Trainerbank am Sportplatz

Stuttgarter Kickers in Liga fünf - der Niedergang der "Blauen"

Jürgen Seeberger,

Stuttgarter Kickers sind aus der Regionalliga abgestiegen

Stuttgarter Kickers in Liga fünf - der Niedergang der "Blauen"

Von Olaf Jansen

Der Kampf mit dem Stadtrivalen VfB war stets legendär und eigentlich wollten die Stuttgarter Kickers mindestens zurück in Liga zwei. Nun ist das Desaster perfekt: Die "Blauen" sind in die 5. Liga abgestiegen.

Die Zeiten unter Axel Dünnwald-Metzler waren legendär: In den 80er und 90 Jahren waren die Stuttgarter Kickers der klassische David im Kampf gegen Goliath. Die "Blauen", wie die Kickers wegen ihrer Vereinsfarben genannt werden, kratzten mit ihrem Präsidenten "ADM" nicht nur an der Vormachtstellung des großen Bruders VfB Stuttgart - sie lehrten die gesamte deutsche Fußball-Elite das Fürchten.

In den Spielzeiten 1988/89 und 1991/92 spielten die Kickers in der Bundesliga. Oder vielmehr: Sie kämpften dort. Unvergessen bleibt der 4:1-Auswärtssieg des Teams beim FC Bayern im Oktober 1991. Karel Kula, Marcus Marin, Andreas Keim und Dimitrios Moutas hatten die Tore erzielt, für den von Stefan Effenberg angeführten FCB blieb nur der Ehrentreffer durch Roland Wohlfarth.

1987 - Niederlage im DFB-Pokalfinale

1987 stand der Klub nach einem 3:0-Halbfinalsieg über Fortuna Düsseldorf im DFB-Pokalfinale. Dirk Kurtenbach hatte dort gegen den Hamburger SV früh zur Führung getroffen, doch nach Dietmar Beiersdorfers Ausgleich schlugen die Hamburger in der Schlussphase durch Manfred Kaltz (88. Minute) und ein Eigentor von Niels Schlotterbeck (90.) zum 3:1 entscheidend zu.

Erinnerungen, die längst verblasst sind. Wenngleich der Klub stets das Ziel hatte, früher oder später ins Rampenlicht des großen Fußballs zurückzukehren. Recht nah dran war man jeweils im Frühjahr 2014 und 2015, als in der dritten Liga unter Trainer Horst Steffen jeweils nur knapp die Aufstiegsränge verpasst wurden.

November 2015 - Erfolgstrainer Steffen entlassen

Fans der Stuttgarter Kickers

Die Kickers-Fans waren zuletzt "not amused".

Tja - und dann folgte der Erdrutsch: 2015/16 spielte man zunächst wieder oben mit, entließ aber zum Entsetzen der Fans im November nach einer Serie siegloser Spiele Trainer Steffen - von da an ging's bergab. Nach dem Abstieg in Liga 4 wurden beinahe im Dutzend verdiente Spieler aussortiert, auf der Geschäftsstelle wurden gleich sieben Stellen gestrichen. Das gerupfte Team schaffte 2016/17 so gerade den Klassenerhalt in der Regionalliga. Ein Jahr später aber war auch diese Spielklasse nicht mehr zu halten: Abstieg in die Oberliga hieß es im Mai 2018.

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Als "Super-GAU" wird dieses Ereignis auf den Höhen Stuttgart-Degerlochs bejammert - allerdings hat sich die Misere ja schon seit langem angekündigt. Seit Jahren wird von einem üppigen Finanzloch in der Kasse der Kickers gemunkelt, rund 2,3 Millionen Euro sollen da fehlen. Insgesamt betrug der Jahresetat der Mannschaft zuletzt rund 1,5 Millionen Euro - irgendein Gönner hatte sich im "Ländle" immer noch gefunden, der aushalf.

Letzte Chance Investor?

Aber die Fehler in Vorstand und Aufsichtsrat wurden zu eklatant: Von 2012 bis heute verschlissen die "Blauen" zwölf Trainer. Geschäftsführer und Sportdirektoren kamen und gingen. Im November 2017 meldete die Klubspitze den nächsten Versuch: Der Freiburger Ex-Profi Martin Braun amtiert seither als sportlicher Leiter.

Im Grunde gibt es für einen Klub wie die Kickers nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie gliedern den Profifußball aus in eine Kapitalgesellschaft, die einem Investor den Einstieg mit zwei bis drei Millionen Euro ermöglicht. Oder sie machen es wie der frühere Ligarivale Wacker Burghausen (Regionalliga Bayern) und reamateurisieren den Spielbetrieb. Das würde die Kosten senken. Aber auch die sportlichen Perspektiven.

Stand: 31.05.2018, 17:57

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