Transfers in der Bundesliga - über den Versuch, sich das Glück zu leihen

Eric Maxim Choupo-Moting (l) im Duell mit Douglas Costa (Archivbild)

Transferphase in Zeiten von Covid-19

Transfers in der Bundesliga - über den Versuch, sich das Glück zu leihen

Von Tim Beyer

Die Bundesligisten sind vorsichtig geworden beim Geldausgeben, Leihgeschäfte sind gerade schwer angesagt. Über einen Transfersommer, der ganz im Zeichen von Covid-19 stand.

Am Ende einer langen Transferperiode war in München und Sinsheim dann doch wieder alles so, wie man das gewohnt war. Sebastian Rudy wechselte am Montag (05.10.2020) auf Leihbasis von Schalke 04 zu 1899 Hoffenheim, er hat dort schon immer besonders gerne gespielt. Zum dritten Mal ist Rudy nun ein Hoffenheimer, zwar einer auf Zeit, trotzdem wird er einen Rekord sicher ausbauen können: Rudy ist mit 227 Bundesligaspielen schon jetzt Hoffenheims Rekordspieler.

Als Hoffenheim Rudy vorstellte, war die Stimmung bei Hansi Flick, dem Trainer der Bayern, bereits seit einigen Stunden bestens. An Rudy, der ja auch mal bei den Bayern war, wird das kaum gelegen haben, eher schon an Marc Roca, Eric Maxim Choupo-Moting, Bouna Sarr und Douglas Costa. Es sind diese vier Spieler, die dem Kader des FC Bayern das geben sollen, was ihm bei aller individueller Klasse zuvor doch sehr gefehlt hatte: eine gewisse Tiefe.

Am Anfang dieser 83-tägigen Transferphase war Flick noch als Mahner aufgetreten und hatte, mal mehr und mal weniger subtil, gesagt, der Kader sei zu klein. Viel zu klein. Dann ging auch noch Thiago zu Liverpool, und die Sorgen bei Flick dürften kaum kleiner geworden sein. Jetzt sagte Flick, sei er "super, super happy".

Bayern, die kokettieren und dann doch kaufen

Es ist in diesem Sommer ja so gewesen: Der Triple-Gewinner-Trainer Flick hatte sich Spieler gewünscht, der Sportvorstand Hasan Salihamidzic aber oft abgewunken. Einmal sagte Salihamidzic: "Wir sind wirtschaftlich am Anschlag." Man mag das für Koketterie halten, schließlich sind die Bayern immer noch die Bayern, und für Leroy Sané war dann ja auch noch ein wenig Geld da. Sonst aber hielten sie sich lange zurück in München, sie waren damit auch nicht alleine in der Liga.

Es ist eine Entwicklung, die sich auch in den Zahlen ausdrückt. Laut dem Portal "Transfermarkt.de" hatten die 18 Bundesligisten im Sommer 2019 noch 944 Millionen Euro für Transfers ausgegeben und 663 Millionen Euro eingenommen. Nun sind Ausgaben von 320 Millionen Euro und Einnahmen von 324 Millionen Euro verzeichnet. Das ist natürlich noch immer unfassbar viel Geld, es ist aber auch sehr viel weniger als vor einem Jahr.

Ekstase sollten sie in München nicht erwarten

Die Bayern waren da noch in einer sehr komfortablen Situation. Ihr Kader war klein, aber eben trotzdem richtig gut. Und die wirtschaftlichen Zwänge, die der Sportvorstand Salihamidzic ausgemacht haben wollte, waren dann doch eher von der Art, dass 17 andere Bundesligisten gerne getauscht hätten. Allerdings sind Namen wie Roca, Choupo-Moting, Sarr oder Costa dann doch nicht dafür geeignet, Bayern-Fans in Ekstase zu versetzen.

Roca gilt als hoffnungsvoller Mittelfeldspieler, war aber zuletzt mit Espanyol Barcelona in die zweite Liga abgestiegen. Choupo-Moting hatte bei PSG einige wichtige Tore gemacht, war aber meist auch nur Ersatz. Sarr, so erzählen sie es sich in Frankreich, sei ein guter Rechtsverteidiger, aber auch mit 28 noch kein sehr guter. Und Costa, tja, der ist eben Costa. Schon zwischen 2015 und 2017 hatte der Brasilianer für die Bayern gespielt, ehe er zu Juve gewechselt war. Uli Hoeneß, damals noch Präsident des FC Bayern, sagte wenige Wochen nach dem Abschied von Douglas Costa: "Es hat nicht funktioniert, weil er ein ziemlicher Söldner war, der uns charakterlich nicht gefallen hat."

Bremen, ein Verlierer dieser Transferphase

Doch der Transfersommer hat auch Geschichten geschrieben, die vor allem die Vereine betreffen, die nicht die Bayern sind. Etwa die Sache mit der Bundesliga und dem lieben Geld. Man weiß das ja schon länger: Covid-19 hat auch den Fußball erreicht, eine Branche, die eigentlich nur noch das Wachstum kannte. Vor Corona seien "Mehrwertspieler frühzeitiger angefragt worden", es sei auch "schon viel konkreter über Zahlen gesprochen" worden, "die Budgets waren deutlich größer", hat der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder im Gespräch mit der Sportschau vor einigen Wochen gesagt.

Schröder hat das mit seinen Mainzern selbst erleben müssen in diesem Transfer-Sommer, doch das eindrücklichste Beispiel dürfte eher sein Ex-Klub Werder Bremen sein. Bei Werder hatten sie früh kommuniziert, dass sie auf Transfereinnahmen angewiesen sind und darauf gesetzt, irgendwer werde schon den tollen Angreifer Milot Rashica kaufen. Nur kaufte ihn niemand. Angebote, die gab es, doch kein Klub war gewillt, den Bremern einen Vor-Corona-Preis für Rashica zu zahlen.

Rashica blieb dann Spieler von Werder, Davy Klaassen ist das nicht mehr. Er wechselte wenige Stunden vor dem Ende der Transferfrist zurück zu Ajax Amsterdam. Für Werder war der Transfer notwenig, um finanzielle Löcher zu stopfen, doch er könnte durchaus noch zum Problem werden. Denn einen Nachfolger zu verpflichten, das ist Bremen nicht mehr gelungen. Marko Grujic vom FC Liverpool hätten sie wohl gerne ausgeliehen, doch die Verhandlungen scheiterten.

Leihspieler sind in Mode

Überhaupt sind Leihgeschäfte gerade schwer angesagt in der Bundesliga. Alleine in den letzten acht Stunden des Transferfensters verpflichteten die 18 Bundesligisten zehn Neuzugänge auf Leihbasis, darunter so prominente Namen wie Douglas Costa, natürlich Sebastian Rudy oder auch Leipzigs Justin Kluivert. Die Gründe dafür, dass Leihen gerade in sind, sind unterschiedlich: Manchmal leihen Vereine einen Spieler, wenn ihnen das Risiko eines festen Transfers zu groß ist, oft aber auch dann, wenn ein dauerhafter Transfer gar nicht darstellbar wäre.

Für Klubs, die auch nach dem Ende der Transferperiode noch Defizite erkennen im eigenen Kader, bleibt nun nur noch der Blick auf all jene Spieler, die derzeit noch ohne Verein sind. Die Bremer etwa sollen sich schon länger um Kevin Stöger bemühen. Der Österreicher ist ein feiner Fußballer, er spielt tolle Pässe, ist aber nach dem Vertragsende bei Fortuna Düsseldorf noch ohne neuen Arbeitgeber.

Und Stöger ist nicht der einzige prominente Spieler ohne Verein. Man könnte nun die Namen von Fabian Johnson und Philipp Bargfrede aufzählen, sollte dabei aber Mario Götze nicht vergessen. Ja, Mario Götze, der Siegtorschütze des WM-Endspiels 2014, wäre auch noch zu haben. Es sind eben seltsame Zeiten.

Stand: 05.10.2020, 19:17

Darstellung: