Schalke überraschend offensiv

Die Spieler von Schalke 04 jubeln über ein Tor

Königsblau im Angriffsmodus

Schalke überraschend offensiv

Von Jörg Strohschein

Der FC Schalke 04 hat beim deutlichen Sieg gegen den 1. FC Nürnberg eine überraschend offensive Taktik gewählt - und dabei bislang ungekannte Schwächen in der Defensive gezeigt. Trainer Domenico Tedesco schien von seiner Herangehensweise nicht vollends überzeugt zu sein. Eine Analyse.

Es war ihm sichtlich unangenehm, so sehr im Fokus zu stehen. Aber immerhin hatte Steven Skrzybski mit seinen zwei Treffern bei seiner ersten Startelfnominierung dazu beigetragen, dass sich der FC Schalke 04 ein wenig Luft zum Durchatmen im Kampf gegen das weitere Abrutschen in der Bundesliga-Tabelle verschaffen konnte. Nicht zuletzt deshalb war der 26 Jahre alte Berliner nach dem Abpfiff ein gefragter Gesprächspartner.

Das verdiente 5:2 gegen den 1. FC Nürnberg lässt zumindest die ersten grundlegenden Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Ruhrgebietsteams verblassen. "Wir sind stolz darauf, dass wir endlich mal mehr Tore gemacht haben. Wir wurden ja gerade dafür zuletzt berechtigterweise kritisiert", sagte der Angreifer der Schalker, der im Sommer von Union Berlin zu den "Königsblauen" gewechselt war.

Fünf Treffer in einer Partie sind tatsächlich eine besonders hervorstechende Marke, weil die Mannschaft von Trainer Tedesco zuvor in elf Partien gerade einmal magere acht Treffer zustande gebracht hatte.

Mehr Gestaltungsspielraum

Dass die Schalker in dieser Partie so treffsicher waren, beruhte keineswegs auf Zufall. "Wir hatten uns vorgenommen, dass wir den Kopf mal ausschalten und Feuer frei draufgehen", sagte Skrzybski. Diese vom Schalker Stürmer recht frei interpretierte taktische Herangehensweise unterfütterte Tedesco mit einer bislang ungewöhnlich offensiven Ausrichtung gegen den Aufsteiger aus Franken. Diesmal richtete sich der Fußballlehrer nicht so sehr nach den Stärken des Gegners und dem Spiel "gegen den Ball".

Guido Burgstaller: "Das war heute offensiv gut"

Sportschau | 25.11.2018 | 01:18 Min.

Dieses Mal sollten es die Schalker sein, die die Akzente setzen. In dem 3-3-2-2-System bekamen Nabil Bentaleb und Amine Harit auf den offensiveren zentralen Mittelfeldpositionen viel mehr Gestaltungsspielraum und sollten vor allem ihre Dribbelkünste ganz bewusst einbringen. Auf der zentralen defensiven Position sechs dahinter sollte Sebastian Rudy, dessen Stärken nicht gerade im defensiven Zweikampf sondern eher im offensiven Aufbauspiel liegen, die Fäden ziehen.

Bentaleb und Harit dribbelten unentwegt

Und sowohl Bentaleb als auch Harit nutzten die Gelegenheit, ihre technischen Fähigkeiten zu zeigen und dribbelten, so oft es ging. Allerdings war dem Team anzumerken, dass es sich an diese offensive Rolle erst einmal gewöhnen muss. Da auch Daniel Caligiuri und Bastian Oczipka auf den Außenbahnen den Ball lange am Fuß hielten und diesen vor allem über den Platz "schleppten", rannten sich die Schalker auch immer wieder fest in der gegnerischen Abwehr und die Angriffe kamen häufig frühzeitig zum Erliegen.

Die Balance zwischen erfolgversprechendem Dribbling und solidem Passspiel befand sich im Ungleichgewicht. Und der seit jeher gültige Grundsatz, dass kein Spieler so schnell wie der Ball ist, fand an diesem Abend kaum Berücksichtigung. Dennoch zeigte die Herangehensweise Wirkung. Tedescos Team offenbarte gegen Nürnberg den lange vermissten Mut, das Heft in die eigene Hand zu nehmen. 21 Torschüsse und fünf Treffer waren das Resultat dieser Offensiv-Rochade.

