig strukturiert, verliert sich in alten Geschichten und unwichtigen Details.

Sein Krisenmanagement gerade  bei der Fanproblematik geriet unglücklich - das wissen beim DFB inzwischen der für die Medienarbeit zuständige Jens Grittner genauso wie Keller selbst. Die Leitung der Direktion Öffentlichkeit und Fans ist übrigens seit dem Abgang von Ralf Köttker immer noch nicht besetzt. So macht der DFB mitunter den Eindruck, auf Entwicklungen nur zu reagieren statt zu agieren.

3. Liga ist ein Zankapfel

Da wirkte die DFL bei ihrem bei der Politik erfolgreich durchgesetzten Plan des Re-Starts deutlich kraftvoller. Beim DFB-Bundestag geht es nun vor allem darum, einen Saisonabbruch in der zerstrittenen 3. Liga und der Frauen-Bundesliga zu verhindern.

Curtius nannte nun den 30. Mai als neuen Starttermin der 3. Liga und hofft in den "kommenden zehn Tagen" auf eine Genehmigung der lokalen Behörden. Keller umschrieb die Lage so: "Wir befinden uns in der 80. Minute und liegen 0:1 zurück. Aber wir können noch gewinnen."

Ganz nebenbei muss der DFB spätestens im Herbst die A-Nationalmannschaft wieder im Spielbetrieb unterbringen. Generalsekretär Curtius bezeichnete das als eine der allerwichtigsten Aufgaben. "Das halte ich für zwingend notwendig", betonte der 44-Jährige, denn: "Mit der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga verdienen wir kein Geld. Bei der Nationalmannschaft sieht das anders aus."

Ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit

Keller schärft sein Profil über andere Zuständigkeiten - für die Nationalmannschaft fehlt ihm die Richtlinienkompetenz. Ihm ist in der Corona-Krise erkennbar daran gelegen, viel mehr als nur der oberste Dienstherr zu sein, der auf Dorfsportplätzen den Ehrenamtlichen die Hand schüttelt. Keller will das große Ganze zusammenhalten. Sein Fleiß, seine Gewissenhaftigkeit und seine Bodenständigkeit sind unbestrittene Pluspunkte, heißt es intern.

Nach außen hin will der badische Gastronom vieles neu definieren. Ihm geht es um nicht weniger als ein neues Wertesystem im Fußball. Anders ist sein neuer "5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit" nicht zu deuten: "Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden uns noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Deshalb gilt es jetzt, aus dieser Krise zu lernen und die einmalige Fußballstruktur in Deutschland zukunftsfähig zu gestalten."

Keller möchte den DFB in der Corona-Krise für Präventivtests, zunächst mit einem Pilotprojekt im Odenwaldkreis, nutzen (Punkt 1), Gehaltsobergrenzen und eine sinnvolle Regulierung des Profifußballs durchbringen (Punkt 2), mehr Nachhaltigkeit, dabei ist auch Klimaschutz gemeint, verankern (Punkt 3), das Ehrenamt stärken (Punkt 4) und Dialoge mit allen Interessensgruppen, vor allem Fans führen (Punkt 5).

Nicht die Fehler aus der Grindel-Ära wiederholen

Ihm ist erkennbar daran gelegen, das Image als leutseliger Repräsentant lieber heute als morgen abzustreifen. Bei Kellers Inthronisierung vor acht Monaten war eine externe Personalberatung eingeschaltet, letztlich aber entschied eine sechsköpfige Findungskommission aus DFB und DFL. Die "Frankfurter  Rundschau" hielt dazu fest: "Christian Seifert und Rainer Koch, die beiden hochintelligenten Alphatiere bei DFL und DFB, haben in Fritz Keller den größten gemeinsamen Nenner gefunden."

Seifert wollte den Einfluss der Profis absichern, Koch seine Amateure - und gleichzeitig bekam der Präsident des Süddeutschen und Bayrischen Fußballverbandes noch den Posten im UEFA-Exekutivkomitee. Vakant ist ein deutscher Vertreter im Weltverband FIFA. Zuletzt hieß es sogar, Keller könnte irgendwann ein Auge auf eine Position im  FIFA-Council von Gianni Infantino werfen. Dann aber wären alle Vorhaben konterkariert, Interessenskollisionen wie in der Grindel-Ära auszuschließen. Und wo niemand weiß, wie lange das tückische Virus noch den gesamten Fußball infiziert hält, wäre es eigentlich ratsamer, das eigene Haus ein bisschen krisenfester zu machen. Resistent dagegen wird es wohl nie.

Stand: 20.05.2020, 15:45

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