Trainerbank am Sportplatz

Salut-Jubel: Amateurfußball reagiert mit Verboten

Spieler des Türkspor Mainburg

Diskussionen nach türkischem Soldatengruß

Salut-Jubel: Amateurfußball reagiert mit Verboten

Bundesweit grüßten in den letzten Tagen Amateurfußballer mit dem türkischen Militär-Salut. Die Fußballverbände reagieren mit Verboten. Der Salut wird Sache der Sportgerichte.

Drei Amateurfußball-Vereine aus dem Kreis Recklinghausen müssen sich wegen eines Militär-Saluts ihrer Spieler vor dem Verbandssportgericht verantworten. Der Kreisvorsitzender des Fußballverbandes Recklinghausen, Hans-Otto Matthey, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich dabei um die SG Hillen, um Genclikspor Recklinghausen und um die zweite Mannschaft der DTSG Herten handelt. Zuvor hatte der WDR darüber berichtet.

"Wir lassen uns nicht auf der Nase rumtanzen und von Minderheiten kaputtmachen", sagte Matthey nach einer Sitzung des Kreisvorstandes am Dienstagabend (16.10.2019). Dem Gremium lagen Bilder vor, die die Fälle dokumentieren. "In einem Fall handelte es sich um die komplette Mannschaft, bei den anderen ging es um Gruppierungen von fünf bis sechs Spielern", erläuterte Matthey.

Salut-Jubel: Nachahmern droht Strafe Sportschau 16.10.2019 01:56 Min. Verfügbar bis 16.10.2020 Das Erste

Bei Genclikspor, Tabellenführer in der A-Klasse, zeigt man dagegen kein Verständnis für das Vorgehen des Verbandes. "Dass mit Geldstrafen oder Punktabzug gedroht wird, verstehe ich überhaupt nicht. Wo bleibt da die Meinungsfreiheit", fragte der Vorsitzende Hakki Gürbüz. Man habe in der Kabine ein Foto mit türkischer Fahne gemacht, dabei hätten einzelne Spieler den Militärgruß gezeigt. "Aber das war als reine Gedenkminute für die verstorbenen Soldaten gedacht", sagte Gürbüz: "Das Thema Militärgruß wird derzeit ohnehin viel zu hoch gehängt. Ich weiß nicht, was das soll."

Höchstes Sportgericht wird tätig

Das harte Vorgehen des Verbandes solle natürlich auch als Zeichen der Abschreckung dienen. "Wir wollen vermeiden, dass sich solche Vorgänge wiederholen. Deshalb halte ich es für ein starkes Zeichen des Verbandes, dass die Fälle vor seinem höchsten Sportgericht verhandelt werden", erklärte der Kreisvorsitzende: "Ich gehe davon aus, dass wir am nächsten Wochenende keine politisch geprägten Zwischenfälle haben werden."

Bundesweit soll dem Militärgruß null Toleranz entgegengebracht werden. "Empfindliche Strafen" für Nachahmer sind die Devise der Verbände: Amateur-Fußballern in Deutschland drohen bei einem politisch motivierten und provozierenden Torjubel am kommenden Wochenende harte Sanktionen. "Beleidigungen und Provokationen haben auf und neben dem Spielfeld keinen Platz und werden nicht toleriert", sagt Günter Distelrath, Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV). Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) wies in einer Mitteilung "ausdrücklich" darauf hin, dass "jeder einzelne Fall zur Anzeige vor dem Sportgericht gebracht wird."

Von "Null-Toleranz-Politik" soll nicht abgewichen werden

Der bayerische Verbandsspielleiter Josef Janker machte deutlich, dass der BFV es nicht dulden werde, "dass jemand unseren Sport für Diskriminierungen, Provokationen und Beleidigungen missbraucht". Fußball stehe für "Fairplay, Respekt, Gewaltfreiheit, Toleranz und Anerkennung", deshalb werde der BFV "von unserer Linie der Null-Toleranz-Politik bei gewalttätigen oder diskriminierenden Vorfällen auch keinen Millimeter abweichen".

Darüber hinaus behält sich auch der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) Maßnahmen gegen mögliche Nachahmer vor. Wie Geschäftsführer Holger Fuchs am Dienstag erklärte, sei es "durchaus denkbar", dass der Verband aktiv werde, falls Fälle in diese Richtung publik würden.

"Hat auf Fußballplätzen nichts zu suchen"

In der aktuellen politischen Situation könne "dieses Salutieren nur als Unterstützung für das türkische Militär und die Offensive in Syrien verstanden werden", sagte Frank Thumm, Hauptgeschäftsführer des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) bei SWR Sport: "Dass solche öffentlichen Sympathiebekundungen für kriegerische Handlungen in Fußballstadien und auf Fußballplätzen nichts zu suchen haben, dürfte klar sein. Wir werden deshalb mit den Vereinen auch den Kontakt suchen und sie auffordern, das künftig zu unterlassen."

red/dpa/sid | Stand: 16.10.2019, 13:06

Darstellung: