Werder Bremen – das gute Gespür der Trainerbank

Analyse zu Bremens Sieg gegen Köln

Werder Bremen – das gute Gespür der Trainerbank

Von Frank Hellmann (Bremen)

Der SV Werder landet mit dem 3:1-Heimsieg einen weiteren Schritt in Richtung Klassenerhalt. Trainer Florian Kohfeldt hat schon 25 Punkte verbucht - die Bremer Aufwärtsentwicklung trägt seine Handschrift. Und seine Personalentscheidungen greifen wie im jüngsten Fall Milot Rashica fast ausnahmslos. Die Analyse.

Milos Veljkovic sah abgekämpft aus, als der Verteidiger des SV Werder über seinen Anteil am 3:1-Erfolg gegen den 1. FC Köln redete – den 1:0-Führungstreffer (33). "Ich freue mich über mein Tor und dass ich dem Team helfen konnte. Die Situation war einstudiert", berichtete der Innenverteidiger.

Der 22-Jährige ist nicht nur unumstrittener Stammspieler an der Weser und trug sich nun als nächster in die Bremer Torschützenliste ein - gelistet sind schon 15 verschiedene Akteure - , sondern wurde auch just in die A-Nationalmannschaft Serbiens berufen. Gut möglich, dass Veljkovic im Sommer bei der WM in Russland seine formidable Entwicklung untermauern darf.

Wertsteigerung des einzelnen und der gesamten Mannschaft

So wie Veljkovic geht es vielen in Bremen: Die Wertsteigerung der Einzelnen geht einher mit der des gesamten Teams. Und die unweigerlich zum Trainer führt: Als Florian Kohfeldt am 3. November 2017 seinen Einstand gab (und unglücklich mit 1:2 bei Eintracht Frankfurt verlor), hatten die Hanseaten fünf Punkte auf dem Konto. Das Team wirkte verunsichert, die Spielweise war bis dahin erbärmlich, die Alternativen im Kader schienen rar.

Keine fünf Monaten später stehen 30 Punkte zu Buche, und die selbstbewusste Mannschaft gewinnt auch nach nicht vollends überzeugenden 90 Minuten wie gegen Köln. Die Verwandlung von einem Abstiegskandidaten zu einem Ensemble, das in dieser Verfassung in die obere Tabellenhälfte gehört, führt zur Trainerbank, von der nicht nur taktisch und personell richtige Entscheidungen kommen, sondern auch eine fußballerische Selbstüberzeugung. Kein Team im Tabellenkeller setzt dermaßen auf die spielerische Komponente wie der SV Werder.

Lob vom Geschäftsführer

"Ich glaube, dass Florian einen sehr großen Anteil hat. Er ist ein sehr guter Trainer“, lobte Geschäftsführer Frank Baumann, der nach der Entlassung von Chefcoach Viktor Skripnik  den damaligen Assistenten ganz bewusst binden wollte - und zunächst über die U23 in der dritten Liga weitere Erfahrungen sammeln ließ. Kohfeldt lernte schnell, übernahm dann von Alexander Nouri die Profis - und kann sich derzeit vor Lobeshymnen kaum retten.

"Der Unterschätzte" nannte das Fachmagazin „Kicker“ gerade den 35-Jährigen, der vieles mitbringt, um mittel- und langfristig in der Bundesliga Erfolg zu haben. Einen klaren Plan, ein gutes Gespür, eine angemessene Rhetorik. Und vor allem eine Portion Demut. "Die Jungs bringen es auf den Platz. Ich freue mich sehr, dass ich ihnen ein paar Leitplanken geben darf, aber das ist alles ihr Verdienst. Ich stehe nicht auf dem Platz", sagte Kohfeldt auf Nachfrage von sportschau.de.

"Einige Dinge deutlich besser machen“

Der Abschlussbeste des Fußballlehrer-Lehrgangs 2015 will keine Einzelinterviews geben, so lange der Klassenerhalt nicht feststeht. "Bei fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist nichts entschieden. Es gibt einige Dinge, die wir deutlich besser machen müssen", gab der Trainer zu bedenken. Und Musterschüler Veljkovic meinte: "Wir dürfen uns nicht zu sicher sein.“

Tatsächlich hatte der Hausherr in dieser Montagspaarung vor allem nach der Pause zeitweise die Orientierung verloren, als Yuha Osako für die mutigeren Rheinländer ausglich (53. Minute). Da fehlte nicht nur der Zugriff, sondern auch der Ballbesitz (Werder nur 43 Prozent). Und der oft dominierende Faktor Max Kruse, der ziemlich glücklos agierte.

Doch wie die Hanseaten schlussendlich auch ohne ihren Schlüsselspieler durch Milot Rashica (58.) und Maximilian Eggestein (90.) den siebten Sieg unter Kohfeldt landeten, wirkte beindruckend. "Köln stand extrem kompakt, aber wir haben sie dann mit unseren Läufen in die Tiefe besiegt“, analysierte Bremens Laufmaschine Eggestein. Der U21-Nationalspieler ist noch so eine hoffnungsvolle Entdeckung, der unter Kohfeldts Anleitung ein höheres Niveau erreicht hat.

Instinktsicherer Chefcoach

Dass der Chefcoach derzeit instinktsicher richtig liegt, wird beinahe zum Bremer Alltag. Zuletzt bei Borussia Mönchengladbach (2:2) wendete sein Joker Aaron Johansson das Blatt, diesmal entschied sich Kohfeldt nicht für Johansson, sondern Winter-Neuzugang Rashica kam. Und der 21-Jährige deutete nicht nur beim wichtigen 2:1 an, warum Werder für ihn im Winter stolze 7,5 Millionen Euro ausgab. Fazit: "Manchmal wird man zu seinem Glück gezwungen.“

Fußball · Bundesliga · 26. Spieltag 2017/2018

Montag, 12.03.2018 | 20.30 Uhr

Wappen Werder Bremen

Werder Bremen

Pavlenka – Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson – Delaney – M. Eggestein, Junuzovic – Rashica (67. Belfodil), F. Kainz (83. Langkamp) – M. Kruse (90.+2 Ro. Bauer)

3
Wappen 1. FC Köln

1. FC Köln

T. Horn – Sörensen (46. S. Özcan), Mere, Heintz – Risse, Koziello, Höger (82. Cordoba), J. Hector – Osako, Pizarro – Terodde (46. Bittencourt)

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Veljkovic (33.)
  • 1:1 Osako (53.)
  • 2:1 Rashica (58.)
  • 3:1 M. Eggestein (90.)

Strafen:

  • gelbe Karte Sörensen (10 )
  • gelbe Karte Heintz (2 )
  • gelbe Karte S. Özcan (4 )

Zuschauer:

  • 41.500

Schiedsrichter:

  • Benjamin Brand (Gerolzhofen)

Stand: Montag, 12.03.2018, 22:26 Uhr

Wappen Werder Bremen

Werder Bremen

Wappen 1. FC Köln

1. FC Köln

Tore 3 1
Schüsse aufs Tor 6 3
Ecken 7 3
Abseits 2 2
gewonnene Zweikämpfe 97 103
verlorene Zweikämpfe 103 97
gewonnene Zweikämpfe 48,5 % 51,5 %
Fouls 14 12
Ballkontakte 565 736
Ballbesitz 43,43 % 56,57 %
Laufdistanz 123,69 km 119,15 km
Sprints 217 195
Fehlpässe 63 81
Passquote 81,79 % 84,06 %
Flanken 5 9
Alter im Durchschnitt 26,5 Jahre 26,4 Jahre

Stand: 13.03.2018, 08:50

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