Der HSV legt Gladbach lahm

Hamburg - Mönchengladbach 1:1

Der HSV legt Gladbach lahm

Von Christian Hornung (Hamburg)

Nach dem 0:8 bei den Bayern hat sich der HSV beim 1:1 gegen Gladbach erstaunlich stabil gezeigt. Die ordnungsbildenden Maßnahmen von Coach Zinnbauer griffen, eine Umstellung in der Offensive ging voll auf - eine Analyse.

Gleich nach dem Schlusspfiff versammelte Hamburgs Trainer Joe Zinnbauer seine Spieler an der Mittellinie. Die Köpfe hingen. Es dauerte, bis jemand ein paar tröstende Worte fand. "Es war ein Gefühl wie nach einer Niederlage", beschrieb Zinnbauer die Stimmungslage, was angesichts des Gladbacher Ausgleichs in der Nachspielzeit natürlich nachvollziehbar war.

"Wie eine Niederlage"

"Aber wenn mir vor der Partie jemand ein 1:1 gegen diese Top-Mannschaft angeboten hätte, hätte ich sofort unterschrieben. Bitter, so ein spätes Standard-Gegentor, aber wir haben trotzdem sehr viel richtig gemacht, vor allem nach dieser schweren Woche."

Es war zwar nicht schwer, mehr richtig zu machen als eine Woche vorher in München. Da hatten die Hamburger beim 0:8 ganze 59 Zweikämpfe gewonnen, gegen Gladbach waren es 111. Der HSV lief diesmal drei Kilometer mehr als der Gegner, unternahm 130 intensive Läufe mehr als die unter der Woche Europapokal-gestressten Borussen. Das waren Werte, die durch den Willen beeinflussbar waren.

Dichtmachen im Training

Die Voraussetzungen dafür hatte Zinnbauer mit einer intensiven Trainingswoche gelegt, in der das Dichtmachen der Außenbahnen und das defensive Umschaltverhalten ganz oben auf dem Maßnahmenkatalog gestanden hatten. Das zahlte sich aus: Obwohl die Gäste durch André Hahn, Ibrahima Traore und Patrick Herrmann klare Geschwindigkeitsvorteile hatten, waren sie ab der 5. Minute bis zum Schlusspfiff bei keinem Konter mehr in Überzahl.

Der bereits mehrfach zum Verkauf feilgebotene Gojko Kacar und Petr Jiracek rückten nie gemeinsam in die Offensive und unterstützten nach hinten wirkungsvoll die Außenverteidiger Dennis Diekmeier und Matthias Ostrzolek. So waren die Flügel komplett dicht. Und Gladbach sah sich immer wieder zu den von Lucien Favre so ungeliebten hohen Bällen in die Spitze gezwungen, die für die kopfballstarken Johan Djourou und Slobodan Rajkovic gegen Max Kruse und Herrmann simpel zu verteidigen waren.

Alles über Stieber

Doch auch eine offensive seiner insgesamt sieben Umstellungen nach dem Bayern-Desaster erwies sich als Glücksgriff. Zoltan Stieber war in seiner Karriere bislang als Flügelspieler auffällig geworden, Zinnbauer stellte ihn auf die Zehn. Prompt lief fast alles über Stieber: Mit fünf Torschüssen war der Ex-Mainzer der mit Abstand mutigste Akteur, an neun der 13 Hamburger Versuche war er direkt beteiligt, mit 13,1 Kilometern hatte er die höchste Laufleistung, sein Tor war also kein Zufall.

Dass Kapitän Rafael van der Vaart der Leidtragende dieser Personalie war, und der holländische Nationalspieler sich bis zum Schlusspfiff nur warmlaufen dürfte, war eine Randerscheinung dieser Maßnahme. Zinnbauer ist aber sicher, dass daraus keine Unruhe für die kommenden Wochen erwachsen wird: "Die Spieler draußen haben ihre Rolle angenommen und die Jungs auf dem Platz angefeuert." Ersatzkapitän Djourou stellte auch klar: "Jeder weiß hier, dass wir nur zusammen da unten rauskommen. Das haben wir mit unserem Spiel heute bewiesen." Die Zuschauer im früher so anspruchsvollen Hamburg gehen diesen Weg offenbar mit.

Trotz des demütigenden 0:8 in München feierten sie erkämpfte Einwürfe und Eckbälle ihres Teams frenetisch - weil sie die geforderte "Reaktion" ihrer Spieler sahen. Ob die Zeiten nun ruhiger werden, ohne van der Vaart und auch ohne den ebenfalls raus-rotierten Heiko Westermann, wird sich schon nächste Woche in Frankfurt zeigen. Die Grundlagen sind durch die neue Defensivordnung und den wirbelnden Stieber aber gelegt.

Fußball · Bundesliga · 22. Spieltag 2014/2015

Sonntag, 22.02.2015 | 15.30 Uhr

Wappen Hamburger SV

Hamburger SV

J. Drobny – Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek – Jiracek, Kacar (85. H. Westermann) – N. Müller, Stieber, Gouaida (77. Götz) – Olic (25. Rudnevs)

1
Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Sommer – J. Korb, Stranzl, Jantschke, Wendt – An. Hahn (76. T. Hazard), C. Kramer (79. Hrgota), Nordtveit, Traore (62. Raffael) – P. Herrmann, M. Kruse

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Stieber (73.)
  • 1:1 Hrgota (90.+2)

Strafen:

  • gelbe Karte Djourou (3 )
  • gelbe Karte Jiracek (4 )
  • gelbe Karte Kacar (1 )
  • gelbe Karte Jantschke (3 )
  • gelbe Karte Traore (3 )
  • gelbe Karte M. Kruse (1 )

Zuschauer:

  • 52.105

Schiedsrichter:

  • Felix Zwayer (Berlin)

Stand der Statistik: Sonntag, 22.02.2015, 17:29 Uhr

Wappen Hamburger SV

Hamburger SV

Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Tore 1 1
Schüsse aufs Tor 3 2
Ecken 4 5
Abseits 1 2
gewonnene Zweikämpfe 112 125
verlorene Zweikämpfe 125 112
gewonnene Zweikämpfe 47,26 % 52,74 %
Fouls 13 11
Ballkontakte 596 734
Ballbesitz 44,81 % 55,19 %
Laufdistanz 121,06 km 118,63 km
Sprints 274 236
Fehlpässe 91 109
Passquote 77,7 % 80 %
Flanken 9 12
Alter im Durchschnitt 27,7 Jahre 25,9 Jahre

Stand: 22.02.2015, 20:15

Darstellung: