Zahlreiche Probleme in Köln: Kommt Gisdol-Aus zu spät?

Jonas Hector (l) und Rafael Czichos

1. FC Köln

Zahlreiche Probleme in Köln: Kommt Gisdol-Aus zu spät?

Von Christian Schulze

Harmlose Offensive, taktische Fauxpas, immer wieder individuelle Abwehrfehler und keine Weiterentwicklung einzelner Spieler. Beim 1. FC Köln häufen sich schon länger Probleme. Eine Analyse.

Unmittelbar nach der 2:3-Niederlage gegen Mainz trottete Markus Gisdol mit leerem Blick über den Rasen des Kölner Stadions. Der Reihe nach versuchte er seinen Spielern wie dem völlig enttäuscht im Toraus sitzenden Kapitän Jonas Hector Trost zuzusprechen. Er wird geahnt haben, welche im Fußball üblichen Mechanismen in den folgenden Stunden greifen würden. "Ich bin mit der Mannschaft so umgegangen wie man mit einer Mannschaft umgeht, die enttäuscht ist, weil sie ein Spiel verloren hat. Und was morgen ist, das werden wir sehen."

Schon kurz nach dieser Aussage auf der obligatorischen Pressekonferenz stand sein Aus als Trainer des 1. FC Köln fest. Und die nackten Zahlen liefern für diese Entscheidung den Hauptgrund: In 51 Bundesligaspielen als verantwortlicher Coach hagelte es 25 Niederlagen – die Bilanz des Schwaben zählt zu den schlechtesten in der langen Vereinsgeschichte des FC.

Schuld nicht ausschließlich bei Markus Gisdol

Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen die Hoffnung, dass die Wende sowie der Klassenerhalt mit Gisdol, der einen Vertrag bis 2023 hatte, gelingen kann. Doch dafür waren die Probleme des 1. FC Köln in dieser Saison von Beginn an zu groß. Die Schuld dafür ist jedoch nicht ausschließlich beim Trainer zu finden.

Auf die Stürmer-Abgänge von Simon Terodde (zum Hamburger SV, 20 Tore nach 28 Spielen) und Jhon Cordoba (Hertha BSC, 7 Treffer) sowie die Verletzung von Anthony Modeste (mittlerweile in seine Heimat Frankreich verliehen) wurde auch coronabedingt erst spät reagiert.

Markus Gisdol nach dem Spiel gegen Mainz

Für die Integration der offensiven Neuzugänge, allen voran Ondrej Duda und Sebastian Andersson blieb somit nicht viel Zeit, zudem verletzte sich Andersson früh in der Saison am Knie und stand erst in den beiden vergangenen Spielen wieder zur Verfügung. Neben dem schwedischen Angreifer fehlten auch Offensivmann Florian Kainz sowie Kapitän Jonas Hector monatelang verletzt.

Harmlose Offensive von Beginn an Hauptproblem

Die zu Beginn der Saisonvorbereitung von Gisdol anvisierte taktische und spielerische Entwicklung der Mannschaft belasteten diese Umstände zweifellos, trotzdem blieben die Fortschritte letztlich komplett aus.

Funkel: "Mehr Risiko im Spiel nach vorne" Sportschau 12.04.2021 00:54 Min. Verfügbar bis 12.04.2022 Das Erste

Bis zuletzt tat sich der FC im Spiel nach vorne mehr als schwer und konnte die kollektive Harmlosigkeit nie abstellen. Auch nicht durch die Verpflichtung von Stürmer Emmanuell Dennis im Winter. Der Nigerianer erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen und Hoffnungen nicht, flog vor dem Mainz-Spiel sogar aus dem Kader.

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Immer wieder individuelle Abwehrfehler

Gerade einmal 27 Tore erzielte Köln in den bisher absolvierten 28 Begegnungen. Die beiden Tore am Sonntag gegen Mainz fielen exemplarisch nicht aus dem Spiel heraus, sondern nach Standardsituationen. Im 51. und letzten Bundesliga-Spiel von Markus Gisdol als Kölner Trainer zeigte sich aber auch ein weiteres großes Problem dieser Saison.

FC Köln-Fans hängen ein Protestplakat vor dem Geißbockheim auf.

Als es nach dem Führungstor von Ellyes Skhiri (61. Minute) danach aussah, dass der FC erstmals in dieser Saison ein Spiel nach Rückstand gewinnen könnte, kassierte die Mannschaft postwendend einmal mehr ein viel zu einfaches Gegentor zum 2:2-Ausgleich (65.). Die mangelnde Torgefahr und die oftmals individuellen Abwehrfehler, gepaart mit einigen taktischen Fehlgriffen und dem Umstand, dass sich eigentlich kein einziger Spieler tatsächlich weiterentwickelte, führten letztlich zur nachvollziehbaren Entlassung des Trainers.

Vorstand und Horst Heldt stehen ebenfalls in der Kritik

Doch all diese Probleme sind seit Saisonbeginn zu beobachten und wurden, wenn überhaupt, nur zwischenzeitlich durch einige hoffnungsvolle Ergebnisse in den zahlreichen für Gisdol zu Endspielen ausgerufenen Partien kaschiert. Und so müssen sich der Vorstand und Sport-Geschäftsführer Horst Heldt der Kritik stellen, vielleicht zu spät reagiert und so den drohenden siebten Bundesliga-Abstieg mitverschuldet zu haben.

Ein Plakat mit der Aufschrift "FC spürbar planlos. Vorstand und sportliche Leitung raus!" veranschaulichte am Montag am Geißbockheim die Meinung vieler FC-Fans, die nach Sportschau-Informationen durchaus auch in Vereinsgremien und in der Geschäftsstelle geteilt wird

Funkel dürfte vorbereitet sein

Von alldem muss sich Friedhelm Funkel nun freimachen und wie zuletzt bei Fortuna Düsseldorf eine "Wagenburg" um sich und sein Team aufbauen. Der Rekord-Aufstiegstrainer hat auch im Abstiegskampf der Bundesliga reichlich Erfahrung und bringt mit seinen 67 Jahren die notwendige Ruhe sowie Routine mit.

Funkels Kniffe im Abstiegskampf: "Lockerheit", "Ergebnisse" und "das Quäntchen Glück" Sportschau 12.04.2021 01:40 Min. Verfügbar bis 12.04.2022 Das Erste

Die Probleme des 1. FC Köln wird auch er in den vergangenen Wochen bereits erkannt haben, schließlich war er schon lange der heißeste Kandidat für den nun eingetretenen Fall eines Trainerwechsels. Seine regelmäßigen Corona-Tests, damit er schon am Dienstag das Training als neuer Coach des 1. FC Köln aufnehmen kann, belegen das.

Stand: 12.04.2021, 14:46

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