Ersehnte Mainzer Belohnung

Aaron Martin (Mainz 05) und Moussa Niakhate (u.)

1. FSV Mainz 05 - Werder Bremen 2:1

Ersehnte Mainzer Belohnung

Von Frank Hellmann (Mainz)

Vielleicht hätte es kein besser geeignetes Bundesligaspiel gegeben, als das des FSV Mainz 05 gegen Werder Bremen (2:1), um 27 langjährige Mainzer Mitglieder erst im VIP-Bereich zu ehren und in der Halbzeitpause noch auf den Rasen zu bitten.

 Der Vereinschef und Vorstandvorsitzende Stefan Hofmann zeichnete dabei für 80-jährige Vereinszugehörigkeit mit Heinz Tronser einen Zeitzeugen aus, der noch vor dem Zweiten Weltkrieg den Nullfünfern beitrat und das Vereinsarchiv mit Leben füllte. Oder Otto Schedler, sieben Jahrzehnte dem Klub verbunden, der einst in Oberliga-Zeiten das Tor hütete. Aktuell lautet das allgegenwärtige Motto „Unser Traum lebt“, denn zehn Jahre Bundesligazugehörigkeit in Folge sind an diesem Standort eben keine Selbstverständlichkeit.

Es wird definitiv eine weitere Erstliga-Saison dazukommen, bieten die Rheinhessen solche Leistungen an wie am Sonntag beim vielumjubelten 2:1 (1:0)-Heimerfolg gegen Werder Bremen. Die ausgedehnten Klatschparaden inklusive Ehrenrunde erinnerten an die alten Zeiten im Bruchwegstadion, wenn der selbsternannte Karnevalsverein in der Ära Jürgen Klopp  seine Gegner niedergerungen hatte. "In der Summe nach 94 Minuten ein verdienter Sieg", sagte Trainer Sandro Schwarz.

Auch fußballerisch ansprechend

Nach sieben sieglosen Pflichtspielen, mit teilweise ernüchternden Spielverläufen, fuhr der Hausherr die ersehnte Belohnung für Kampf und Einsatz, aber auch spielerische Akzente ein. Sportvorstand Rouven Schröder freute sich nicht zu Unrecht über "fußballerisch eine der besten Halbzeiten seit langem". Der 43-Jährige hatte noch auf der Mitgliederversammlung vor zwei Wochen ausgerufen, dass die Zeiten der "kleinen Mainzer" definitiv vorbei seien und dieser wirtschaftlich kerngesunde Klub in der Bundesliga "richtig was reißen" könne.

Was definitiv stimmt, wenn die junge Mannschaft so auftritt wie gegen einen pomadigen Europapokal-Aspiranten in der ersten Hälfte. "Wir waren immer präsent, sehr strukturiert und haben das erste Tor gemacht", lobte Schwarz. Der 40-Jährige hatte eine 4-4-2-Grundordnung gewählt - eigentlich mal Bremer Markenkern - die den hochgehandelten Gäste förmlich die Luft abschnürte.

 

Stefan Bell: "Das haben wir ganz ordentlich verteidigt"

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Werder verschläft eine Halbzeit

Und das mit vielen Ballgewinnen im vorderen Drittel und fast allen gewonnenen Zweikämpfen in der Luft oder am Boden, wenn Werder mit weiten Schlägen aus der Bedrängnis kommen wollte. "Wir haben den zweiten Ball überhaupt nicht gewonnen", klagte Kollege Florian Kohfeldt, der den seltsam unrunden Auftritt der zaghaften Männer in den dunkelgrünen Jerseys genauso gruselig fand wie seine Spieler: "Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen. Punkt. Aus. Ende."

Erschreckend aus Bremer Sicht: das fehlende Durchsetzungsvermögen, aber auch die Durchsichtigkeit der eigenen Angriffsbemühungen. Kohfeldt: "Wir waren nicht griffig." Im Gegensatz zu den galligen Mainzern, die sich erstaunlich widerstandsfähig zeigten.

Und noch einen Trumpf hatte der Hausherr in der Spielanalyse zu bieten: die enorme Laufbereitschaft. Beinahe 124 Kilometer spulte der Sieger ab. "Nach drei anstrengenden Spielen in neunTagen war das keine Selbstverständlichkeit, wir sind am Ende auf der letzten Felge gegangen", analysierte Schwarz.

Starke Franzosen

Zu Stützen seiner Elf avancierten die zentralen Figuren: neben dem verbesserten Abräumer Kunde Malong etwa die zweikampfstarken Innenverteidiger Moussa Niakhaté und Stefan Bell, der zwei Drittel seiner direkten Duelle für sich entschied - mehr als jeder andere Mitspieler. Der Kapitän hatte nach der Niederlage gegen den FC Bayern (1:2) noch die Naivität seines Nebenmannes öffentlich gerügt und mehr Klarheit in den Aktionen verlangt: Diesmal verteidigte der erst 22 Jahre alte Franzose Niakhaté fast fehlerlos.

Dass zwei Landsleute aus dem Weltmeisterland sich in die Torschützenliste eintrugen, passte zu diesem Abend: Der junge U21-Nationalstürmer Jean-Philippe Mateta, der früh schon die Latte getroffen hatte (10. Minute), erzielte in bester Torjägermanier das 1:0 (25.), der im Sommer aus England umworbene Mittelfeldantreiber Jean-Philippe Gbamin knallte die Kugel zum 2:0 ins kurze Eck (51.).

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Zittern zum Schluss

Ein Treffer, der all die Mainzer Entschlossenheit verkörperte. Beide Spieler stehen für die Transferpolitik, die Schröder bevorzugt: Noch nicht ausgereifte Akteure, gerne aus Frankreich oder Spanien, sollen die Mainzer Bühne nutzen, um ihre Karriere voranzutreiben, was dann im Falle von Abdou Diallo gerne auch zu Champions-League-Vereinen wie Borussia Dortmund führen kann.

Vorlagengeber Daniel Brosinski, der beide Tore einleitete, fasste den Spielverlauf  gut zusammen: "80 Minuten waren von unserer Seite top, dann haben wir nach dem Gegentor Angst gekriegt und zittrige Knie bekommen." Tatsächlich kamen die Mainzer nach dem Anschlusstor des bereits 40-jährigen Altmeisters Claudio Pizarro noch einmal in Bedrängnis, aber bis auf eine Parade von Robin Zentner gegen Max Kruse (82.) brannte nichts mehr an.

Dem Ideal schon ganz nah

Brosinski benannte auch die Devise, mit der die Mainzer Mannschaft in dieses Spiel gegangen war: "Fußball spielen und leidenschaftlich kämpfen." In vielen Phasen dieser Partie - die ein Schlüsselmoment für den weiteren Saisonverlauf werden könnte, wenn Mainz nun noch vor der Länderspielpause beim SC Freiburg (10.11.2018) nachlegt  - besannen sich die Rheinhessen wieder auf jenen typischen Mainz-05-Stil, den auch Schwarz sich auf die Fahnen geschrieben hat: selbst aktiv sein und den Gegner zu Fehlern zwingen.

Schröder wollte so weit gar nicht gehen, weil er als ehemaliger Mitarbeiter beim SV Werder - dort war er zwei Jahre lang Direktor Profifußball und Scouting - ja wusste, wie gut die Bremer ihr Potenzial versteckt hatten. Aber eines konnte er festhalten: "So stellen wir uns vor, Fußball zu spielen."

Stand: 04.11.2018, 20:22

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