Darmstadt gegen den BVB - In einer anderen Liga

Analyse der 0:6-Niederlage

Darmstadt gegen den BVB - In einer anderen Liga

Von Marcus Bark

Der SV Darmstadt 98 hat keinerlei Mittel, um die Überlegenheit von Borussia Dortmund einzudämmen. Nach einem System- und Taktikwechsel wird es nur noch schlimmer. Die Analyse.

Florian Jungwirth stoppte Ousmane Dembélé. Das gelang ihm nur selten, aber dieses Mal war der Dortmunder chancenlos. Dembélé hatte sich den Ball am Darmstädter vorbeigefegt und Tempo aufgenommen, als er wegen eines beherzten Griffs ans Trikot abrupt abbremsen musste. Als Benjamin Brand ihm die Gelbe Karte zeigte, blickte Jungwirth den Schiedsrichter an, als wolle er sagen: "Völlig okay, die Karte. Was soll ich denn auch machen?"

Borussia Dortmund ohne Mario Götze, André Schürrle, Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang - auch das reichte, um gegen ein Darmstadt ohne Kapitän Aytac Sulu zu demonstrieren, dass die beiden Mannschaften nur faktisch in einer Liga spielen. "Man verliert nicht gerne 0:6, aber auch das entspricht absolut dem Spielverlauf", gab Darmstadts Trainer Norbert Meier zu. Den "spieltechnischen Fähigkeiten" und der "Schnelligkeit des Gegners" sei seine Mannschaft "in keiner Phase gewachsen" gewesen "ob mit Fünferkette oder mit Viererkette".

Maximal defensiv

In der ersten Halbzeit hatte sich Meier für eine Fünferkette in der hintersten Reihe und einer Viererkette davor entschieden. "Das ist wahrscheinlich das Schwierigste, was es gibt, um es aufzubrechen und zu Torchancen zu kommen", sagte Thomas Tuchel. Warum es dem BVB trotzdem so häufig gelang, führte Dortmunds Trainer gleich mit auf: "Da brauchst du immer eine gute Mischung aus Spielgeschwindigkeit und Geduld, Mut zum eins gegen eins, brauchst Spieler, die das auflösen und Überzahlsituationen schaffen, wo vorher keine waren."

Mit Dembélé auf der linken und dem ebenfalls sehr jungen, sehr schnellen und sehr trickreichen Christian Pulisic hatten die Dortmunder zwei Spieler auf den Flügeln, gegen die es eines sehr guten Plans und einer vorzüglichen Umsetzung bedurft hätte. Der Plan war aufgrund der individuellen Qualitätsunterschiede vom Ansatz her schlüssig, doch stellte sich die doppelte Mauer zu weit hinten auf. "Vielleicht hatten wir zuviel Respekt und hätten früher attackieren müssen", sagte Immanuel Höhn, einer von drei Innenverteidigern. So aber stand selbst der vorgelagerte Sven Schipplock zehn Meter in der eigenen Hälfte und störte dann erst den Aufbau des BVB. Dadurch gelangten die Dortmunder völlig mühelos in die tornahen Räume, in denen sie dann ihre technische Überlegenheit und den frappierenden Geschwindigkeitsvorteil ausspielten.

Etwas mehr Mut, viele Gegentore

Meier stellte zur zweiten Halbzeit sein System und seine Taktik um. In den seltenen Phasen des Ballbesitzes sollte der eingewechselte Roman Bezjak im 4-4-1-1 eine bessere Anbindung von Stürmer Schipplock gewährleisten, gegen den Ball sollte er zusammen mit ihm früher und effizienter die Borussia stören. Doch was hilft ein Plan, wenn Pulisic sich den Ball nimmt, an drei Darmstädtern vorbeisprintet und somit genau die Überzahlsituation herstellt, die Tuchel meinte? So geschehen vor dem 2:0. Als dann mit Peter Niemeyer auch noch ein Spieler des Feldes verwiesen wurde, war den Darmstädtern auch der letzte Rest Glaube genommen worden, gegen den übermächtigen Kontrahenten einigermaßen glimpflich davonzukommen.

Borussia Dortmund machte am Samstag (17.09.16) sehr vieles richtig, der SV Darmstadt 98 einiges falsch. So drückte sich der enorme Leistungsunterschied zwischen den beiden Mannschaften auch deutlich im Ergebnis aus. Von einem Spiel zwischen zwei Mannschaften aus derselben Liga war auch ohne die Treffer nie etwas zu erkennen gewesen.

Fußball · Bundesliga · 3. Spieltag 2016/2017

Samstag, 17.09.2016 | 15.30 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bürki – Passlack, Sokratis, Ginter, Schmelzer (71. Rode) – Weigl – Pulisic, Castro, Guerreiro (63. Kagawa), Dembélé (64. Mor) – Ramos

6
Wappen SV Darmstadt 98

SV Darmstadt 98

M. Esser – Jungwirth, Höhn, Milosevic, Guwara, Holland – Niemeyer, Vrancic (46. Bezjak) – Ben-Hatira (39. Sirigu), Heller – Schipplock (70. A. Colak)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Castro (7.)
  • 2:0 Ramos (48.)
  • 3:0 Pulisic (54.)
  • 4:0 Castro (78.)
  • 5:0 Rode (84.)
  • 6:0 Mor (88.)

Strafen:

  • gelbe Karte Ben-Hatira (1 )
  • gelbrote Karte Niemeyer (57./Wiederholtes Foulspiel)
  • gelbe Karte Milosevic (1 )
  • gelbe Karte Höhn (2 )
  • gelbe Karte Jungwirth (1 )

Zuschauer:

  • 81.360

Schiedsrichter:

  • Benjamin Brand (Gerolzhofen)

Stand der Statistik: Samstag, 17.09.2016, 17:37 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Wappen SV Darmstadt 98

SV Darmstadt 98

Tore 6 0
Schüsse aufs Tor 14 1
Ecken 12 2
Abseits 2 1
gewonnene Zweikämpfe 78 84
verlorene Zweikämpfe 84 78
gewonnene Zweikämpfe 48,15 % 51,85 %
Fouls 8 16
Ballkontakte 914 348
Ballbesitz 72,42 % 27,58 %
Laufdistanz 105,47 km 99,84 km
Sprints 177 126
Fehlpässe 64 62
Passquote 91,28 % 63,53 %
Flanken 14 6
Alter im Durchschnitt 24,1 Jahre 27 Jahre

Stand: 18.09.2016, 08:00

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