Tedesco wirkte unzufrieden

Dieses ungewohnte Offensivspiel hatte trotz des außergewöhnlichen hohen Erfolgs deutlich sichtbare Schwächen. Die Anfälligkeit der Schalker Abwehr war ungewöhnlich groß. "Wir waren nicht kompakt genug. Wenn die Stürmer vorne draufgehen, dann muss die Abwehr nach vorne schieben, das haben wir nicht so gut gemacht", sagte Kapitän und Torhüter Ralf Fährmann.

Die Nürnberger hätten leicht mehr als zwei Treffer erzielen können. Das eigentliche Prunkstück der "Königsblauen", die Defensive, offenbarte überraschend große Lücken. Erst in der zweiten Hälfte, als Bentaleb etwas defensiver agieren musste, bekam die Schalker Abwehr mehr Stabilität.

Auch deshalb wirkte Tedesco alles andere als zufrieden. "Es war ein sehr zerfahrenes Spiel. Wir haben schlichtweg schlecht verteidigt. Wir haben die mannschaftstaktischen Mittel nicht genutzt, um die Konter zu verhindern", sagte der Fußballlehrer nachdenklich - so, als ob er mit sich und seiner Taktik im Nachhinein hadere. "Mir war das wichtig zu erwähnen, denn wir dürfen nach diesem Spiel nicht alles schönreden."

Gegen die kommenden, vermeintlich stärkeren Gegner, beim FC Porto in der Champions League und bei 1899 Hoffenheim in der Bundesliga, dürften deshalb eher wieder die gegnerische Stärken im Fokus der Schalker Herangehensweise liegen.

Fußball · Bundesliga · 12. Spieltag 2018/2019

Samstag, 24.11.2018 | 18.30 Uhr

Wappen FC Schalke 04

FC Schalke 04

Fährmann – Stambouli, Salif Sané, Nastasic – D. Caligiuri, Rudy (80. Mascarell), Oczipka – N. Bentaleb, Harit (86. Schöpf) – Burgstaller, Skrzybski (88. Wright)

5
Wappen 1. FC Nürnberg

1. FC Nürnberg

Mathenia (44. Bredlow) – Ro. Bauer, Margreitter, Mühl, Leibold – Behrens, Petrak, Rhein – Palacios Martínez, Kubo (79. Vura) – Ishak (71. Zrelak)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Skrzybski (26.)
  • 2:0 Harit (32.)
  • 2:1 Palacios Martínez (38.)
  • 3:1 Burgstaller (70.)
  • 3:2 Zrelak (78.)
  • 4:2 Skrzybski (84.)
  • 5:2 Oczipka (90.+3)

Strafen:

  • gelbe Karte Stambouli (1 )
  • gelbrote Karte Ro. Bauer (67./Wiederholtes Foulspiel)

Zuschauer:

  • 62.271

Schiedsrichter:

  • Guido Winkmann (Kerken)

Stand: Samstag, 24.11.2018, 20:29 Uhr

Wappen FC Schalke 04

FC Schalke 04

Wappen 1. FC Nürnberg

1. FC Nürnberg

Tore 5 2
Schüsse aufs Tor 10 6
Ecken 7 2
Abseits 2 1
gewonnene Zweikämpfe 93 81
verlorene Zweikämpfe 81 93
gewonnene Zweikämpfe 53,45 % 46,55 %
Fouls 7 12
Ballkontakte 672 561
Ballbesitz 54,5 % 45,5 %
Laufdistanz 115,8 km 115,85 km
Sprints 222 193
Fehlpässe 55 59
Passquote 87,91 % 83,75 %
Flanken 5 6
Alter im Durchschnitt 26,7 Jahre 25,1 Jahre

Stand: 25.11.2018, 10:00

Darstellung: