Der 1. FC Köln schaltet in den Arbeitsmodus

Der Kölner Marco Höger (r.) geht gegen Gladbachs Christoph Kramer (l.) robust zu Werke

Analyse zum Kölner 2:1-Sieg gegen Mönchengladbach

Der 1. FC Köln schaltet in den Arbeitsmodus

Von Jörg Strohschein

Der 1. FC Köln hat sich von nahezu sämtlichen ästhetischen Elementen des Fußballs verabschiedet und bearbeitet Ball und Gegner. Das führt gegen Borussia Mönchengladbach zum Erfolg - und lässt die Hoffnung zurückkehren. Eine Analyse.

Der verletzte Leonardo Bittencourt wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte. Als Konstantin Rausch in die Katakomben des Kölner Stadions kam, herzte er seinen Kollegen besonders intensiv. Rausch hatte die präzise Flanke gegeben, die Angreifer Simon Terodde in sprichwörtlich letzter Sekunde nutzte, um per Kopf das 2:1 für den 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach zu erzielen.

Ausgerechnet Rausch, der in der Hinrunde geradezu in Verruf gekommen war wegen seiner häufig so unpräzisen Flanken. Unmittelbar nach diesem erlösenden Treffer machte sich geradezu ekstatischer Jubel in der Fußballarena breit. Weil mit diesem Tor der zweite Erfolg der Kölner in Folge feststand. Aber vor allem auch, weil die Kölner nach dieser desaströsen Hinrunde nun sogar wieder davon träumen können, vielleicht doch noch irgendwie den Klassenerhalt zu schaffen.

Terodde - "Voll auf Sieg gespielt"

Sportschau | 14.01.2018 | 01:38 Min.

Der Glaube an die eigene Stärke ist zurück

Die wichtigste Nachricht für den FC war nach dem Last-Minute-Sieg im rheinischen Derby: Die Mannschaft ist auf dem Weg, den Glauben an sich selbst wiederzufinden. "Es ist einfach unglaublich, dass wir mit neun Punkten vielleicht sogar noch die Chance haben, die Klasse zu halten", sagte FC-Torhüter Timo Horn.

Die Kölner waren die glücklichen Sieger in einem Spiel, das der FC mit seiner taktischen Ordnung und seiner Kampfkraft stark beeinflusste. "Wir haben gespielt, gespielt und gespielt, haben aber keine Lösungen gefunden. Und der FC hat das sehr diszipliniert verteidigt", sagte VfL-Trainer Dieter Hecking. "Und das haben sie bereits vor der Winterpause so gemacht."

Eine Strategie ist erkennbar

Dieses Hecking’sche Urteil war als ausdrückliches Lob für seinen Kollegen zu verstehen. Kölns Coach Stefan Ruthenbeck ist es offenbar aus Sicht der Konkurrenz gelungen, seiner Mannschaft innerhalb kürzester Zeit eine Strategie, aber vor allem mehr Selbstbewusstsein und damit Siegeswillen zu verleihen.

Hermann: "Eigentlich müssen wir das gewinnen"

Sportschau | 14.01.2018 | 01:00 Min.

Ruthenbeck ließ seine Mannschaft im 4-2-3-1 agieren, mit Terodde als alleiniger Spitze. Lange Zeit erschien es allerdings so, als würden die Kölner gar keine Offensive benötigen. Sie verteidigten mit Mann und Maus (und mit Terodde) und versuchten, die Gladbacher nicht in ihren berüchtigten Spielfluss kommen zu lassen.

Auch dann noch, als sie nach 34 Minuten erstmals im Gladbacher Strafraum auftauchten und Frederick Sörensen nach einer Standardsituation die Führung erzielt hatte. Das 1:0 konnte die taktische Ausrichtung der Kölner nicht um eine Nuance verändern.

Lob für Terodde für seinen großen Einsatz

Der möglichen Attraktivität des Fußballs schenken die Kölner Spieler derzeit keinerlei Beachtung. Allein der Faktor Arbeit ist für sie die einzige Größe, die echte Relevanz besitzt. Weil er das Versprechen zu beinhalten scheint, weitere Erfolgserlebnisse initiieren zu können. Und so lobte Ruthenbeck Matchwinner Terodde auch nicht in erster Linie für den entscheidenden Treffer, sondern vor allem dafür "wie er sich aufgerieben und in jeden Zweikampf geworfen hat".

An Einsatz und Leidenschaft mangelte es keinem der Kölner Profis. Die FC-Spieler versuchen unter der Anleitung von Ruthenbeck Räume zu verengen, die Gegner in Zweikämpfe zu verwickeln und unangenehm und hartnäckig zu sein. Für ihre Ordnung auf dem Feld opfern sie den Ballbesitz (42 Prozent). Dafür investieren sie ihre Kraft in Laufarbeit.

Viel Laufarbeit

123,3 Kilometer spulten die FC-Profis ab (Gladbach: 121,2). Und vor allem auf die kraftraubenden, intensiven Läufe (662 zu 625) legten sie ihren Schwerpunkt. "Wir haben bis zum Ende gekämpft", sagte Timo Horn. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht so beim FC. Gerade die mangelnde Fitness der Spieler war einer der großen Kritikpunkte in der Hinrunde. An der körperlichen Verfassung hat Trainer Ruthenbeck während der kurzen Winterpause intensiv gearbeitet.

Damit können sie ihre spielerischen Defizite zwar nicht verdecken, ihnen gelingt es aber gegen bessere Bundesliga-Teams, wie es die Gladbacher sind, konkurrenzfähig zu sein. "Das ist unsere Chance, gegen so eine gute Mannschaft möglichst lange im Spiel zu bleiben", sagte Ruthenbeck.

Nächstes Endspiel folgt

Das erste Endspiel im Kampf gegen den drohenden Abstieg haben die Kölner mit viel Einsatz und einer großen Portion Glück für sich entschieden, weil die Gladbacher eine Vielzahl an Tormöglichkeiten leichtfertig vergeben hatten. Auch daraus dürfte der FC weiteres Vertrauen ziehen, weil die vermeintliche Pechsträhne beendet zu sein scheint.

In der kommenden Woche bestreiten die Kölner ihr nächstes Endspiel beim Hamburger SV. "Wir freuen uns darauf", sagte Ruthenbeck. Diese Ankündigung dürften die Hanseaten als Warnung verstehen - und sie dürfen sich auf ein arbeitsreiches Spiel einstellen.

Fußball · Bundesliga · 18. Spieltag 2017/2018

Sonntag, 14.01.2018 | 15.30 Uhr

Wappen 1. FC Köln

1. FC Köln

T. Horn – Sörensen, Mere, Heintz, J. Hector (72. K. Rausch) – Klünter, Höger, S. Özcan, Jojic (78. Guirassy) – Terodde, Zoller (63. Clemens)

2
Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Sommer – Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt – Zakaria, C. Kramer (68. Cuisance) – P. Herrmann (80. Hofmann), Grifo (46. Raffael) – T. Hazard, Stindl

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Sörensen (34.)
  • 1:1 Raffael (69.)
  • 2:1 Terodde (90.+6)

Strafen:

  • gelbe Karte C. Kramer (1 )
  • gelbe Karte Klünter (4 )
  • gelbe Karte Zakaria (6 )
  • gelbe Karte Terodde (3 )
  • gelbe Karte Ginter (2 )

Zuschauer:

  • 50.000

Schiedsrichter:

  • Felix Zwayer (Berlin)

Stand: Sonntag, 14.01.2018, 17:27 Uhr

Wappen 1. FC Köln

1. FC Köln

Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Tore 2 1
Schüsse aufs Tor 5 5
Ecken 3 3
Abseits 2 1
gewonnene Zweikämpfe 103 108
verlorene Zweikämpfe 108 103
gewonnene Zweikämpfe 48,82 % 51,18 %
Fouls 17 14
Ballkontakte 528 727
Ballbesitz 42,07 % 57,93 %
Laufdistanz 123,28 km 121,24 km
Sprints 232 204
Fehlpässe 69 77
Passquote 77,45 % 84,99 %
Flanken 9 8
Alter im Durchschnitt 25,1 Jahre 25,9 Jahre

Stand: 14.01.2018, 20:46

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München3484
2.FC Schalke 043463
3.1899 Hoffenheim3455
4.Bor. Dortmund3455
5.Bayer Leverkusen3455
 ...  
16.VfL Wolfsburg3433
17.Hamburger SV3431
18.1. FC Köln3422
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