FC Bayern und der etwas andere Kraftakt

Kingsley Coman (r.) im Duell mit Daley Sinkgraven

Analyse zu Bayer Leverkusen - Bayern München

FC Bayern und der etwas andere Kraftakt

Von Marcus Bark (Leverkusen)

Der FC Bayern beendet das Jahr 2020 auf dem ersten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga. Das ist passend und standesgemäß. Mit dem letzten Schuss gewannen die Münchner am Samstag (19.12.2020) das Spiel in Leverkusen.

Vier Tage vorher hatten sie auch 2:1 gewonnen, auch nach einem 0:1-Rückstand, auch gegen den VfL Wolfsburg erzielte Robert Lewandowski beide Treffer.

Das hört sich nach einem Kraftakt an, und es war auch einer, allerdings mehr vom Gegner. Die Leverkusener sorgten mit einem beeindruckenden Start dafür, dass sie nach dem Spiel das Gefühl hatten, um einen verdienten Punkt gebracht worden zu sein. Letztlich war es aber vor allem der famose Beginn, der die Leverkusener zu einem verdienten Verlierer machte.

"Wir haben versucht, Bayern hoch unter Druck zu setzen, damit sie nicht ins Spiel kommen. Wir sind eins gegen eins angelaufen. In den ersten 30 Minuten hat das sehr gut geklappt", beschrieb Leverkusens Trainer Peter Bosz das erste Drittel des Spiel, und jeder neutrale Beobachter wird ihm beipflichten.

Bayern mit niedriger Passquote

Bosz stellte seine Mannschaft in einer 4-3-3-Formation auf, in der Leon Bailey auf der rechten Seite meistens den Flügel hielt, während Moussa Diaby von der linken Seite mehr ins Zentrum zog. So verschob sich auch das Spiel zunächst auf die rechte Angriffsseite der Leverkusener. Ihr Ziel war es, die schnellen Stürmer hinter der Viererkette der Bayern freizuspielen, die bei Ballbesitz gewohnt hoch nahe der Mittellinie stand. Das gelang in der ersten Halbzeit einige Mal, auch direkt vor dem Eckstoß, der zum 1:0 durch den Volleyschuss von Patrik Schick führte.

Flick über Sané-Auswechslung: "Der Einzelne muss zurückstehen"

Sportschau 19.12.2020 01:10 Min. Verfügbar bis 19.12.2021 ARD


Das aggressive und mannorientierte Pressing in der ersten halben Stunde bereitete den Bayern enorme Schwierigkeiten. Ihre Passquote lag zeitweise deutlich unter 80 Prozent, das ist bemerkenswert wenig für die Münchner. Torwart Manuel Neuer schlug zudem viele weite Pässe, weil das Risiko des Herausspielens zu groß war oder sämtliche Glieder der Viererkette wie auch die "Sechster" Corentin Tolisso und David Alaba zugestellt waren. Der Lohn für die Herangehensweise und die Umsetzung war eine verdiente Führung, der Preis allerdings ein hoher.

"Das kostet natürlich sehr viel Kraft und Energie", sagte Bosz über das Pressing zu Beginn des Spiels. Kraft, die dann in der zweiten Hälfte fehlte. Nur einen ihrer sieben Torschüsse gaben die Leverkusener in der zweiten Halbzeit ab.

Passende Wechsel

Münchens Trainer Hansi Flick sorgte mit zwei passenden Wechseln in der 68. Minute dafür, dass die Bayern immer überlegener wurden. Mit Joshua Kimmich brachte er einen extrem ballsicheren Spieler, der sich dem nun schwächer werdenden Pressing leicht entzog und das Kombinationsspiel mit flachen Pässe belebte. Zudem sorgte er auch dafür, dass das Pressing der Münchner effizienter wurde. Der Nationalspieler war dann auch zur Stelle, um in der Nachspielzeit den Fehler von Jonathan Tah auszunutzen und Lewandowski den Ball für das zweite Tor aufzulegen.

Jamal Musiala, der zusammen mit Kimmich aufs Feld gekommen war und den schludrigen Leroy Sanè ersetzte, hatte zuvor schon den Pfosten getroffen.

Aufgrund des Zeitpunkts von Lewandowskis zweitem Treffer erschien der Münchner ein bisschen glücklich, er war allerdings folgerichtig. Leverkusen trug wesentlich zu einem attraktiven Bundesligaspiel bei, verlor aber durch haarsträubende Fehler vor den Toren der Bayern und eine deutlich schwächere zweite Halbzeit. Vielen Pässen fehlte die Präzision, Seitenverlagerungen gab es nur noch selten, Störaktionen schon vor der Ballannahme des Gegners kaum noch. Die Müdigkeit schlug durch, die Bayern hatten sie ein weiteres und nun letztes Mal in diesem Jahr verdrängen können.

Fußball · Bundesliga · 13. Spieltag 2020/2021

Samstag, 19.12.2020 | 18.30 Uhr

Wappen Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen

Hradecky – Dragovic, Tah, Tapsoba, Sinkgraven – Baumgartlinger – Amiri, Wirtz – Bailey (74. Demirbay), Schick (82. Alario), Diaby

1
Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Süle, Boateng, Lucas Hernández, Davies – Tolisso (68. Kimmich), Alaba – Coman (32. L. Sané / 68. Musiala), Müller, Gnabry – Lewandowski

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Schick (14.)
  • 1:1 Lewandowski (43.)
  • 1:2 Lewandowski (90.+3)

Strafen:

  • gelbe Karte Gnabry (4 )
  • gelbe Karte Bailey (2 )

Schiedsrichter:

  • Felix Zwayer (Berlin)

Vorkommnisse:

  • Das Spiel fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Stand der Statistik: Samstag, 19.12.2020, 20:27 Uhr

Wappen Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen

Wappen Bayern München

Bayern München

Tore 1 2
Schüsse aufs Tor 3 3
Ecken 5 7
Abseits 5 2
gewonnene Zweikämpfe 94 92
verlorene Zweikämpfe 92 94
gewonnene Zweikämpfe 50,54 % 49,46 %
Fouls 11 6
Ballkontakte 704 674
Ballbesitz 51,09 % 48,91 %
Laufdistanz 122,55 km 121,89 km
Sprints 281 284
Fehlpässe 94 102
Passquote 80,82 % 77,43 %
Flanken 12 9
Alter im Durchschnitt 25,6 Jahre 26,7 Jahre

Stand: 20.12.2020, 08:00

Darstellung: