André Schürrle - Weltmeister in Fulham

André Schürrle jubelt für Dortmund

Zwei Jahre Leihe

André Schürrle - Weltmeister in Fulham

Von Robin Tillenburg

André Schürrle wechselt per Leihgeschäft für zwei Jahre zum FC Fulham. Die Karriere des Weltmeisters, der in seiner Laufbahn so viel Transfererlöse erzielte wie kein anderer deutscher Spieler, schlägt damit erneut einen neuen Weg ein.

Schürrle nach London. Das kennt man. Im Sommer 2013 zog es den Flügelangreifer schonmal in die britische Hauptstadt - damals noch zum großen FC Chelsea und für 32 Millionen Euro. Jetzt geht es wieder zurück auf die Insel, nach Fulham - West-London. Für etwa 400.000 Euro Leihgebühr.

Damals packte "Schü" seine Koffer in Leverkusen, diesmal eben in Dortmund. Dazwischen war er noch bei Wolfsburg. Der 27-Jährige, dem in Mainz als Teil der "Bruchweg-Boys" 2010 der Durchbruch gelang und als gerade 20-Jähriger sein Länderspieldebüt gab, hat einiges erlebt. Für keinen anderen deutschen Spieler wurde insgesamt mehr Geld bezahlt als für ihn - über 90 Millionen Euro sind es bisher.

Große Einzel-Momente

Englischer Meister wurde er 2015 mit dem FC Chelsea, doch bei der Jubelzeremonie war er schon längst wieder eine Halbserie in Wolfsburg. 65 Pflichtspiele, 14 Tore und drei Vorlagen waren ihm für die "Blues" gelungen - eine passable Bilanz. Keine hervorragende.

63 mal trug er im Anschluss das grüne Trikot der "Wölfe", 13 Tore und zehn Vorlagen, jetzt in Dortmund waren es in 51 Partien noch acht Treffer und neun Assists. Seine Statistiken in Leverkusen (83 Partien, 23 Tore und 16 Assists) und vor allem in Mainz, wo er besonders gefeiert wurde (68, 20, 8), sind gar nicht so viel besser. Doch die Wahrnehmung ist heute eine andere.

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Denn der abseits des Feldes meist locker, sympathisch auftretende 27-jährige Ludwigshafener hat nicht konstant das gehalten, was er mit seinen Auftritten versprach. Die einzelnen großen Momente, die hatte er überall. Ein Hattrick für Chelsea - übrigens gegen Fulham - oder sein traumhafter Ausgleich für den BVB gegen Real Madrid sind nur einzelne Beispiele, die natürlich von seiner Vorlage zum "Weltmeister-Treffer" von Mario Götze im WM-Finale 2014 überstrahlt werden.

Doch konstant abrufen und liefern konnte er diese Glanzlichter nie - oft waren seine neuen Klubs nach Anfangseuphorie später eher enttäuscht. Nicht, weil er richtig schlecht spielte - aber eben nicht dauerhaft diese großen Momente auf den Rasen brachte, zu denen er fähig zu sein schien.

Der "Geradeausläufer"

Eine eher kläglich vergebene Chance hier, eine technische Unsauberkeit dort - in den sozialen Medien nannte man ihm "Geradeausläufer". Der Spitzname ist unfair - klar. Schürrle kann weit mehr. Doch man weiß, woher er kommt. Denn Schürrle läuft viel und schnell und eben oft auch geradeaus, der ganz große filigrane Dribbler war er nie. Eher ein Spielertyp wie Lukas Podolski - geradlinig, mit Dynamik und einem starken Abschluss.

Wer etwas anderes in ihm sah und aus ihm machen wollte, wurde enttäuscht. Thomas Tuchel, sein Trainer in Mainz und später beim BVB, sagt über ihn: "André ist ein Spieler, der einen engen Bezug zum Trainer braucht, um seine beste Leistung zu zeigen." Vielleicht ist auch das ein Punkt, der in der Laufbahn des schnellen Rechtsfußes eine Rolle gespielt hat.

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Auch die Bilanz in der Nationalmannschaft deutet an, dass wahrscheinlich irgendwie noch mehr möglich gewesen wäre: 57 Spiele, 22 Tore, sieben Vorlagen - gute Werte. Doch die Wahrheit ist auch: Nur sieben seiner Einsätze mit dem Adler auf der Brust gingen über die volle Distanz.

Sportlich ist Fulham durchaus relevant

Schürrle ist übrigens auch der einzige Deutsche, der für vier verschiedene Klubs in der Königsklasse traf. Dort wird er in den nächsten zwei Jahren nicht landen. Sehr wahrscheinlich.

Trotzdem: Schürrle verlässt zwar das internationale Geschäft, wechselt aber auch in die Premier League, wo das große Geld gezahlt wird, wo die Weltstars spielen. Zu einem Aufsteiger, aber zu einem, mit einer durchaus vorhandenen Tradition und sportlichen Ambitionen - und immerhin in der Weltstadt London.

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Die "Cottagers" haben in Torwart Fabri, Verteidiger Maxime Le Marchand und Mittelfeldmann Jean Michael Seri und eben Schürrle durchaus ambitionierte Transfers angeschlossen. Trainer Slavisa Jokanovic kann außerdem mit dem 18 Jahre alten Ryan Sessegnon auf eines der eindrucksvollsten englischen Talente zurückgreifen. Kein Fallobst also. Auch in der vermeintlich stärksten Liga der Welt.

Vom Weltmeister im Aufgebot wird natürlich trotzdem einiges erwartet, doch der ganz große Druck, wie Schürrle ihn ihn Dortmund, Wolfsburg oder Chelsea erlebte, wo er quasi dauerhaft unter die Lupe genommen wurde, dürfte erstmal weg sein. Vielleicht hilft ihm das. Es ist ein bisschen wie damals in Mainz. Nur mit mehr Geld. Und in London. Es könnte schlimmer sein.

Stand: 27.07.2018, 11:25

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