Bundesliga-Abstiegskampf

Hertha gegen Köln - Lazarett trifft auf die Schlossherren

Von Olaf Jansen

Um die letzten Kräfte zu mobilisieren, ist der 1. FC Köln in der Bundesliga-Quarantäne in ein Schlosshotel gezogen. Ob das edle Ambiente hilft, den lebensnotwendigen Dreier bei der ersatzgeschwächten Hertha einzufahren?

Diejenigen Mitarbeiter des Schlosshotels Bensberg, die schon länger dabei sind, kennen sich aus mit Fußballern. 2006 war es, während der WM in Deutschland, als Südkoreas Nationalmannschaft ihr Quartier in Kölns Umland bezog. Damals musste sich das Hotelpersonal im Trösten üben, denn die Gäste aus Asien waren wenig erfolgreich und schieden nach der Vorrunde aus.

Für Köln gilt: Ein Sieg muss her!

Beim 1. FC Köln hoffen sie, dass ihnen die edle Fünfsterne-Herberge mehr Glück bringen mag. Denn für den FC geht's in diesen Tagen quasi um alles. Nach einer weitgehend verkorksten Saison stehen zwei Kellerduelle an, in denen die Kölner den Kopf noch irgendwie aus der Abstiegsschlinge ziehen wollen. Bevor es dabei am letzten Spieltag gegen den bereits als Absteiger feststehenden FC Schalke 04 geht, reist das Team von Interimstrainer Friedhelm Funkel am Samstag (15.05.2021) nach Berlin zur Hertha.

Die Ausgangslage für den FC ist dabei klar: Ein Sieg muss her! Nur mit einem Dreier und dann 32 Zählern auf dem Konto dürften die Chancen auch am letzten Spieltag noch irgendwie intakt sein. Schlimmstenfalls droht den Kölnern sogar schon an diesem Samstag der Katastrophenfall: Verliert das Team in Berlin und gewinnen parallel dazu Bielefeld und Bremen, stünde der Abstieg schon vorzeitig fest.

Köln - Hector und Andersson fraglich

Aber klar: In diese Richtung denken sie in Köln nicht - zumindest sprechen sie nicht darüber. Coach Funkel übt sich lieber darin, seine Mannschaft stark zu reden. Nach der Ankunft im Schloss am Mittwoch betonte er, sein Team sei "fokussiert" und glaube "fest an den Klassenerhalt". Was soll er auch anderes sagen?

Funkel: "Anspannung wird jede Stunde größer" Sportschau 13.05.2021 00:38 Min. Verfügbar bis 13.05.2022 Das Erste

Die personelle Situation bei den Könern ist gar nicht schlecht. Zwar wackeln die Einsätze von Stürmer Sebastian Andersson (Kniebeschwerden) und Jonas Hector (Risswunde am Bein) - ansonsten ist aber alles an Bord. Der Kader ist sogar so groß, dass Funkel Winter-Zugang Emmanuel Dennis noch nicht einmal mit in den Kader nahm. Der Nigerianer, der im Winter vom FC Brügge kam, dürfte damit als ein weiteres Missverständnis in die Kölner Personalpolitik eingehen.

Hertha gehen die Spieler aus

Das Personal spielt auch bei Gegner Hertha BSC in diesen Tagen eine außerordentlich wichtige Rolle. Weil: Die Berliner haben kaum noch welches. Zumindest in der Offensive nicht. Nach Jhon Cordoba und Matheus Cunha fällt nun auch noch Ersatz-Stürmer Krzysztof Piatek aus, der sich im Spiel auf Schalke eine Sprunggelenks-Fraktur zugezogen hat. Und da sich im gleichen Spiel Dodi Lukebakio auch noch eine Gelb-Rot-Sperre einhandelte, gehen die Berliner vorn nun auf dem Zahnfleisch.

Nur gut aus ihrer Sicht, dass sie mit dem mühsamen 2:1-Sieg im Nachholspiel "auf Schalke" unter der Woche drei eminent wichtige Zähler eingefahren haben, die im Abstiegskampf schon so etwas wie ein Befreiungsschlag bedeuteten. Denn mit nunmehr 34 Punkten schoben sich die Berliner sogar am FC Augsburg vorbei und haben zwei Spiele vor Schluss drei Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Gelingt auch - trotz Personalmangels - gegen den 1. FC Köln ein Sieg, ist die Hertha endgültig durch.

Viel Lob für Dardai

Acht Punkte hat die Hertha aus den jüngsten vier Spielen in den vergangenen zehn Tagen geholt - entsprechend wird im Umfeld Trainer Pal Dardai schon als Retter gefeiert. Und hat sich den Respekt der Konkurenz verdient. FC-Trainer Funkel beispielsweise lobt vor dem direkten Duell die Flexibilität des gegnerischen Trainers. Dardai habe den großen Kader gut genutzt, die Aufgabe für die Gegner damit möglicherweise sogar noch verkompliziert: "Man kann aus den Spielen keine großartigen Schlüsse ziehen, weil er ständig System und Personal gewechselt hat."