Favre schafft das Götze-Wunder

Mario Götze beim Torjubel

Die meisten intensiven Läufe und ein wichtiges Tor

Favre schafft das Götze-Wunder

Von Christian Hornung

Lucien Favre hat aus Borussia Dortmund einen Titelkandidaten gemacht und mit dem Sieg gegen Leverkusen gezeigt, dass es auch ohne Marco Reus einen Weg aus der Februar-Krise gibt. Fast schon an ein Wunder grenzt aber, was er bei Mario Götze bewegt hat.

Wichtige Erkenntnisse lieferte das 3:2 gegen Leverkusen dem BVB zuhauf. Ziemlich ungewohnt dürfte vor allem das Gefühl gewesen sein, im eigenen Stadion phasenweise regelrecht an die Wand gespielt zu werden, kaum Ballbesitz und Zugriff in den Zweikämpfen zu haben. Und trotzdem im Spiel zu bleiben, und das nach einem Monat, in dem sich eine Enttäuschung an die andere gereiht hatte: Ausscheiden im DFB-Pokal gegen Werder Bremen, verschenkte Siege in der Liga in Frankfurt, gegen Hoffenheim und in Nürnberg und das bittere 0:3 in der Champions League in Tottenham.

Das Kämpfen gelernt

Einher ging die Ergebniskrise mit dem Formverfall von Paco Alcácer und vor allem mit dem Fehlen des Kapitäns: Ohne den verletzten Marco Reus, der an 30 Prozent aller Dortmunder Tore beteiligt war, ging nicht mehr viel beim BVB. Dass sich diese Erkennis nun nicht in den Köpfen seiner Kollegen verfestigt, ist vielleicht noch wichtiger als die drei Punkte gegen Bayer. Und es ist auch ein Verdienst von Mario Götze, der das wichtige Tor zum 3:1 erzielte und an dem Trainer Lucien Favre absolut Erstaunliches bewirkt hat.

Live-Reportage: Götzes Treffer zum 3:1

Sportschau 24.02.2019 01:05 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 ARD

Nun ist es immer noch nicht so, dass der WM-Held von 2014 so fit und spritzig aussieht wie in seiner Glanzzeit vor fünf Jahren. Aber neben seiner nach wie vor herausragenden Schusstechnik hat er unter Favre das Kämpfen gelernt: Gegen Leverkusen war er mit 85 intensiven Läufen die Nummer eins beim BVB. Dazu bestritt er mit 31 Zweikämpfen die meisten - also auch mehr als jeder seiner Kollegen, die vornehmlich für die Defensive zuständig sind.

Anfangs mehrfach nicht im Kader

Diese Wendung ist umso erstaunlicher, als Götze bei Favre anfangs mehrfach nicht mal im 18er-Kader stand. Es wirkte so, als könne der Trainer mit dem Ex-Nationalspieler schlicht nichts anfangen. Erst über Jokereinsätze wie beim 2:1 gegen Mönchengladbach kurz vor Weihnachten, als Götze als Vorbereiter beider BVB-Tore glänzte, erarbeitete er sich Favres Vertrauen.

Dann brauchte Favre ihn auch als "Müdespieler": Immer öfter nahm der Schweizer den Edeltechniker in die Startelf, um die gegenrischen Deckungsreihen so lange zu beschäftigen, bis deren Konzentration nachließ und die Zeit für die Einwechslung von Alcácer gekommen war - der in der Schlussphase immer wieder die Spiele entschied.

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Gelernt, "nur" Teil des Teams zu sein

Doch auch über diesen Status ist Götze jetzt offenbar hinaus. Vielleicht auch, weil er gelernt hat, sich nicht mehr nur für die ganz besonderen Dinge zuständig zu fühlen, sondern einfach ein wichtiger Teil der Mannschaft zu sein. Räume zuzulaufen, Überzahl zu schaffen, ins Pressing zu gehen und Zweikämpfe zu führen. "Er spürt Fußball", hat ihn Favre inzwischen gelobt. Ein Tor wie sein 3:1 gegen Leverkusen ist dann fast nur noch die Zugabe.

Stand: 24.02.2019, 21:11

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