Baumann und Bobic - Baumeister mit unterschiedlichem Erfolg

Baumann vs. Bobic

Werder Bremen – Eintracht Frankfurt

Baumann und Bobic - Baumeister mit unterschiedlichem Erfolg

Von Frank Hellmann

Werder Bremen und Eintracht Frankfurt umgingen im Mai 2016 nur knapp den Abstieg. Danach begannen die ehemaligen Nationalspieler Frank Baumann und Fredi Bobic mit ihrer Arbeit als Manager. Der Erfolg könnte knapp fünf Jahren später unterschiedlicher kaum sein.

Den 14. Mai 2016 wird so schnell niemand vergessen, der mit Werder Bremen irgendwie verbunden ist. Selbst die Reporter auf der Pressetribüne verfolgten den letzten Bundesliga-Spieltag damals stehend, weil sie ansonsten von der Partie gegen Eintracht Frankfurt wenig mitbekommen hätten.

Die Gastgeber brauchten einen Sieg für den direkten Klassenerhalt, den Gästen genügte ein Remis. In vorletzter Minute bugsierten damals Anthony Ujah und Papy Djilobodji in einem gemeinschaftlichen Kraftakt die Kugel über die Linie. 1:0. Die Rettung für Bremen - und die Relegation für Frankfurt.

Die Wege haben sich getrennt

Wenn sich die beiden Traditionsvereine Werder Bremen und Eintracht Frankfurt nun am Freitagabend (20.30 Uhr) im leeren Bremer Weserstadion gegenüberstehen, dann könnten die Voraussetzungen unterschiedlicher kaum sein: Die einen haben die Sorge, wieder in den Abstiegskampf verwickelt zu werden, die anderen steuern auf Champions-League-Kurs.

Sportlich, aber auch wirtschaftlich sind die Hessen den Hanseaten enteilt, zuletzt tauchten sie sogar unter den 20 umsatzstärksten Klubs in Europa auf. Werder Bremen hingegen droht bald ein Minus von fast 40 Millionen Euro, die Pandemie hat hier besonders tiefe Furchen gezogen. Nichtsdestrotz haben beide Vereine eine Landesbürgschaft in Anspruch genommen, Frankfurt sichert damit den Bau des Proficampus ab.

Frank Baumann lobt Fredi Bobic

Welchen Anteil haben die Manager Frank Baumann, 46, und Fredi Bobic, 49, an der Entwicklung, die beide vor knapp fünf Jahren angefangen haben? "Die Eintracht ist auf einem sehr guten Weg, hat einiges entwickelt. Da hat Fredi großen Anteil", sagte der gebürtige Franke Baumann am Donnerstag (25.02.2021) über den gebürtigen Schwaben Bobic.

Baumann: "Die Eintracht ist auf einem sehr, sehr guten Weg" Sportschau 25.02.2021 01:41 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 Das Erste

Die beiden haben etliche Länderspiele in ihrer aktiven Zeit gemeinsam bestritten. Baumann stellte nun vor dem Wiedersehen heraus, dass auch Werder sich "drei Jahre auf einem ähnlichen Weg" befunden habe. Er saß im Mai 2016 beim nervenaufreibenden Abstiegsendspiel gegen die Eintracht auf der Tribüne. Bald darauf sollte er sein neues Amt als Geschäftsführer Sport antreten. Werders Ehrenspielführer, Kapitän beim Doublegewinn 2004, sollte bei der Vorstellung im Sommer 2016 einen bemerkenswerten Satz sagen: "Unser Anspruch kann nicht sein, den Klassenerhalt am letzten Spieltag zu feiern wie einen Champions-League-Sieg."

Gleichzeitig bangte Bobic noch ein bisschen länger, wo denn sein neuer Arbeitgeber spielen würde. Erst oder zweitklassig? Er sollte den Job von Heribert Bruchhagen übernehmen. Aufsichtsratchef Wolfgang Steuging hatte Bobic gegen einige Widerstände zur Eintracht gelotst. Vor dessen Amtsantritt musste Frankfurt erst noch die Relegation überstehen, was mühsam gegen den 1. FC Nürnberg gelang.

Am Anfang sind beide Klubs Achter und Elfter

Die Startvoraussetzungen schienen in Bremen für Baumann anfangs fast besser als Bobic. Fast 25 Millionen Euro hatte Werders neuer Geschäftsführer für den ersten Umbau des Kaders zur Verfügung, weil die von seinen Vorgängern Thomas Eichin und Rouven Schröder verpflichteten Leistungsträger Jannik Vestergaard und Ujah so viel Ablöse einbrachten. Bobic hingegen musste mit einem Budget von 2,8 Millionen Euro auskommen, was er in etliche Leihgeschäfte steckte.

Baumann: "Man kann der Eintracht ein Kompliment machen" Sportschau 25.02.2021 01:36 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 Das Erste

Werder lief in der Saison 2016/2017 als Achter ein, spielte attraktiv, kratzte knapp am Europapokal. 2017/2018 wurden die Bremer Elfter, installierten Florian Kohfeldt als Cheftrainer. Frankfurt war von den Platzierungen auf demselben Level, lief in umgekehrter Reihenfolge ein: erst Elfter, dann Achter. Der entscheidende Unterschied sollte das zweimalige Erreichen des DFB-Pokalendspiels werden.

Scheiterten die Adlerträger 2017 noch an Borussia Dortmund, gelang 2018 gegen den FC Bayern der Coup. Pokalsieger. Der erste Titel seit 30 Jahren. Die ganze Stadt lag sich zu Pfingsten 2018 in den Armen, Bobic fuhr gemeinsam mit Trainer Niko Kovac im Kriechtempo im Autocorso durch die Menschenmassen. Der Römer war wegen Überfüllung zeitweise geschlossen.

Zwei Europa-League-Teilnahmen als Wachstumstreiber

Doch viel wichtiger waren danach gleich zwei Europapokalteilnahmen, die zu einem Wachstumsbeschleuniger sondergleichen wurden. Trainer Adi Hütter, der 2018 auf Kovac folgte, entwickelte das Team weiter. Zudem landete Bobic wahre Glücksgriffe, als er die so genannte "Büffelherde" für den Sturm zusammenstellte: Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastian Haller. Das Trio verließ im Sommer 2019 nach dem Einzug ins Europa-League-Halbfinale den Verein und spülte weit über 100 Millionen Euro in die Kassen.

Werder hingegen, 2019 knapp am Einzug ins Pokalfinale und am Europapokal vorbeigeschrammt, entschied sich dazu, alle seine Leistungsträger zu behalten. Auf diesen Entwicklungen fußen Baumanns Erklärungen gegenüber der Nachfrage der Sportschau, warum der Weg letztlich so schnell so weit auseinanderging. "Frankfurt hatte den Vorteil, durch den Pokalsieg auch international spielen zu können. Das hat dafür gesorgt, dass die Transfererlöse in die Höhe gingen. Das war der Unterschied."

Auch er habe letztlich gute Transfers gemacht, zählte dabei Serge Gnabry, Max Kruse oder Davy Klaassen auf. Doch Bobic schuf die deutlich größeren Mehrwerte, kaufte Spieler wie Jovic oder Haller für weitaus weniger Geld ein, als der Verkauf in die Kassen spülte. Vor der Corona-Krise kratzte die Eintracht am Umsatz von fast 300 Millionen Euro (2019), Werder lag bei 151 Millionen (2018/2019).

Das Timing beim Verkauf passte besser

Baumann erläuterte, "das Timing" habe bei der Eintracht "besser gepasst. Sie konnten ihre Spieler 2019 noch vor der Pandemie zu einem Top-Preis verkaufen." Seine Situation dagegen sei "durch die fehlenden beziehungsweise noch ausstehenden Transfers weiter erschwert worden". Die Bremer setzten eigentlich darauf, Spieler wie Milot Rashica im Sommer 2020 ebenfalls mit großem Gewinn zu verkaufen. Tatsächlich brachen die Marktwerte aller Profis durch die Pandemie und den sportlichen Absturz der Saison 2019/20 ein. Werder musste stattdessen Kaufverpflichtungen für Spieler wie Leonardo Bittencourt, Ömer Toprak und bald auch Davie Selke eingehen, die vor dem Hintergrund der Corona-Krise schwer auf dem Etat lasten.

Während bei der Eintracht Leistungsträger wie Abwehrchef Martin Hinteregger, Verteidiger Even Ndicka, Dampfmacher Filip Kostic und vor allem Torjäger André Silva einen erheblichen Marktwert abbilden - Pandemie hin oder her - , ist es bei Werder anders: Dort werden nun Eigengewächse oder Perspektivspieler wie Marco Friedl, Josh Sargent, Jean Manuel Mbom, Felix Agu oder Romano Schmid gefördert, aber wer sich wirklich durchsetzt, ist noch nicht abzusehen. Baumann sagte noch, er wehre sich dagegen, "alles schlecht" zu sehen. Beim Einbau von U21-Kräften sei Werder vielleicht weiter, so Bremens Geschäftsführer, "aber die Eintracht hat die Nase deutlich vorn - da kann man nur gratulieren."

Stand: 25.02.2021, 19:44

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