Bayern-Sieg gegen den BVB - Flicks Meisterstück

FC Bayerns Trainer Hansi Flick gibt Anweisungen

Spitzenspiel in der Bundesliga

Bayern-Sieg gegen den BVB - Flicks Meisterstück

Von Tim Beyer

Seit der Trainer beim FC Bayern München Hansi Flick heißt, gewinnt die Mannschaft fast jedes Spiel - auch das Spitzenspiel in Dortmund. Das liegt auch an Entscheidungen, die Flick getroffen hat.

Auch ganz am Ende eines Tages, der für den FC Bayern München in der Sportschule Kaiserau mit letzten Vorbereitungen auf das Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund begonnen hatte und mit einem 1:0 (1:0)-Erfolg endete, mochte der Trainer Hansi Flick nicht über den Titel sprechen. Es ist eine Art von Zurückhaltung, wie man sie vom deutschen Rekordmeister eher nicht gewohnt ist. Natürlich sei es schön, sagte Flick, dass der Vorsprung auf den BVB nun bereits sieben Punkte betrage. Aber er sei eben "kein Mensch, der zu sehr in die Zukunft blickt."

Noch sind in der Bundesliga sechs Spiele zu spielen, doch nach dem Sieg gegen Dortmund wäre es schon eine wirklich große Überraschung, wenn der Meister nicht aus München käme. Für die Bayern wäre es der achte Titel in Folge, für Flick hingegen der erste als Cheftrainer in der Bundesliga.

Flick, der Aufsteiger: Co-Trainer, Interimstrainer, Cheftrainer

Es wäre die Meistertrainerwerdung eines Mannes, der mal so lange Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw war, dass man ihn sich fast schon gar nicht mehr als Chef hatte vorstellen können.

Flick, 55, hat auch diese Saison als Assistent begonnen, diesmal als der von Niko Kovac, man vergisst das leicht. Doch als Kovac Anfang November nach einem 1:5 bei Eintracht Frankfurt nicht mehr zu halten war, rückte Flick auf. Interimstrainer hieß der Posten und Flick hatte ihn erst für zwei Spiele inne.

Bald hörte man, er dürfe bis Weihnachten bleiben. Heute ist Flick immer noch da, mittlerweile auch mit Cheftrainervertrag. Von 18 Bundesligaspielen hat der FCB in der Flick-Zeit 15 gewonnen und im Schnitt 2,56 Punkte pro Spiel geholt. Es ist die Bilanz eines Meisters.

Flick: "Können über Meisterschaft reden, wenn es sicher ist" Sportschau 26.05.2020 02:01 Min. Verfügbar bis 26.05.2021 Das Erste

Die Abkehr vom Niko-Kovac-Fußball

Begonnen hatte das mit dem Trainer Flick und den Bayern im November, auch da hieß der Gegner Dortmund. Am Ende stand es 4:0, und man bekam schnell eine Ahnung davon, welcher Fußball Flick vorschwebte: kontrolliert und geduldig bei eigenem Ballbesitz, gegen den Ball aber mit einem sehr hohen Pressing. Es war eine Abkehr vom Niko-Kovac-Fußball, von dem sie in München zuletzt nicht mehr überzeugt gewesen waren, dass er zu den Ansprüchen des Klubs passe.

Auch in Personalfragen verfolgt Flick einen ganz anderen Ansatz als sein Vorgänger. Man erkennt das sehr gut an der Entwicklung von drei Spielern: In Alphonso Davies, 19, sah Flick den idealen Linksverteidiger für sein System. Geholt hatten die Bayern den Kanadier eigentlich als Alternative für die offensivere Position davor, doch er kann es auch hinten. Und wie: Wenn Davies sprintet, sehen gestandene Bundesligaspieler neben ihm aus wie Spaziergänger mit Restalkohol. Da verzeihen sie ihm kleinere taktische Mängel gerne.

Thomas Müller ist wieder Thomas Müller

Den Linksverteidiger David Alaba hat Flick stattdessen eine Position in die Mitte verschoben, er ist jetzt linker Innenverteidiger und Abwehrchef der Bayern. Und als solcher spielt der 27 Jahre alte Österreicher eine Art Aufpasser für den jungen Davies: Agiert der zu offensiv und lässt dadurch seine Seite offen, rückt Alaba raus. Seine weiten Diagonalbälle sind zudem ein beliebtes Mittel, um Spielzüge zu initiieren. Und seine Passquote von 92 Prozent ist beeindruckend.

Und Thomas Müller ist wieder Thomas Müller. Flick lässt ihm Freiraum als Freigeist hinter Robert Lewandowski – und Müller dankt es mit Toren und Vorlagen. Kürzlich hat der 30-Jährige, aus der Nationalmannschaft ausgebootet, gar einen Bundesligarekord eingestellt: 17 Torvorlagen nach 27 Spielen, das hatte vor ihm nur Kevin De Bruyne im Trikot des VfL Wolfsburg geschafft.

Es menschelt wieder in München

Natürlich war Müller schon immer ein ganz besonderer Fußballer, nur hat man das selten gesehen, als der Trainer bei den Bayern Kovac hieß. In dieser Zeit büßte Müller an Status ein. Einmal, im Herbst 2019, sagte Kovac: "Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen."

Alaba hat schon unter Pep Guardiola Innenverteidiger gespielt, doch Kovac setzte ihn meist auf der linken Seite ein. Eigentlich, so war es oft zu lesen, wollte Alaba sowieso nirgendwo lieber als im zentralen Mittelfeld spielen. Das darf er auch unter Flick nicht, dafür ist er nun der Abwehrchef. Auch nicht schlecht. "Wie er die Abwehr zusammenhält, ist einfach große Klasse", sagte Flick.

Über Tipps und Spieler, die diese umsetzen

Beinahe auf den Tag genau vor sieben Jahren hat der FC Bayern schon einmal in einem sehr wichtigen Spiel gegen den BVB gewonnen, im Finale der Champions League 2012/13. Fünf Spieler, die damals auf dem Platz standen, kamen auch diesmal zum Einsatz: Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Javi Martínez, Müller, auch Alaba.

Doch die Geschichte des Spiels schrieb nun ein Spieler, der damals gerade sein Abitur gemacht hatte und für die A-Junioren des VfB Stuttgart spielte. Heute ist Joshua Kimmich, 25, ein etablierter Nationalspieler und Führungsspieler bei den Bayern. Lange war Kimmich in München Rechtsverteidiger, auch als er beim DFB schon auf der Sechs spielte. Doch seit Flick die Bayern trainiert, darf Kimmich auch dort im Mittelfeld spielen.

In Dortmund erzielte Kimmich mit einem wunderschönen Heber über den Torhüter Roman Bürki hinweg den Siegtreffer. Später sagte er, ein wenig Glück sei sicher auch dabei gewesen, schließlich habe er in den Spielen zuvor auch einige Male geschossen, nur eben schlecht gezielt. Er habe aber auch auf eine solche Situation spekuliert, sagte Kimmich dann noch. Das Trainerteam habe extra mehrfach darauf hingewiesen, dass Bürki sehr oft "relativ hoch steht." Kein schlechter Tipp, werden sie sich in München denken.

Kimmich: "Wurden darauf hingewiesen, es auszuprobieren"

Sportschau 26.05.2020 02:17 Min. Verfügbar bis 26.05.2021 ARD Von Burkhard Hupe

Stand: 27.05.2020, 07:00

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