Schalke 04 - Es bleibt nur noch Hoffnung

 Schalkes Amine Harit (r) und Bastian Oczipka stehen mit verschränkten Armen auf dem Platz.

Wieder kein Sieg

Schalke 04 - Es bleibt nur noch Hoffnung

Von Jörg Strohschein (Gelsenkirchen)

Beim 1:1 gegen den VfB Stuttgart hat Schalkes Trainer Manuel Baum nochmal deutlich aufgezeigt bekommen, wie viele Defizite in seinem Team stecken. Der 41-Jährige versucht, aus Ansätzen seiner Mannschaft neue Hoffnung zu ziehen. Eine Analyse.

Es war Manuel Baum nicht vorzuwerfen, dass es ihm an Einsatz gefehlt hätte. Er verteilte nach 70 Minuten, während einer Verletzungspause auf dem Spielfeld, noch einen Zettel an seine Spieler, um eine taktische Veränderung herbeizuführen. Danach rannte er an der Außenlinie hin und her und feuerte seine Mannschaft weiter unaufhörlich an. Er klatschte, fluchte, schlug sich die Hände vor das Gesicht. Der 41 Jahre alte Trainer des FC Schalke 04 wirkte fast hyperaktiv am Rand des Spielfeldes. Genutzt hat all das nichts. Denn die Emotionen des Trainers gingen an seinen Spielern offenbar unerwidert vorbei.

Mehr als ein 1:1 gegen den VfB Stuttgart kam am Ende nicht dabei heraus - das mittlerweile 22. Spiel in Folge ohne Sieg. Ein Bilanz des (Fußball-)Schreckens, die mittlerweile unendlich scheint. "Das ist eine ärgerliche Bilanz, aber damit dürfen wir uns nicht beschäftigen. Das ist rückwärts geleitetes Denken", sagte Baum.

Schalke gegen Stuttgart - die Audiohighlights

Sportschau 30.10.2020 01:27 Min. Verfügbar bis 31.10.2021 ARD Von Christian Schulze


Optimismus in jeder Situation

Der Coach ist momentan so gut wie der einzige im Klub, der trotz dieser desaströsen Misserfolgsserie seiner Mannschaft noch irgendwie versucht, Optimismus zu verbreiten. Diese Herangehensweise hatte er sich bei seiner Verpflichtung Ende September selbst verordnet. Diese Strategie behält er bei. Womöglich auch aus dieser Grundhaltung heraus hatte Baum deshalb seine ganz eigene, etwas bizarr anmutende Einschätzung zu dieser Partie parat. "Wir sind verdient in Führung gegangen", sagte Baum. Der Treffer von Verteidiger Malick Thiaw (30. Minute) war allerdings der erste Torschuss der Schalker in der Partie. Bis dahin spielten eigentlich nur die Stuttgarter.

In der zweiten Hälfte kamen die "Königsblauen" nach dem Ausgleichstreffer durch einen Handelfmeter von Nicolas González kaum noch aus ihrer Spielhälfte heraus. "Wir wissen alle, dass für uns mehr drin gewesen wäre", sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo, der nicht zu Unrecht eine ganz andere Sicht der Dinge hatte. Am Ende hatten die Schwaben 19 Torschüsse abgegeben, die Schalker gerade einmal neun - in einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger, gegen den die "Königsblauen" in ihrer prekären Lage eigentlich Punkte sammeln müssen. 

Auf der Suche nach dem Dreh

Woraus Baum Zuversicht gezogen hatte? Weil seine Spieler einige wenige Ansätze zeigten, um ein Erfolg versprechendes Umschaltspiel aufzubauen. Allesamt frühzeitig verpufft, keine Variante hatten seine Spieler auch nur annähernd zu Ende gebracht. Aber war das vielleicht schon etwas mehr als in den Vorwochen?

Baum vertrat diese Auffassung. Sein Optimismus überlagerte in diesem Moment aber eher die Realität. Der S04-Trainer legt offenbar seine ganze Hoffnung in diese Ansätze. Er setzt darauf, diese so weiterentwickeln zu können, dass seine Spieler irgendwann den richtigen Dreh finden. Niemand weiß allerdings, ob diese Mannschaft überhaupt noch dazu in der Lage ist. Zumal sie mit ihrem grundlegendem Problem, ihrer geringen individuellen Grundgeschwindigkeit, ohnehin kaum noch konkurrenzfähig ist. So verfahren und kompliziert ist die Lage mittlerweile am Berger Feld.  

 Kleiner Fortschritt

"In der Kabine hängen die Köpfe, weil wir eine andere Erwartungshaltung hatten was das Ergebnis angeht. Wir haben die Konter nicht gut ausgespielt. Wir schleppen das Problem schlechte Spieleröffnung mit", sagte Baum und zählte nur einige Defizite seines Teams auf. "Läuferisch und kämpferisch war das okay." Immerhin das war ein Fortschritt.

Es scheint zumindest unter dem neuen Trainer so etwas wie bewusste Zusammenarbeit als eine Vorstufe von Teamgeist auf dem Feld Einzug in die Schalker Mannschaft gehalten zu haben. Baums Team hat gegen den VfB 114,1 Kilometer (Stuttgart: 112,2) hinter sich gebracht - die meisten Strecken davon aber eher im Hinterherlaufen des Gegners. 50 Prozent der Zweikämpfe konnten die Schalker gewinnen.

Große Baustelle

Die Mannschaft musste den größten Teil ihrer Energie vor allem für die Verteidigung nutzen und hatte kaum noch Reserven für ein progressives, kreatives Offensivspiel übrig. Entsprechend wenig durchschlagkräftig agierte die Schalker Offensive. "Das letzte Drittel ist immer noch unsere Baustelle, es ist nicht so dass wir Gefahr ausstrahlen", räumte Baum ein. Den Kern des Spiels, das Erzielen von Toren, das Angriffsspiel, ist derart unterentwickelt, dass Baum offenbar Pionierarbeit leisten muss. Drei erzielte, 17 Gegentore lautet die bisherige Bilanz nach sechs Bundesliga-Spieltagen. 

Dieses Remis gegen Stuttgart war für die Schalker zwar ein Punktgewinn, neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft und womöglich auf den ersten Sieg seit vielen Monaten dürfte allerdings kaum entstanden sein. Am kommenden Bundesligaspieltag muss das Baum-Team beim ebenfalls bereits abstiegsgefährdeten 1. FSV Mainz 05 antreten. Es ist wohl so etwas wie der erste Abstiegsgipfel für die Schalker - am siebten Spieltag der Saison!

Stand: 31.10.2020, 08:05

Weitere Themen

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München819
2.Bor. Dortmund818
3.Bayer Leverkusen818
4.RB Leipzig817
5.Union Berlin815
6.VfL Wolfsburg814
 ...  
13.Hertha BSC87
14.SC Freiburg86
15.1. FSV Mainz 0584
16.Arm. Bielefeld84
17.1. FC Köln83
18.FC Schalke 0483
Darstellung: