BVB gerät in München außer Kontrolle

Dortmunds Spieler blicken niedergeschlagen auf den Platz

Analayse der 0:5-Niederlage im Topspiel beim FC Bayern

BVB gerät in München außer Kontrolle

Von Marcus Bark (München)

Borussia Dortmund gerät beim 0:5 in München außer Kontrolle. Der Plan geht schief, weil sämtliche Voraussetzungen fehlten, um ihn umzusetzen. Die Analyse.

In den Fußballregeln fehlt der Absatz, der es wie im Boxen erlaubt, das Handtuch zu werfen. Daher musste auch die Mannschaft des BVB nochmal auf den Rasen. Die zweite Halbzeit war für sie und den Gegner so etwas wie die Abkühlphase auf einem Fahrrad im Fitnessstudio.

Nur dass der FC Bayern ein Buch las, ein paar Scherze machte, zum Schluss die Wattzahl nochmal ein bisschen erhöhte, um dann singend unter die Dusche zu verschwinden. Beim BVB hingegen drückten die Schuhe auf die Blasen an den Füßen, die Hose war durchgescheuert, der Kopf brummte. Es war eine Qual, nur mit deutlich geringerer Belastung als in der ersten Halbzeit.

Nur eine Halbzeit lang ein Spiel

Die Analyse des vermeintlichen Topspiels der Bundesliga kann sich auf die ersten 45 Minuten beschränken. "Wir haben heute alles vermissen lassen, was eine Spitzenmannschaft ausmacht", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, ohne auch nur den leisesten Widerspruch zu erwarten. Marco Reus sprach ebenfalls schonungslos an, was dem BVB ein Debakel einbrachte: "Wir standen zu weit auseinander und haben die Räume nicht gut verteidigt. Dann kriegen wir nach einer Standardsituation mal wieder ein Gegentor und machen dann mal wieder einen individuellen Fehler." Der Kapitän der Borussia riet: "Wir brauchen uns nicht mehr über die Meisterschaft unterhalten, wenn wir so auftreten."

Reus: "Großer Rückschlag, weil es auch psychologisch sehr weh tut"

Sportschau 06.04.2019 01:31 Min. ARD

Der Plan, so merkte Reus an, sei in der Theorie allerdings gut gewesen. Trainer Lucien Favre hatte seinen in dieser Saison besten Spieler im Zentrum eines gewollten 4-3-3-Systems (das sich meistens als 4-2-3-1 darstellte) in den Angriff gestellt. Mit höchstem Tempo sollte Reus aus dieser Position hinter die Münchner Viererkette starten, um dort einen Pass zu erhalten.

Genau eine gute Aktion

Genau ein Mal im Spiel ging das Rezept auf. Mahmoud Dahoud vergab nach einem Rückpass von Reus jedoch die Chance zur frühen Führung. Dahoud war überraschend in die Mannschaft gekommen, Mario Götze saß überraschend auf der Bank. Die personellen Überlegungen in der Offensive gingen schief. "Als Trainer trägst du immer die Schuld, wenn es schief geht", klagte Favre sein Leid. Zorc sprang ihm allerdings schnell zur Seite:  "Wer das Spiel an der Formation oder Aufstellung ausmacht, der hat keine Ahnung vom Fußball."

Ihren Anteil an der teils desolaten Vorstellung hatte die personelle Auswahl schon, denn Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek war nach etwa zwei Monate langer Verletzungspause noch nicht wieder bereit, einen so schnellen und fintenreichen Flügelspieler wie Kingsley Coman zu kontrollieren.

"Jeder weiß, dass ich da nicht spielen möchte"

Reus sagte selbst, dass er lieber in einer Position hinter dem Angreifer mehr ins Spiel eingebunden worden wäre: "Jeder weiß, dass es nicht meine Lieblingsposition ist, dass ich da nicht spielen möchte. Aber das soll keine Ausrede sein." Allgemein kritisierte der Kapitän: "Wir haben die Bayern im 4-3-3 erwartet, sie haben dann 4-2-3-1 gespielt, was eigentlich kein Problem ist. Aber unsere Mannschaftsteile waren zu weit auseinander. So konnten wir keinen Druck ausüben."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Ein Pressing weiter vorne, das angeblich geplant war, zeigte sich beim BVB nichtmal in Ansätzen. Die Dortmunder zogen sich zurück, hofften auf Balleroberungen und gelungene Steilpässe. Doch es fehlten Aggressivität und Timing im Zweikampf, Ruhe am Ball, Durchsetzungsvermögen. Eklatant waren die Schwächen im Defensivverhalten bei Standardsituationen des Gegners.

Ernüchternd wie ehrlich

Das Fazit von Marco Reus war für den BVB so ernüchternd wie ehrlich: "Wir reden zwar immer wieder davon, dass wir konkurrenzfähig sein wollen. Aber dieses  Spiel hat gezeigt, dass wir noch sehr weit weg von den Bayern sind."

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 07.04.2019, 18 Uhr

Fußball · Bundesliga · 28. Spieltag 2018/2019

Samstag, 06.04.2019 | 18.30 Uhr

Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Kimmich, Süle, Hummels, Alaba – Javi Martinez (77. Goretzka), Thiago – Gnabry, Müller (80. Sanches), Coman (68. F. Ribéry) – Lewandowski

5
Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bürki – Piszczek (69. M. Wolf), Akanji, Zagadou (46. Weigl), Diallo – Witsel, Delaney – Sancho, Dahoud (62. M. Götze), Bruun Larsen – Reus

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Hummels (10.)
  • 2:0 Lewandowski (17.)
  • 3:0 Javi Martinez (41.)
  • 4:0 Gnabry (43.)
  • 5:0 Lewandowski (89.)

Strafen:

  • gelbe Karte Zagadou (4 )
  • gelbe Karte Delaney (6 )
  • gelbe Karte Lewandowski (2 )

Zuschauer:

  • 75.000

Schiedsrichter:

  • Manuel Gräfe (Berlin)

Stand: Samstag, 06.04.2019, 20:22 Uhr

Wappen Bayern München

Bayern München

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Tore 4 0
Schüsse aufs Tor 8 1
Ecken 11 1
Abseits 1 2
gewonnene Zweikämpfe 99 83
verlorene Zweikämpfe 83 99
gewonnene Zweikämpfe 54,4 % 45,6 %
Fouls 9 12
Ballkontakte 723 540
Ballbesitz 57,24 % 42,76 %
Laufdistanz 109,19 km 108,58 km
Sprints 194 201
Fehlpässe 61 53
Passquote 88,97 % 85,83 %
Flanken 10 3
Alter im Durchschnitt 27,5 Jahre 25,2 Jahre

Stand: 07.04.2019, 09:30

Darstellung: