Bayerns Interimstrainer Flick - Wer so coacht, darf vorerst bleiben

Hansi Flick

Bundesliga, 11. Spieltag

Bayerns Interimstrainer Flick - Wer so coacht, darf vorerst bleiben

Von Tim Beyer

Interimstrainer Hansi Flick hat beim FC Bayern München Kleinigkeiten an der Taktik verändert und Thomas Müller zu einem Comeback als "Raumdeuter" verholfen. Der Lohn: Flick soll die Bayern vorerst weiter trainieren.

Als Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern, wenige Minuten nach dem überzeugenden 4:0 (1:0) gegen Borussia Dortmund zu den anwesenden Medienvertretern sprach, hatte er Neuigkeiten zu verkünden, die eigentlich gar keine mehr waren. "Wir machen bis auf Weiteres mit Hansi weiter, er hat das jetzt gut gemacht und er hat unser Vertrauen", sagte Rummenigge. Der Hansi, das war natürlich Interimstrainer Hans-Dieter Flick, der vor einer Woche noch Co-Trainer von Niko Kovac gewesen war, ehe die Bayern ihn zum Interimstrainer für ursprünglich zwei Spiele befördert hatten.

Balsam für die bayrische Seele

Weil nun aber diese beiden souveränen Siege gegen Piräus und Dortmund nach den letzten Kovac-Wochen eine Wohltat für die bayrische Seele im Allgemeinen und womöglich für die des Vorstandschefs Rummenigge im Speziellen waren, war das wirklich nicht mehr überraschend: dass der Interimstrainer Flick noch länger als solcher tätig sein soll.

Zumal die Bayern ja bei der Suche nach einem namhaften Trainer bislang nur Absagen kassiert hatten: Thomas Tuchel und Erik ten Hag hatten verlauten lassen, zumindest bis Saisonende bei ihren Vereinen PSG und Ajax bleiben zu wollen. Auch Ralf Rangnick ließ über seine Berater mitteilen, er stünde gerade nicht zur Verfügung. Und dann war da noch die Geschichte mit Arsène Wenger, bei der gerade zwei Versionen davon existieren, wer hier eigentlich wen angerufen und wer dann wem abgesagt hat. Inzwischen hat Rummenigge eingeräumt, dass das mit Wenger irgendwie nicht glücklich gelaufen ist. Er sagte: "Ich glaube, wir haben uns gegenseitig missverstanden, das tut mir leid. Wir werden sicher in nicht allzu ferner Zukunft telefonieren und die Dinge ausräumen, ich habe kein Interesse, mit ihm Stress zu haben."

Überrascht war nur der Hansi

Jedenfalls hatte man schon damit rechnen können, dass die Bayern das eigentlich schon ganz gerne hätten, wenn Flick die Mannschaft auch nach der Länderspielepause trainieren würde. Nur der Hansi, der war dann offensichtlich trotzdem ziemlich überrascht, als ihn ein Reporter auf die Aussage von Rummenigge ansprach."Ich weiß nicht, was er gesagt hat, da war ich nicht dabei. Für mich ist es so, und daran hat sich nichts geändert, dass diese zwei Spiele die Aufgabe waren. Ich habe das genossen, mit der Mannschaft arbeiten zu können auch in der Funktion", sagte Flick.

Und dann sagte er noch zwei Sätze, die so wahrscheinlich nur einer sagen kann, von dem es heißt, er sei so uneitel wie kaum ein anderer in diesem Geschäft: "Ich habe einen Arbeitsvertag als Assistenztrainer beim FC Bayern München, der geht bis 2021. Was soll ich mir Gedanken machen, ich bin vollkommen relaxed."

Die neue Kompaktheit des FCB

Gedanken hat sich Hansi Flick natürlich trotzdem gemacht, als er vor gerade einmal sechs Tagen Interimstrainer der Bayern wurde. Es waren ganz offensichtlich einige kluge darunter, man hat das gerade gegen Dortmund beobachten können. Da wäre zunächst die taktische Marschroute: Flick lässt Fußball spielen, wie man ihn auch als Trainer des deutschen Rekordmeisters spielen lassen kann, wenn man im vergangenen Bundesligaspiel 1:5 gegen Eintracht Frankfurt verloren hat.

Bayerns Müller: "Wir haben Dortmund keine Luft zum Atmen gelassen"

Sportschau 09.11.2019 02:21 Min. Verfügbar bis 09.11.2020 ARD Von BR-Reporter Philipp Nagel

Die Außenverteidiger standen tiefer als zuletzt, das Mittelfeld mit den Sechsern Joshua Kimmich und Leon Goretzka war kompakter. Weil die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen geringer waren, klappte auch das Offensivpressing besser. Die Bayern erspielten sich gegen den BVB Chance um Chance, sie hätten noch mehr als vier Tore erzielen können.

Die Rückkehr des "Raumdeuters"

Flick hat aber nicht nur die Taktik angepasst, er hat auch bei der Auswahl des Personals richtig gelegen. Er hat dem jungen Alphonso Davies, der ja ursprünglich mal als offensiver Flügelspieler verpflichtet worden war, als Linksverteidiger das Vertrauen ausgesprochen. Gegen den BVB sah man Flick manchmal, wie er Davies zu sich rief und ihm taktische Anweisungen erteilte. Und das sollte sich auszahlen: Gegenspieler Jadon Sancho wurde in der 35. Minute ausgewechselt, Davies hingegen gewann beinahe 74 Prozent seiner Zweikämpfe und er unterstützte Kingsley Coman in der Offensive immer wieder klug.

Der Interims-Coach hat aber auch Thomas Müller, dessen Stärken eher im Zentrum als auf dem rechten Flügel liegen, in die Zentrale verschoben. "Thomas ist auf dem Platz einer, der eine Mannschaft führen kann, der ein taktisches Verständnis hat, der schlitzohrig ist. Er ist einfach ein Spieler, den man nicht so greifen kann", hat Flick kürzlich gesagt. Und vielleicht wird man diese Wiederentdeckung des "Raumdeuters" Müller irgendwann einmal als besonders cleveren Schachzug von Flick in Erinnerung behalten. Denn Müller, der unter Kovac nur noch eine Nebenrolle gespielt hatte, feiert gerade eine Art Comeback. Gegen den BVB tauchte Müller mal hier und dann wieder dort auf, und zwei Tore legte er auch noch auf.

Flick sammelt fleißig Pluspunkte

Natürlich haben sie diese Entwicklung beim FC Bayern mit Wohlwollen verfolgt: Wie der Interimstrainer Flick es in wenigen Tagen geschafft hat, der Mannschaft eine veränderte taktische Handschrift zu verpassen, die ganz offensichtlich auch bei den Spielern ankommt. Man könnte auch sagen: Wer so coacht wie Flick, der darf das vorerst gerne weiter tun.

Stand: 10.11.2019, 06:00

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