Hofmann profitiert von Heckings System

Teaserbild mit Gladbachs Jonas Hofmann - Analyse 8. Spieltag

Drei-Tore-Gala des Gladbacher Dauerläufers gegen Mainz 05

Hofmann profitiert von Heckings System

Von Christian Hornung (Mönchengladbach)

In seinen drei Jahren in Gladbach hatte Jonas Hofmann noch kein Feldtor erzielt, ein Elfmeter zuletzt gegen Leverkusen war überhaupt sein erster Treffer. Seine Explosion gegen Mainz war dennoch folgerichtig, denn er ist der Hauptprofiteur von Dieter Heckings neuem System - eine Analyse.

Einen Moment lang war Hofmann dann doch ratlos. Als er in der Interviewzone des Borussia Parks wenige Minuten nach seiner Drei-Tore-Gala beim 4:0 gegen Mainz gefragt wurde, was denn jetzt in seiner Karriere noch kommen könne, zuckte er mit den Schultern. "Viel besser geht es wohl nicht mehr", meinte er dann. "So viele Tage dieser Art werde ich in meiner Karriere wohl nicht mehr erleben. Aber wer weiß..."

Immer die richtigen Lösungen

Zuvor auf dem Platz hatte er hingegen fast immer die passende Antwort auf Lager gehabt. Zum Leidwesen seines Ex-Vereins, der bisher in sieben Saisonspielen exakt so viele Gegentore bekommen hatte wie an diesem Sonntagabend.

Dass Hofmann, der in Gladbach auch sehr schlechte Zeiten erlebt hat und sogar schon von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, nun drei Tore in einem Spiel schießen würde, war natürlich nicht zu erwarten gewesen. Aber es war auch kein Zufall.

Zentralere Rolle als zuvor

In der Vergangenheit hatte ihn Hecking fast immer auf einer der beiden Außenbahnen eingesetzt, ganz selten auch mal auf der Sechserposition - aber eben nie so zentral vorne wie jetzt nach der Systemumstellung von 4-4-2 auf 4-3-3. Hofmann spielt nun seit Saisonbeginn auf der linken Achter-Position, ist dadurch viel mehr am Spielgeschehen beteiligt, geht viel öfter in die wirklich gefährlichen Zonen und hat plötzlich Abschlusssituationen, wo er vorher höchstens mal als Vorbereiter in Erscheinung trat.

Und er ist egoistischer geworden, im positiven Sinn. "Ich habe dem Trainer gesagt, dass ich mehr Verantwortung für die Mannschaft, aber auch für mich selbst übernehmen möchte", erzählte Hofmann sportschau.de. "Vielleicht habe ich vorher zu oft immer nur das Abspiel gesucht, statt es auch mal selbst zu probieren, wenn die Position gut war."

Stindl ist begeistert

Jetzt hat er die Mischung gefunden. Kapitän Lars Stindl ist begeistert von der Verwandlung seines Nebenmannes: "Jonas hat in dieser Saison eine unglaublich gute Entwicklung genommen. Er ist vorne oft der erste Anläufer und erzwingt Ballverluste des Gegners. Aber er macht auch die weiten Wege zurück, deshalb sind die Tore gegen Mainz auch die gerechte Belohnung für ihn."

Die Laufleistung ist in der Tat herausragend: Mit 13,5 Kilometern im Schnitt ist der 27-Jährige Ligaspitze. Hofmann erklärt das Phänomen so: "In erster Linie ist das der Tatsache geschuldet, dass ich endlich mal länger verletzungsfrei bin und entsprechend eine optimale Fitness habe. Aber klar liegt es mir, jetzt diese neue Rolle zu spielen, weil ich mehr Einfluss nehmen und der Mannschaft überall auf dem Platz helfen kann. Wir haben jetzt einfach mehr Tiefe in unseren Aktionen."

Mehr Läufe und Pässe in die Tiefe

Mehr Tiefe bedeutet, dass im Gegensatz zu den anderthalb Jahren zuvor unter Hecking nun deutlich mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum herrscht. Immer wieder bieten Hofmann, aber auch Thorgan Hazard oder Alassane Pléa Läufe in die Nahtstellen der Abwehrketten. Und in dieser Saison kommen auch die Pässe dahin, die Läufe lohnen sich nun. Hofmann betont, dass die Mannschaft gerade dieses Passspiel unter Druck in jedem Training forciere. "Und deshalb haben wir auch im Spiel diese Ruhe, durch die Ketten zu kombinieren und Ball und Gegner laufen zu lassen."

Genau das war der Unterschied zwischen Gladbach und Mainz. Die Gäste hatten kaum eine herausgespielte Torchance, der eingewechselte Danny Latza schaffte es erst in der 89. Minute einmal, hinter die Abwehrlinie der Borussen zu kommen, schoss dann aber Torwart Yann Sommer an.

Sehr ähnliche Tore

Die Gladbacher hingegen zogen durch ihre geduldigen Ballstaffetten die Reihen der Mainzer so weit auseinander, dass sich erstaunliche Lücken boten: Beim 1:0 hebelte Hazard mit seinem Steilpass auf Hofmann die Dreierkette aus, vor dem zweiten Treffer schickte Stindl Hazard in die Tiefe, der dann für Hofmann querlegte. Ähnlich fiel das 3:0: Wieder leitete Stindl den Angriff ein, den Pléa mit dem Querpass auf Hazard veredelte. Und beim 4:0 konnte Hofmann Torwart Florian Müller umkurven und ins leere Tor schieben, weil zuvor Florian Neuhaus perfekt hinter die Mainzer Abwehr gepasst hatte.

Bell: "Wir machen im Moment zu wenig Tore"

Sportschau 21.10.2018 01:05 Min. ARD

Latza räumte später ein, dass man in diesen Situationen nicht eng genug beim Mann gestanden und zu wenig Druck auf die Passgeber gemacht hatte. Doch es war auch nicht leicht, diese Angriffe zu verteidigen, weil sie wechselweise von allen fünf Gladbacher Offensivspielern ausgingen.

Hektische Abschlüsse und falsche Entscheidungen

In ihrer eigenen Vorwärtsbewegung hingegen zeigten die Mainzer, warum sie nun auch im fünften Spiel in Serie torlos blieben: Sie trafen einfach zu oft die falschen Entscheidungen. Das perfekte Beispiel war eine der ganz wenigen Patzer der Gladbacher im Aufbau, als Nico Elvedi noch beim Stand von 0:0 den Ball am eigenen Strafraum querlegte. Jean-Philippe Mateta erahnte die Chance, doch statt nach seinem Ballgewinn auf Torhüter Sommer zuzugehen, schloss er überhastet aus 18 Metern mit einem Flachschuss neben das Tor ab.

Sommer: "Einmal mehr eine tolle Mannschaftsleistung"

Sportschau 21.10.2018 00:50 Min. ARD

Danach wirkten die Versuche manchmal fast verzweifelt: Ridle Baku, Jonathan Burkardt oder Jean-Paul Boëtius hielten immer wieder aus der Distanz drauf, aber regelmäßig weit über das Tor. Ihren Angriffen fehlte genau die Tiefe, die die Gladbacher dank ihres neuen Systems nun haben, und der Trend der vergangenen Wochen lässt für die nähere Zukunft nicht viel Gutes erahnen. Ganz im Gegensatz zu den Gladbachern, die nun Tabellenzweiter sind und Hecking zu der Aussage veranlassten, man habe nun richtig Lust daran gefunden, sich "oben festzubeißen."

Fußball · Bundesliga · 8. Spieltag 2018/2019

Sonntag, 21.10.2018 | 18.00 Uhr

Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Sommer – Lang (81. Jantschke), Ginter, Elvedi, Wendt – Neuhaus (70. Zakaria), Strobl, Hofmann – T. Hazard, Stindl (66. Traoré), Pléa

4
Wappen 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05

Fl. Müller – Brosinski, Bell, Niakhaté, Martín – Gbamin, Kunde Malong (59. Latza), Boetius, Baku (77. Mwene) – Burkardt (59. Öztunali), Mateta

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Hofmann (21.)
  • 2:0 Hofmann (53.)
  • 3:0 T. Hazard (58.)
  • 4:0 Hofmann (63.)

Strafen:

  • gelbe Karte Boetius (2 )
  • gelbe Karte Martín (1 )

Zuschauer:

  • 51.123

Schiedsrichter:

  • Sören Storks (Velen)

Stand: Sonntag, 21.10.2018, 19:52 Uhr

Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Wappen 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05

Tore 4 0
Schüsse aufs Tor 9 4
Ecken 4 6
Abseits 1 1
gewonnene Zweikämpfe 89 59
verlorene Zweikämpfe 59 89
gewonnene Zweikämpfe 60,14 % 39,86 %
Fouls 4 10
Ballkontakte 690 603
Ballbesitz 53,36 % 46,64 %
Laufdistanz 117,62 km 111,42 km
Sprints 199 225
Fehlpässe 77 61
Passquote 85,31 % 85,91 %
Flanken 3 6
Alter im Durchschnitt 26,9 Jahre 23,5 Jahre

Stand: 22.10.2018, 08:00

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