VfB mit der Quittung für fehlende Spannung

Analyse nach dem Stuttgarter Abstieg

VfB mit der Quittung für fehlende Spannung

Von Marcus Bark

Ein Ordner des VfL Wolfsburg kam mit einem Tablett, auf dem fünf kleine Bier standen. Er war auf dem Weg in die Kabine des VfB Stuttgart, was ein Kopfschütteln bei den Beobachtern auslöste. Zu feiern gab es nach dem Abstieg nun wahrlich nichts, und um gegen den Frust anzukommen, reichte die Menge nicht aus.

"Das ist der bitterste Tag in meiner Karriere. Wir sind enttäuscht, wütend und sauer, genau wie die Fans“, sagte Robin Dutt. Der Sportvorstand des VfB suchte niedergeschlagen nach Worten und fand selbstkritische. Der Abstieg sei das Ergebnis der "Entwicklung der vergangenen vier, fünf Jahre, die hier heute ihren Tiefpunkt findet. Jeder muss jetzt seinen Anteil benennen. Ich fange bei mir an." Allerdings vertagte er die Verkündung auf einen späteren Zeitpunkt.

Hochgelobte Offensive

Die grobe Analyse der Saison hatte er aber schon parat."Wir sind katastrophal gestartet", sagte Dutt über den Zeitraum, für den vor allem Trainer Alexander Zorniger verantwortlich gemacht werden kann, der dann auch gehen musste. "Dann haben wir Zugriff bekommen", fasste der Manager eine Phase unter dem neuen Trainer Jürgen Kramny zusammen, in der Sieg in Serie gelangen und vor allem die Offensive zeigte, dass sie über deutlich höhere Qualität als eines Absteigers würdig verfügt.

Die Europa League rückte in Sichtweite, keineswegs nur bei Phantasten. Als sie hinter dem Horizont verschwunden war, durfte der VfB auch noch zurecht daran glauben, die paar fehlenden Punkte zum Klassenerhalt schon zu holen.

"Wir haben dann völlig die Spannung verloren und keinen Hebel mehr gefunden, um sie wieder zu bekommen", klagte Dutt. Er habe schon bei der Heimniederlage gegen den Tabellenletzten Hannover 96 am 23. Spieltag erste Anzeichen gespürt. "Aber zwei Wochen später gewinnst du 5:1 (gegen Hoffenheim, d. Red.) und machst dann in Ingolstadt aus einem 1:3 mit zehn Mann ein 3:3. Da ist es schwierig, gehört zu werden.“

Kein Vertrauen in eigene Stärken

Spätestens vor dem Spiel in Augsburg war auch die Tabelle wieder Warnung genug, die nötige Einstellung an den Tag zu legen. Aber die Spieler trotteten in den "ganz schwarzen Tag der Vereinsgeschichte" hinein, den Präsident Bernd Wahler in Wolfsburg konstatierte. Er hatte zuvor einen Beweis dafür geliefert bekommen, dass der bewusste Abstiegskampf die Stuttgarter Mannschaft überforderte.

Für die ohnehin geringe Chance, den Relegationsplatz zu erreichen, hätte es eines Sieges in Wolfsburg bedurft. Kramny bot überraschend Artem Kravets auf, der seine Stärke im Angriffszentrum bei entsprechender Zulieferung hat. Das deutete auf eine offensive Einstellung hin, zumal die Flügel mit Timo Werner und Filip Kostic besetzt waren, dahinter spielte Daniel Didavi. Doch der VfB wich zurück, war passiv, traute seiner Stärke nicht und baute auf eine Defensive, um dessen Schwächen er wusste. Werner schon im Lauf der ersten Halbzeit, Kravets zur Pause ausgewechselt. Der blutleere Auftritt "passte zu einem Absteiger", wie Martin Harnik feststellte.

Emotionslos auf der Bank

"Das ist richtig, richtig bitter", sagte Trainer Kramny, der in den vergangenen Wochen nie den Eindruck gemacht hatte, den Hebel finden zu können, von dem Dutt sprach. Weitestgehend emotionslos verfolgte er das Geschehen auf der Bank und später an der Seitenlinie. Ernüchtert stellte er fest: "Wir hatten genügend Chancen, die fehlenden Punkte zu holen, aber haben es nicht geschafft. Heute haben wir die Quittung bekommen."

Statistik

Fußball · Bundesliga · 34. Spieltag 2015/2016

Samstag, 14.05.2016 | 15.30 Uhr

Wappen VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg

Casteels – Vieirinha, Naldo, Dante, Schäfer – Guilavogui – Caligiuri (70. Träsch), Seguin (73. Draxler), Arnold, Schürrle – Kruse (64. Dost)

3
Wappen VfB Stuttgart

VfB Stuttgart

Langerak – M. Zimmermann (76. Maxim), Schwaab, Baumgartl, Insua – Gentner, Rupp – Werner (32. Harnik), Didavi, Kostic – Krawez (46. Taschtschi)

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Arnold (11.)
  • 2:0 Schürrle (29.)
  • 2:1 Didavi (78.)
  • 3:1 Schürrle (90.+2)

Strafen:

  • gelbe Karte Kruse (3 )
  • gelbe Karte Kostic (5 )
  • gelbe Karte Dante (4 )
  • gelbe Karte Schwaab (3 )

Zuschauer:

  • 30.000

Schiedsrichter:

  • Manuel Gräfe (Berlin)

Stand der Statistik: Samstag, 14.05.2016, 17:34 Uhr

red/dpa/sid

Bundesliga | Tabelle

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1.Bor. M´gladbach816
2.VfL Wolfsburg816
3.Bayern München815
4.Bor. Dortmund815
5.RB Leipzig815
 ...  
16.FC Augsburg86
17.1. FSV Mainz 0586
18.SC Paderborn 0781
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