Effizienz des BVB schafft Vertrauen

Axel Witsel

Analyse des 4:1-Sieges gegen RB Leipzig

Effizienz des BVB schafft Vertrauen

Von Marcus Bark (Dortmund)

Borussia Dortmund macht einiges falsch, gewinnt aber trotzdem deutlich gegen RB Leipzig. Die effiziente Chancenverwertung bringt das Vertrauen, das den Spielern des BVB in der ganz schwachen Anfangsphase fehlte. Die Analyse.

Lucien Favre neigt zu Übertreibungen. Wobei, wenn nicht er, wer dann könnte "Stunden" damit verbringen, anderen Menschen zu erzählen, was seine Fußballmannschaft noch besser machen müsse? Der Trainer von Borussia Dortmund veranschlagte eben jene "Stunden", und es klang so, als seien es sehr viele, um aufzeigen zu können, was es für ihn noch so zu tun gebe, damit der BVB nach seinen Vorstellungen spielt.

In einem Punkt war er am Sonntagabend (26.08.2018) der Perfektion nahe. Von fünf Torschüssen führten vier zu einem Tor. Bei den Leipzigern war es nur einer von sieben, und da manche der Fehlschüsse nur deshalb Fehlschüsse waren, weil Dortmunds Torwart Roman Bürki grandios abwehrte, stand auf der Anzeigetafel ein Ergebnis, das Ralf Rangnick "grotesk" nannte. "Viel besser" als in der ersten Halbzeit, könne seine Mannschaft "in Dortmund gar nicht spielen", sagte Leipzigs Trainer.

Stimmen zum Sieg des BVB gegen Leipzig

Sportschau 27.08.2018 01:51 Min. ARD

Balljagd Rangnickscher Prägung

Rangnick schlug vor, das Ergebnis auszublenden und sich nur an das zu erinnern, was gut gewesen sei. Daher würde sich anbieten, die ersten 20 Minuten zu speichern.

"Leipzig war besser", sagte Favre speziell über diesen Abschnitt, was eher untertrieben war. Der BVB war von ihm in einer 4-3-3-Grundformation aufgestellt worden. Rangnick setzte ein 4-4-2 dagegen. Galt es jedoch, Dortmunds Spielaufbau zu stören, rückte Emil Forsberg aus der Position des offensiven Mittelfeldspielers mit in die vorderste Linie. Aggressiv wurden die beiden Innenverteidiger des BVB und Axel Witsel, der sich als zentraler Mittelfeldspieler in der hintersten Linie am Aufbau beteiligte, gestört. Es war eine Balljagd der Rangnickschen Prägung, die wild aussah, aber fein abgestimmt war.

Favre - "Die Südtribüne ist fantastique"

Sportschau 26.08.2018 02:31 Min. ARD

Favre vermisst schnelle Verlagerung nach außen

Dortmund versuchte, ihr mit kontrolliertem Passspiel zu entgehen, doch der Versuch misslang zunächst. "Wir hätten die Bälle schneller zu den Außenverteidigern und den Flügelspielern passen müssen, denn dort ist es schwieriger für den Gegner zu pressen", kritisierte Favre. Aber die Zeit für ein kontrolliertes Spiel war beim BVB zunächst so knapp bemessen, dass es aufgrund der vielen Fehlpässe wild aussah. Das Mittelfeld mit Witsel, dem weiteren Neuzugang Thomas Delaney und Mahmoud Dahoud, war wegen des enormen Gegnerdrucks auch viel zu weit von den drei Stürmern entfernt, um ein vernünftiges Offensivspiel aufzuziehen.

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Mit dem überraschenden Ausgleich in der 21. Minute baute der BVB langsam das Vertrauen auf, mithalten zu können gegen eine Mannschaft, die schon fünf Pflichtspiele mehr in der Saison bestritten hatte. Zwei Tore nach Standardsituationen sorgten für ein Ergebnis zur Pause, das höhnisch klang. Effizienz in der Chancenverwertung ist allerdings ein Merkmal, das Mannschaften von Lucien Favre seit Jahren auszeichnet.

Kontrolle durch sicheres Passspiel und bessere Positionierung

Rangnick reagierte mit einer Systemumstellung und einem personellen Wechsel auf den deutlichen Rückstand. Er wechselte Timo Werner ein und ließ ihn auf der linken Seite in einem 4-3-3 stürmen. Dort traf er auf Dortmunds Verteidiger Lukasz Piszczek, der in der ersten Halbzeit enorme Probleme hatte, dem Tempo der Leipziger zu folgen, zudem häufig falsch stand. Nach dem Seitenwechsel steigerte sich Piszczek auf ein vernünftiges Niveau. Überzeugend war jedoch vor allem das Mittelfeld, das mit sicherem Passspiel und besserer Positionierung Phasen gewährleistete, in denen die Borussia das Spiel kontrollierte.

Dass die Fans nach dem fünften Torschuss, dem von Marco Reus in der Nachspielzeit, "Spitzenreiter, Spitzenreiter" brüllten, war faktisch richtig, aber in gewisser Weise auch eine maßlose Übertreibung. Lucien Favre könnte das stundenlang erklären.

Fußball · Bundesliga · 1. Spieltag 2018/2019

Sonntag, 26.08.2018 | 18.00 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Schmelzer (87. Guerreiro) – Delaney, Witsel, Dahoud – Pulisic (77. Sancho), Philipp (70. M. Wolf), Reus

4
Wappen RB Leipzig

RB Leipzig

Gulacsi – Klostermann, Konaté, Upamecano, Saracchi – Demme (85. Bruma), Kampl – Sabitzer (46. Werner), Forsberg – Poulsen, Augustin (72. Matheus Cunha)

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Augustin (1.)
  • 1:1 Dahoud (21.)
  • 2:1 Sabitzer (40./Eigentor)
  • 3:1 Witsel (43.)
  • 4:1 Reus (90.+1)

Strafen:

  • gelbe Karte Upamecano (1 )
  • gelbe Karte Saracchi (1 )
  • gelbe Karte Diallo (1 )
  • gelbe Karte Dahoud (1 )

Zuschauer:

  • 80.000

Schiedsrichter:

  • Deniz Aytekin (Oberasbach)

Stand der Statistik: Sonntag, 26.08.2018, 19:55 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Wappen RB Leipzig

RB Leipzig

Tore 4 1
Schüsse aufs Tor 5 7
Ecken 7 9
Abseits 4 4
gewonnene Zweikämpfe 89 118
verlorene Zweikämpfe 118 89
gewonnene Zweikämpfe 43 % 57 %
Fouls 8 11
Ballkontakte 559 606
Ballbesitz 47,98 % 52,02 %
Laufdistanz 118,74 km 115,08 km
Sprints 232 249
Fehlpässe 68 75
Passquote 79,58 % 80,72 %
Flanken 6 15
Alter im Durchschnitt 25,4 Jahre 23,3 Jahre

Stand: 27.08.2018, 08:52

Darstellung: