Analyse - Heckings Taktik-Trick mit Stindl

Lars Stindl

Bayern-Trainer Niko Kovac hat keinen Plan B

Analyse - Heckings Taktik-Trick mit Stindl

Von Christian Hornung (München)

Leblose, lauffaule und lethargische Bayern sind in der Bundesliga in die Krise gestürzt. Auch deshalb, weil Trainer Niko Kovac auf einen simplen Taktik-Trick von Dieter Hecking mit Lars Stindl keine Antwort fand - die Analyse.

"Es ist schön, dass wir Lars als unseren Kapitän wieder bei der Mannschaft haben. Er soll sich langsam rantasten. Aber so richtig fängt seine Saison erst nach der Länderspielpause an." Das war einer der Bluffs, die Hecking am vergangenen Donnerstag (04.10.2018) den Medienschaffenden bei der Pressekonferenz erzählte.

 "Eher auf der Achterposition"

Der andere war die Antwort auf die Frage nach Stindls Position im neuen System: Denn die hängende Spitze, die er vor fünf Monaten bis zu seinem Syndesmosebandriss gegeben hatte, gibt es im 4-3-3 nun nicht mehr. Hecking sagte: "Ich sehe Lars jetzt eher auf einer der beiden Achterpositionen."

Nichts davon stimmte. Stindl stand völlig überraschend in der Startelf. Und dann lief er als Mittelstürmer auf, dafür rückte der vorher im Zentrum so treffsichere Alassane Plea auf die linke Seite. Damit kam Kovac offenbar nicht klar, er dürfte kaum damit gerechnet haben und fand keinen Plan B. Die beiden ersten Tore beim 0:3 am Samstagabend gingen von Stindl aus: Vor Pleas 1:0 eroberte der Nationalspieler den Ball von Niklas Süle, den zweiten Treffer erzielte Stindl selbst.

 Sieben Kilometer weniger gelaufen

Aber wirklich besorgniserregend aus Bayern-Sicht waren in diesem Duell noch zahlreiche andere Faktoren. In einer Situation, in der nach drei Pflichtspielen ohne Sieg zumindest mal bedingungsloser Einsatz gefragt ist, lief der FC Bayern 7,1 Kilometer weniger als der Gegner.

Schlimm waren aber auch das Tempo, in dem die nicht ballführenden Spieler agierten - das Freilaufverhalten war fast über die gesamten 90 Minuten katastrophal. Wie das einige der FCB-Spieler selbst nervte, zeigten die Reaktionen: In der 8. Minute suchte Mats Hummels vorne vergeblich nach einem Adressaten für seinen Pass - und schimpfte wütend in Richtung Offensivkollegen. Auch als Thomas Müller kurz danach aus 20 Metern weit über das Tor schoss, statt Robert Lewandowski in den Fuß zu spielen, drehte sich Pole theatralisch weg und ruderte mit beiden Armen.

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Sportschau | 06.10.2018 | 01:27 Min.

 Konzeptloses Pressing

Auch das Pressing der Bayern offenbarte kein Konzept. Nach einer halben Stunde wollte Lewandowski mal ganz vorne angreifen - doch keiner war mitgelaufen, hinter dem Stürmer klaffte eine Lücke von rund 30 Metern. Dieses fast schon bemitleidenswert wirkende Ein-Mann-Anlaufen konnten die passsicheren Gladbacher natürlich mühelos umspielen. Aber auch als die Gäste sich im zweiten Durchgang eigentlich zu weit zurückzogen, fiel dem Rekordmeister bis auf Einzelaktionen von Serge Gnabry und dem eingewechselten Franck Ribéry kaum etwas ein: Die Mannschaft arbeitete nicht genug zusammen, um klare Chancen zu kreieren.

Wenig verheißungsvoll klang auch das, was Kovac an Erklärungen für die höchste Heimniederlage gegen Gladbach in der Liga-Historie einfiel. Das Bemühen sei da gewesen, aber mit dem Doppeln und Trippeln auf den Außenbahnen sei man einfach nicht klargekommen. Das Los eines Bayern-Trainers in der bevorstehenden Länderspielpause ist auch kein einfaches: Er hat kaum Spieler da, mit denen er an seiner Spielidee, an seinen Plan arbeiten kann. Wenn er denn einen hat.

Stand: 06.10.2018, 22:28

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