FC Bayern - entspannt ins neue Jahr

Niko Kovac und Kingsley Coman

Eintracht Frankfurt - Bayern München 0:3

FC Bayern - entspannt ins neue Jahr

Von Frank Hellmann (Frankfurt)

Den Schlusspfiff nahm Niko Kovac fast regungslos hin. Weder ballte der Trainer des FC Bayern die Fäuste, noch stieß er einen Freudenschrei nach dem 3:0 (1:0) bei Eintracht Frankfurt aus, sondern drehte sich auf dem Absatz um, um als Erstes seinen Bruder und Assistenten Robert abzuklatschen.

Dass der Fußballlehrer an alter Frankfurter Wirkungsstätte unter besonderer Anspannung gestanden hatte, war ihm anzusehen – nur von der Erleichterung wollte sich der 47-Jährige hinterher wenig anmerken lassen. "Der Sieg war völlig verdient", sagte er cool.

Weil sich die bajuwarischen Protagonisten noch am selben Abend vom Frankfurter Airport in aller Herren Länder verstreuten – die meisten Spieler flogen direkt in die Heimat oder in den Urlaub – fand in der Arena im Stadtwald nicht einmal mehr eine Pressekonferenz statt. Kovac gab in der Mixed Zone zu Protokoll: "Wir waren die ersten 20 Minuten nicht so im Spiel, wie ich mir das vorgestellt habe. Das Positionsspiel, das wir in der zweiten Halbzeit aufgezogen haben, ist das was der FC Bayern kann und zeigen muss."

Die Anfangsphase gehörte der Eintracht

Damit hatte der Trainer allerdings geflissentlich verschwiegen, wie schwer sich sein Team anfangs mit dem hohen Pressing und der großen Körperlichkeit seines Ex-Klubs tat. Immer wieder stellten die Frankfurter die Passwege zu und Überzahl her - und zwangen die Münchner zu teils krassen Fehlpässen. Folge: Danny da Costa, Sébastien Haller (8. Minute) und Luka Jovic (11.) hatten den Führungstreffer in der furiosen Anfangsviertelstunde auf dem Fuß.

Kovacs Nachfolger Adi Hütter war gewillt, den Bayern auf Augenhöhe zu begegnen - wofür schlussendlich 41 Prozent Ballbesitz und 10:9 Torschüsse sprachen - aber der Österreicher erkannte richtig: Der Meister wäre vom Pokalsieger nur zu schlagen gewesen, wenn alles beim Überraschungsteam Eintracht Frankfurt gepasst hätte: optimale Chancenverwertung, volle Kraftreserven, komplettes Personal.

Fernandes: "Tolles Jahr für den gesamten Verein"

Sportschau 22.12.2018 01:23 Min. Verfügbar bis 22.12.2019 ARD

Insofern hatte sein Vorgänger mit dem 17. Spieltag die beste Gelegenheit bekommen, um sich mit dem fünften Sieg in Folge ein entspanntes Weihnachtsfest zu bescheren. Die Bayern konnten ihren Gegner wie eine Weihnachtsgans schmoren lassen, um ihn dann mit ihrer individuellen Qualität zu filetieren.

Eine verunglückte Kopfballabwehr von Even Ndicka nahmen Thomas Müller und Robert Lewandowski zum Anlass, um blitzgescheit Franck Ribéry freizuspielen, der prompt das 0:1 erzielte (35.). Dass der 35-Jährige mit einem eigentlich verunglückten Schuss nachlegte (79.) und der 33-jährige Rechtsverteidiger Rafinha mit einer Schussflanke ungewollt traf (89.), passte zur Münchner Bescherung.

Großes kommt in der Rückrunde

"Zwei komische Tore", sah Abwehrspieler Niklas Süle, der einen so glücklichen Eindruck machte, als habe ihn bereits der Weihnachtsmann mit Präsenten bedacht: "Wir haben die Verfolgerrolle angenommen und müssen darauf hoffen, dass die Dortmunder straucheln. Aber ich denke, dass wir als Bayern München immer die Qualität haben, in der Rückrunde was Großes zu leisten."

Mit solch einer selbstbewussten Ansage war der gebürtige Frankfurter am Samstagabend nicht allein. "3:0 hier zu gewinnen, ist das richtige Zeichen zur richtigen Zeit", konstatierte Thomas Müller, der nach eigenem Bekunden "voller Vorfreude" auf die zweite Halbserie blickt: "Unsere Aufgabe ist es, den Druck permanent hochzuhalten. Für uns selbst ist die Botschaft wichtig, dass wir wieder in Schlagweite sind."

Sechs Punkte aus den Heimspielen fehlen

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte ein "wichtiges Ausrufezeichen" gesehen. Einer wankelmütigen Hinrunde, in der es selbstverschuldet "zu viel bergauf und bergab ging" (Süle), soll eine konstante Rückrunde folgen. Kovac, der vor allem den verlorenen sechs Punkten in den Heimspielen gegen Augsburg, Freiburg und Düsseldorf nachtrauert ("sonst wären wir mit Dortmund pari"), findet die veränderte Ausgangslage für den Meisterschaftskampf gar nicht so schlimm: "Die letzten sechs Jahre waren ja sehr eintönig. Vielleicht brauchen wir das mal, dass wir von hinten schieben, dass wir den Druck erhöhen."

Dabei besinnen sich die Bayern auf jene Ausrichtung, die schon der Immer-gerne-Helfer Jupp Heynckes wählte: Die Umstellung auf ein 4-2-3-1-System mit zunächst zwei defensiv denkenden Mittelfeldspielern - nun Javi Martínez und Joshua Kimmich - hat zu deutlich mehr Stabilität geführt. Die jüngsten vier Bundesligaspiele gewannen die Bayern allesamt zu Null. "Die Abstände passen besser", merkte Müller an.

Ribéry bleibt ein wichtiger Solist

Doch in vielen Partie profitieren die Bayern weniger vom Kollektiv, sondern von ihren Einzelkönnern, zu denen immer noch der ewige Flügelflitzer Ribéry gehört. Die heilige Klub-Ikone soll am Saisonende eigentlich aufhören und eine Vertragsverlängerung galt eigentlich als ausgeschlossen, aber nun kocht das Thema wieder hoch, weil der Franzose gerade seinen 83. und 84. Bundesligatreffer schoss.

Vier Tore in den vergangenen drei Spielen - wenn das mal keine Empfehlung für eine Weiterbeschäftigung ist. "Natürlich", sagte der mit 31 Sprints und 74 intensiven Läufen glänzende Ribéry auf die Frage, ob er weiterspielen wolle. Am liebsten in München. "Es gibt keine alten Spieler, es gibt nur gute und weniger gute", stellte Rummenigge fest – und ließ damit Verhandlungsbereitschaft durchblicken?

Süle hätte nichts dagegen, denn ihm imponiert diese Kämpfernatur, die gemeinsam mit dem derzeit verletzten Arjen Robben eine Ära des FC Bayern verkörpert: "Wenn ich mit 35 noch so rennen könnte, wäre ich sehr froh. Er spielt für sein Leben gerne Fußball. Er ist ein positiv Verrückter."

Nur der Trainer rutscht aus

Auch Kovac kam um eine Verbeugung vor dem Monsieur nicht umhin: "Ganz großes Kompliment an die Jungs und an Franck. Was er im Training, auf und neben dem Platz leistet, ist immens. Er ist ein Weltklassespieler, der sich auf seinen Lorbeeren nie ausruht, sondern immer wieder Gas gibt und sich selbst belohnt. Schön, dass wir ihn haben."

Kovacs Ausrutscher auf einem durchnässten Werbebanner in der Coaching Zone sollte damit der einzige aus Münchner Sicht bleiben. Wie Glatteis sei es da gewesen, erklärte der Trainer kühl lächelnd später. Vielleicht ersparte er sich deshalb mit dem Anpfiff an dieser Stelle überbordenden Jubel. Stille Freude passte kurz vor Heiligabend auch viel besser.

Fußball · Bundesliga · 17. Spieltag 2018/2019

Samstag, 22.12.2018 | 18.30 Uhr

Wappen Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt

Trapp – Salcedo, Falette, N'Dicka – G. Fernandes (69. N. Müller), Willems – da Costa, Kostic – Gacinovic (43. de Guzmán) – Haller, Jovic

0
Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Rafinha, Süle, Boateng, Alaba – Javi Martinez – Kimmich, Thiago – Müller (90. Shabani), F. Ribéry (90. Coman) – Lewandowski (90.+1 S. Wagner)

3

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 F. Ribéry (35.)
  • 0:2 F. Ribéry (79.)
  • 0:3 Rafinha (89.)

Strafen:

  • gelbe Karte G. Fernandes (4 )
  • gelbe Karte de Guzmán (2 )
  • gelbe Karte Alaba (3 )

Zuschauer:

  • 51.500

Schiedsrichter:

  • Manuel Gräfe (Berlin)

Stand der Statistik: Samstag, 22.12.2018, 20:27 Uhr

Wappen Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt

Wappen Bayern München

Bayern München

Tore 0 3
Schüsse aufs Tor 4 7
Ecken 3 4
Abseits 4 2
gewonnene Zweikämpfe 92 101
verlorene Zweikämpfe 101 92
gewonnene Zweikämpfe 47,67 % 52,33 %
Fouls 9 4
Ballkontakte 497 716
Ballbesitz 40,97 % 59,03 %
Laufdistanz 112,09 km 110,5 km
Sprints 214 175
Fehlpässe 68 71
Passquote 77,78 % 86,21 %
Flanken 9 10
Alter im Durchschnitt 26,2 Jahre 28,3 Jahre

Stand: 23.12.2018, 10:00

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