Leipziger Fußball ohne Plan B auch in der Bundesliga

Analyse des 2:2 bei der TSG Hoffenheim

Leipziger Fußball ohne Plan B auch in der Bundesliga

Von Marcus Bark (Sinsheim)

RB Leipzig hat Wort gehalten. Der Aufsteiger zeigte auch in der Bundesliga seinen kompromisslosen Fußball. Er sah gut aus, war aber auch mit einigen Fehlern behaftet. Die Analyse.

Ralph Hasenhüttl stürmte auf den Platz und redete auf Tobias Stieler ein. Der Trainer von RB Leipzig war außer sich, dass der Schiedsrichter genau jene vier Minuten nachspielen ließ, die auch angezeigt waren. Das kostete den Aufsteiger einen Eckstoß, der den Sieg hätte bedeuten können. Etwas abgekühlt, zeigte sich Hasenhüttl dann auch mit dem einen Punkt zufrieden, den das 2:2 bei der TSG 1899 Hoffenheim brachte.

Aber die Szene nach dem Schlusspfiff zeigte, wie Leipzig tickt, auch unter dem neuen Trainer, der ja sorgfältig von Sportdirektor Ralf Rangnick ausgesucht worden war, um dessen Arbeit fortzusetzen. Rangnick wurde am Sonntag (28.08.16) gefragt, ob der Jagdfußball, die Hetze nach dem Ball und das anschließende Tempospiel nach vorne, vielleicht mal ein bisschen gemäßigt werden müsse, weil die Gegner nun etwa Dortmund und Leverkusen hießen. "Nein", sagte er. Dominik Kaiser, der Leipzigs erstes Tor der Bundesligageschichte erzielt hatte, führte das etwas genauer aus: "Es gibt keinen Plan B. Wir stehen für einen gewissen Fußball, den wir in jeder Liga durchziehen wollen."

Plan A leicht modifiziert

Die Leipziger agierten aus einer 4-4-2-Grundformation heraus, dem für sie gewohnten System, während Hasenhüttl in der vergangenen Saison beim FC Ingolstadt ein 4-3-3 bevorzugte. Sie begannen auch mit einem Pressing weit vorne in der Hoffenheimer Hälfte. Doch die TSG kam in der Anfangsphase zu einigen guten Chancen, weil sie recht einfach hinter die letzte Kette des Aufsteigers kam.

Hasenhüttl ordnete daher an, das Gebilde etwa zehn Meter nach hinten zu verschieben. Allein schon wegen der hohen Temperaturen gab es zudem häufiger auch ruhigere Phasen des Pressings. Insofern gab es zumindest einen anderen Plan, ihn aber als Plan B zu bezeichnen, wäre zu hoch gegriffen.

Fehlende Abstimmung

Die Leipziger Schwierigkeiten bei weiten Pässen hinter die Viererkette nahmen im Lauf der Partie ab. Probleme gab es aber weiterhin häufig, wenn es den Hoffenheimern gelang, Anspielstationen zwischen den beiden Viererketten zu finden, die dann in die Räume zwischen Außen- und Innenverteidiger passten. Benno Schmitz, der hinten rechts verteidigte, war außer Timo Werner der zweite Neuzugang in der Startelf des Aufsteigers. Die fehlende Abstimmung war manchmal zu sehen. Schmitz’ Fehler vor dem 1:2 war aber schlicht ein Fehlpass.

"Der Konter danach darf nie passieren. Es darf nicht sein, dass beide Sechser in einer solchen Situation zu hoch stehen", sagte Kaiser. Zu jenem Zeitpunkt war er nach einer Umstellung infolge einer Auswechslung selbst zu einem zentralen defensiven Mittelfeldspieler geworden.

23 Torschüsse bei nur 45 Prozent Ballbesitz

Dank der offensiven Wucht, die Leipzig entwickelte, wurden aber beide Rückstande wettgemacht. Selbst in der Schlussphase gelang es noch, mit hohem Tempo Angriffe vorzutragen. Mit der Vorbereitung des 2:2-Ausgleichs machte Schmitz seinen Fehler auch wieder wett. „Wir sind sehr zufrieden und glücklich, wie wir hier aufgetreten sind“, bilanzierte Kaiser. Die Leipziger kamen auf 23 Torschüsse in einem Auswärtsspiel, mehr hatte am ersten Spieltag nur der FC Bayern. Dabei kam RB nur auf 45 Prozent Ballbesitz (München 67 Prozent), ein deutlicher Beleg für den oben beschriebenen Jagdfußball.

Teilweise mutete er zu wild an. Der taktische Fehler vor dem 1:2, als schon die 83. Minute lief, zeigt einerseits die Bereitschaft, auch in der Bundesliga mutig auf einen Sieg zu spielen, andererseits aber auch einen Schuss Sturheit. Ralf Rangnick versicherte, beides beibehalten zu wollen. Der nächste Gegner ist Borussia Dortmund.

Fußball · Bundesliga · 1. Spieltag 2016/2017

Sonntag, 28.08.2016 | 17.30 Uhr

Wappen 1899 Hoffenheim

1899 Hoffenheim

Baumann – Kaderabek, Süle, Schär, Ochs – Vogt (46. Schwegler) – L. Rupp (65. Amiri), Rudy – Uth, Kramaric (79. Terrazzino) – S. Wagner

2
Wappen RB Leipzig

RB Leipzig

Gulacsi – Schmitz, Orban, Compper (63. Forsberg), Halstenberg – Ilsanker, Demme – Do. Kaiser, Ti. Werner (86. M. Bruno), Sabitzer – Y. Poulsen (82. Selke)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 L. Rupp (55.)
  • 1:1 Do. Kaiser (58.)
  • 2:1 Uth (83.)
  • 2:2 Sabitzer (90.)

Strafen:

  • gelbe Karte Orban (1 )
  • gelbe Karte Vogt (1 )
  • gelbe Karte Schär (1 )
  • gelbe Karte Compper (1 )
  • gelbe Karte Ilsanker (1 )
  • gelbe Karte Demme (1 )

Zuschauer:

  • 24.188

Schiedsrichter:

  • Tobias Stieler (Hamburg)

Stand der Statistik: Sonntag, 28.08.2016, 19:26 Uhr

Wappen 1899 Hoffenheim

1899 Hoffenheim

Wappen RB Leipzig

RB Leipzig

Tore 2 2
Schüsse aufs Tor 5 9
Ecken 2 9
Abseits 1 1
gewonnene Zweikämpfe 91 88
verlorene Zweikämpfe 88 91
gewonnene Zweikämpfe 50,84 % 49,16 %
Fouls 12 11
Ballkontakte 605 490
Ballbesitz 55,25 % 44,75 %
Laufdistanz 108,36 km 113,34 km
Sprints 205 209
Fehlpässe 112 116
Passquote 72,82 % 61,2 %
Flanken 6 9
Alter im Durchschnitt 24,7 Jahre 24,5 Jahre

Stand: 29.08.2016, 08:59

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bor. M´gladbach1431
2.RB Leipzig1430
3.Bor. Dortmund1426
4.FC Schalke 041425
5.SC Freiburg1425
 ...  
16.Fort. Düsseldorf1412
17.SC Paderborn 07148
18.1. FC Köln148
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