Trainerbank am Sportplatz

Fußballer-Militärgruß - schlechtes Vorbild für Amateurkicker

Amateurfußball, Schiedsrichter

Gewaltausbruch in Ruhrgebiets-Kreisligaspiel

Fußballer-Militärgruß - schlechtes Vorbild für Amateurkicker

Von Olaf Jansen

Wenige Stunden nach dem Militärgruß türkischer Nationalspieler wurde die Geste im Herner Kreisligafußball nachgeahmt. Mit fatalen Folgen. Der Integrationsbeauftragte des regionalen Verbandes kritisiert auch die deutschen Nationalspieler Gündogan und Can.

Den neutralen Zuschauern auf dem Herner Sportplatz an der Horsthauser Straße stand am Sonntagnachmittag (13.10.2019) bei der Kreisligapartie zwischen Türkspor Herne und dem FC Castrop-Rauxel das Entsetzen ins Gesicht geschrieben: Vor ihren Augen war der Linienrichter zu Boden gegangen. Niedergestreckt offenbar von mehrern Schlägen und Tritten eines oder mehrerer Spieler der Gastgebermannschaft.

Schiedsrichter Dominik Sellung hatte die Partie daraufhin abgebrochen, die Unparteiischen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Als drei Streifenwagen vorfuhren, hatte sich die Lage bereits beruhigt.

Türkischer Militärgruß zu Beginn

Schon zu Beginn der Partie hatten die Herner Spieler laut Augenzeugen mit dem Militärgruß provoziert, mit dem die Spieler der türkischen Nationalmannschaft wenige Stunden zuvor im Länderspiel gegen Albanien für Aufsehen gesorgt hatten. Die dadurch schon aufgeheizte Stimmung eskalierte nach zwei Abseitsentscheidungen des Schiedsrichtergespanns.

Riza Öztürk

Riza Öztürk

"Politik hat im Fußball nichts zu suchen. Ganz klar, dass so etwas ein schlechtes Vorbild abgibt, was bis in den Amateurfußball hinein Folgen hat", sagt Riza Öztürk, Integrationsbeauftragter des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen für den DFB.

Als fatal empfindet Öztürk, der selbst türkische Wurzeln hat, auch das Verhalten der deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can zum Thema. Die beiden hatten ein entsprechendes Salut-Bild auf Instagram gelikt. "Die haben die Aktion mit ihren Likes sozusagen unterstützt. Das hat definitiv Wirkung bis in den Kreisligafußball hinunter. Es provoziert potenzielle Nachahmer. Da waren die beiden ein ganz schlechtes Vorbild", findet Öztürk.

"Gewalt im Fußball spiegelt den Zustand unserer Gesellschaft"

Öztürk, Mathematik-Professor an der FH Bielefeld, beschäftigt sich intensiv mit Amateurteams mit Migrationshintergrund. Seine Erkenntnis: "Das Geschehen im Amateurfußball spiegelt die Situation in unserer Gesellschaft. Die Integration läuft schleppend, die Frustration gerade der jungen Leute ist immer da. Und sie entlädt sich dann zu gewissen Anlässen in Gewalt. Wie nun wieder in Herne geschehen."

Saftige Strafen warten

Hernes Staffelleiter Andreas Pelzing wird den Vorfall fußballregularisch bewerten müssen - saftige Strafen sind zu erwarten. Ihn wundert der Gewaltausbruch ganz besonders, weil das Gastgeberteam im Vorfeld extra ein Schiedsrichtergespann mit Linienrichtern angefordert hatte - unüblich in der Kreisliga. "Normalerweise macht man das, um Ausschreitungen zu verhindern. Nicht, um sie zu forcieren", erklärt Pelzing.

Eine rasche Lösung des Gewalt-Problems auf Fußballplätzen sieht Öztürk nicht: "Wir können und müssen Strafen aussprechen. Aber das wird die Gewaltausbrüche auch zukünftig nicht verhindern. Denn die Konflikte sind da und verschwinden auch nicht. Hierzu sollten man immer wieder neben dem Strafenkatalog auch den Dialog  suchen. Der Landesverband Westfalen bietet hierzu Hilfe durch sogenannte Vereinsberater an, die bei den Vorfällen in die Vereine gehen und den Fall gemeinsamen mit den Vereienen aufarbeiten."

Stand: 14.10.2019, 10:22

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