Schalke-Initiative gibt sich zu erkennen

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Schalke 04

Schalke-Initiative gibt sich zu erkennen

Von Jan Wochner und Jörg Strohschein

Die bislang mysteriöse Schalke-Initiative gibt sich zu erkennen und versucht, mit dem Klub einen Konsens zu finden. Allen voran geht es um die Verpflichtung von Ralf Rangnick - und ein bisschen Macht im Aufsichtsrat.

Das Mysterium ist enthüllt. Die Initiative, "FC Schalke 04 - Tradition und Zukunft", die dem schwer angeschlagenen Ruhrgebietsklub aus seiner Not helfen will, besteht bislang aus 16 Menschen, denen Finanzexperte Frank Haberzettel und Uli Praetzel, SPD-Politiker und Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft Lippeverband, am Mittwoch (17.03.2021) ein Gesicht gegeben haben.

Ingo Anderbrügge ist auch dabei

Bis zum Mittwochmittag erschien diese Gruppe wie eine Untergrundorganisation, von der niemand so recht wusste, welche Absichten sie verfolgt, und was sie mit dem Klub anstellen will. Ex-Spieler wie Ingo Anderbrügge, langjährige Vereinsmitarbeiter wie Bodo Menze oder Sponsoren wie Harfid Hadrovic haben sich zusammengetan, "um diesem Klub zu helfen", wie Anderbrügge betont.

Machtkampf auf Schalke - Interessensgruppe geht auf Vereinsgremien zu

Sportschau 17.03.2021 01:38 Min. Verfügbar bis 17.03.2022 ARD


"Wir wollen einfach nicht zusehen, wie der Verein vor die Hunde geht“, sagt Haberzettel. Es ist eine große Portion Idealismus im Spiel, aber natürlich geht es auch um Macht. Drei Personen der Initiative wollen in den Aufsichtsrat. Die Namen bleiben aber noch geheim, "weil es ein ungeschriebenes Gesetz des Vereins ist, dass man vor der Wahl keinen Wahlkampf betreiben darf. Daran halten wir uns", so Haberzettel. Die Mitgliederversammlung mit Neuwahlen von fünf Aufsichtsräten ist für den 13. Juni terminiert.

Installation von Ralf Rangnick ist vorrangig

Der aktuell vorrangigste Wunsch der Initiative ist die Installation von Ralf Rangnick als Sportvorstand. Damit war sie am vergangenen Freitag in die Öffentlichkeit getreten, wohl auch, weil sie fürchtete, dass der amtierende Aufsichtsrat sich für einen anderen Kandidaten entscheiden könnte.

Ralf Rangnick

Ralf Rangnick will Schalke 04 auch mit kleinem Budget helfen.

Den Kontakt hatten Mitglieder der Initiative hergestellt und auch schon Gespräche über die Rahmenbedingungen geführt. Mittlerweile ist rund um Schalke eine Art Bewegung um die Personalie Rangnick entstanden. Mehr als 50.000 Menschen haben sich einer Petition angeschlossen, die sich für die Verpflichtung des Fußballlehrers ausspricht.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Buchta hatte der Initiative nach einem Treffen im Januar keine Beachtung mehr geschenkt, war nach deren öffentlichem Vorstoß sogar entsetzt über die Vorgehensweise und sprach von vereinsschädigendem Verhalten. Mittlerweile scheint der Druck so groß geworden zu sein, dass nun ein Treffen in einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei stattfindet. Zuvor hatte Buchta auch schon Kontakt zu Rangnick aufgenommen.

Gespräch mit Rangnick im Laufe der Woche

Allerdings drängt auch die Zeit. Während sich die meisten Klubs mitten in den Planungen für die neue Saison befinden, suchen die Schalker noch denjenigen, der dieses wichtige Thema angehen soll. "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Ralf Rangnick große Lust darauf hat. Es ist für ihn nicht nur ein Job", sagte Praetzl. Rangnick selbst äußert sich derzeit nicht. Bis zum Wochenende soll es zu einem Gespräch zwischen Rangnick und den Schalkern kommen.

Die Initiative will Rangnick garantieren, dass Schalke in der kommenden Saison über einen gehobenen Etat in der 2. Bundesliga verfügen wird - circa zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Ohne die aktuellen Zahlen des mit rund 240 Millionen Euro verschuldeten Klubs zu kennen, wollen die Sponsoren der Initiative diesen Betrag ermöglichen. Mehr als Botschaften konnte die Initiative allerdings nicht aussenden - sie muss noch darauf setzen, dass der Klub sich auf die Vorschläge einlässt. Sollte dies nicht so sein, dann "werden wir aber auch nicht weinen", sagte Praetzel - und einfach mit anderen Themen weitermachen.

Tönnies gehört nicht zur Gruppe

In Schalkes Anhängerschaft wurde in diesen Tagen aber auch einige misstrauische Töne laut. Nicht wenige vermuten hinter der Initiative den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, den ein großer Teil der Fans ablehnt. Tönnies hatte im vergangenen Sommer seinen Rücktritt nach mehr als zwei Jahrzehnten in führender Position auf Schalke erklärt. Sein Netzwerk rund um und in den Verein ist aber nach wie vor sehr groß. "Er ist nicht Teil unserer Gruppe. Deutlicher kann man es nicht sagen", betonte Praetzl.

Tönnies hatte vor wenigen Monaten dem Verein Finanzhilfe angeboten, Schalke aber lehnte ab. Schon damals fürchteten Fans eine Rückkehr des milliardenschweren Fleisch-Industriellen. Viele der Mitglieder der neuen Initiative kennen Tönnies lange, allerdings ist das auf Schalke nichts Ungewöhnliches. Auf Nachfrage der Sportschau erklärte auch Tönnies, er gehöre der Initiative nicht an und agiere auch nicht im Hintergrund. Er strebe generell keine Rückkehr zum FC Schalke an.

Stand: 17.03.2021, 17:09

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