Frankfurter Flaute verschärft die Lage extrem

Analyse der 0:3-Niederlage in Leverkusen

Frankfurter Flaute verschärft die Lage extrem

Von Marcus Bark (Leverkusen)

Eintracht Frankfurt hält bei Bayer Leverkusen lange gut mit, verliert aber trotzdem, weil die Offensive viel zu harmlos ist. Die Analyse.

Es kommt häufig vor, dass Spieler kurz nach dem Abpfiff nach Erklärungen für eine Niederlage suchen und mit der Schulter zucken. Marco Russ hatte nach dem 0:3 seiner Frankfurter Eintracht bei Bayer Leverkusen sofort eine parat. "Wir treffen vorne nichts und kriegen dann hinten die Dinger rein", sagte der Innenverteidiger.

Das war eine so einfache wie zutreffende Erklärung. Niko Kovac wählte den gleichen Ansatz: "Täglich grüßt das Murmeltier. Wir machen die Chancen nicht, eine Topmannschaft wie Leverkusen macht sie." Der Trainer spielte auf zwei Szenen an, die später als Schlüsselszenen ausgemacht wurden. In der 56. Minute schoss Sonny Kittel freistehend aus elf Metern knapp vorbei, in der 70. Minute schoss Kevin Kampl aus 18 Metern ins Tor, obwohl drei Frankfurter noch vor ihm standen. "Den muss er machen", haderte Kovac mit Kittel, auch wenn er "ihm persönlich keinen Vorwurf machen" wollte. Der Trainer stellte positiv heraus: "Wir haben Leverkusen taktisch große Probleme bereitet." Auch damit lag er richtig.

Gute Ordnung in der Defensive

Die Eintracht positionierte sich bei Ballbesitz der Werkself in einem 4-1-4-1-System. Bei Bedarf zogen sich die äußeren Mittelfeldspieler Stefan Aigner und Haris Seferovic bis auf die Höhe der hinteren Viererkette zurück, um die schnellen Julian Brandt und Karim Bellarabi sowie die weit aufrückenden Außenverteidiger der Leverkusener zu kontrollieren. So wurden der Werkself kaum Räume gelassen, meistens waren die Frankfurter in Ballnähe in Überzahl.

Bis zum Rückstand kam der Anwärter auf die Champions League zu keiner klaren Torchance, was die These des Frankfurter Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen stützte: „Wir haben eine geringe, aber noch vorhandene Chance auf den Klassenerhalt. Es mag absurd klingen, aber wir sollten auf der Kompaktheit aufbauen, mit der wir heute aufgetreten sind."

Schwach bei Standardsituationen

Bei nun vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz sind die Frankfurter in der restlichen Saison gezwungen, Spiele zu gewinnen. Es muss also das ganz Problem gelöst werden. Wie soll die Eintracht Tore schießen? In Leverkusen griffen die Frankfurter meistens in einer 4-1-2-2-1-Formation an. Dabei wurde versucht, das Spiel über die Flügel nach vorne zu tragen und somit breit anzulegen. Das gelang leidlich. Wenn die Ansätze stimmten, brachte sich Frankfurt in der ersten Halbzeit durch einen schweren technischen Fehler (Seferovic) und eine falsche Entscheidung (Aigner legte ab statt abzuschließen) um gute Chancen.

Eintracht Frankfurt offensiv unter Trainer Niko Kovac
GegnerSchüsse aufs TorErgebnis
Borussia Mönchengladbach (a)0:80:3
Hannover 96 (h)5:31:0
FC Bayern München (a)0:100:1
TSG 1899 Hoffenheim (h)3:60:2
Bayer Leverkusen (a)6:60:3

Besonders bedenklich: Bei den limitierten Möglichkeiten in der Offensive sollte zumindest bei Standardsituationen mehr Gefahr ausgestrahlt werden. Aber auch das griff in Leverkusen zu kurz.

Nur ein Treffer in fünf Spielen unter Kovac

In den fünf Spielen unter Niko Kovac erzielte die Eintracht nur einen Treffer beim 1:0-Sieg gegen Hannover 96. In zwei Partien – in Gladbach und bei den Bayern – kam sie zu keinem Schuss aufs Tor. "Irgendwann muss das Ding mal rein", sagte Kovac, der von seiner Offensive forderte: "Wir müssen präziser und entschlossener sein." Allerdings könne er die Drucksituation eines Spiels im Training nicht simulieren, was auch seinen Einfluss in Grenzen halte: „Wir könnten die Jungs noch zum Psychologen schicken, aber das wäre albern."

Fußball · Bundesliga · 30. Spieltag 2015/2016

Samstag, 16.04.2016 | 15.30 Uhr

Wappen Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen

Leno – Jedvaj, Tah, Kramer, Henrichs – Aranguiz, Jurtschenko (84. Frey) – Bellarabi, Calhanoglu (59. Kießling), Brandt – Chicharito (70. Kampl)

3
Wappen Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt

Hradecky – Chandler, Abraham, Russ, Oczipka – Hasebe – Aigner (77. Waldschmidt), Stendera (46. Kittel), Huszti, Seferovic – Castaignos (61. Djakpa)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Kampl (71.)
  • 2:0 Brandt (76.)
  • 3:0 Bellarabi (90.)

Strafen:

  • gelbe Karte Jurtschenko (2 )
  • gelbe Karte Seferovic (9 )
  • gelbe Karte Bellarabi (4 )
  • gelbe Karte Aigner (6 )
  • gelbe Karte Tah (2 )
  • gelbe Karte Jedvaj (4 )
  • gelbe Karte Chandler (3 )

Zuschauer:

  • 30.210

Schiedsrichter:

  • Deniz Aytekin (Oberasbach)

Stand der Statistik: Samstag, 16.04.2016, 17:24 Uhr

Wappen Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen

Wappen Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt

Tore 3 0
Schüsse aufs Tor 6 6
Ecken 3 2
Abseits 9 1
gewonnene Zweikämpfe 111 89
verlorene Zweikämpfe 89 111
gewonnene Zweikämpfe 55,5 % 44,5 %
Fouls 15 20
Ballkontakte 686 463
Ballbesitz 59,7 % 40,3 %
Laufdistanz 113,75 km 112,81 km
Sprints 229 240
Fehlpässe 94 90
Passquote 79,83 % 65,65 %
Flanken 3 10
Alter im Durchschnitt 23,7 Jahre 26,8 Jahre

Stand: 17.04.2016, 08:00

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Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.RB Leipzig410
2.Bor. Dortmund49
3.SC Freiburg49
4.Bayern München48
5.VfL Wolfsburg48
 ...  
16.1. FSV Mainz 0543
17.SC Paderborn 0741
18.Hertha BSC41
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