Trainerbank am Sportplatz

Fußball-Regionalliga - Insolvenz als Möglichkeit

Regionalliga in der Krise

Amateurfußball-Kongress in Kassel

Fußball-Regionalliga - Insolvenz als Möglichkeit

Von Olaf Jansen

Das kommende Wochenende steht beim DFB ganz im Zeichen des Amateurfußballs. Konzepte und Ideen sollen her. Auch für die Regionalliga - die sich zur Pleiteliga entwickelt hat.

Wenn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) an diesem Wochenende in Kassel zu seinem großen Amateurfußball-Kongress einlädt, mögen manche denken: ausgerechnet Kassel! Denn wenn man beim DFB an Amateurfußball denkt, ist man ganz schnell beim Thema Finanzierbarkeit desselben. Und hier hat sich der örtliche Verein KSV Hessen Kassel in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Kassel - Veranstaltungsort und warnendes Beispiel

Nach den Konkursen 1993 und 1997 stellte der KSV Hessen im Sommer 2017 zum dritten Mal einen Insolvenzantrag. Als damaliger Viertligist hatte man mal wieder weit über die eigenen Verhältnisse gelebt.

Allerdings ist Hessen Kassel, da sind sich ausnahmsweise alle Experten einig, bei weitem kein Einzelfall in der Regionalliga - der in fünf Ligen aufgeteilten vierten deutschen Liga.

Alemannia Aachen meldete nach dem Doppelabstieg 2013 gleich zweimal Insolvenz an, Kickers Offenbach, die Sportfreunde Siegen und jüngst Vereine wie Wattenscheid 09, TV Herkenrath, Wuppertaler SV oder Viktoria Berlin - sie alle standen oder stehen in der Regionalliga vor einem finanziellen Desaster.

"Irgendwie den Kopf über Wasser"

Hajo Sommers, Präsident des West-Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen, bringt es auf den Punkt: "Bis auf die U23-Vertretungen und zwei, drei andere Vereine droht den Klubs permanent die Pleite. Man hält nur irgendwie noch so den Kopf über Wasser." In Wattenscheid und Wuppertal bat man zuletzt die Fans über Crowdfunding-Aktionen um Hilfe - die selbst sicher nicht auf Rosen gebetteten Fans sollten einspringen, weil der Klub seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte.

Der Eindruck verdichtet sich: Viele Vereine gehen ganz bewusst ein großes finanzielles Riskio ein und nehmen eine Insolvenz möglicherweise sogar in Kauf. Denn aktuell werden insolvente Vereine nicht mehr mit einem Zwangsabstieg, sondern nur noch mit einem Abzug von neun Punkten bestraft. Gehen sie pleite, entschulden sie sich und können in der darauffolgenden Spielzeit wieder neu beginnen.

"Wir brauchen eine Art Betriebsrat"

"Mindestens 90 Prozent aller Vereine in der 4. Liga stehen kurz vor der Insolvenz", sagt Wattenscheids Chef und Mäzen Oguzhan Can. "Unverschuldet", sagt er, die hohen Auflagen des DFB seien schuld und überhöhte Abgaben an Berufsgenossenschaft und Finanzamt. "Wir bräuchten eine Art Betriebsrat aller Regionalliga-Vereine, der sich für die Rechte der Klubs beim DFB stark macht", meint Can.

In einem solchen Gremium könnte er allerdings kaum auf die Unterstützung von Wolfgang Wagner zählen. Der Vorsitzende des Bayern-Regionalligisten SV Schalding-Heining fordert die Kollegen eher auf, sich auf kaufmännische Basiswerte zu besinnen: "Grob gesagt darf man eben nur das ausgeben, was man hat. Nach diesem Grundsatz wirtschaften aber offensichtlich nicht alle meiner Kollegen."

SV Schalding-Heining - gesunder Mehrspartenverein in der Regionalliga

Jubel beim SV Schalding-Heining

Ländliche Idylle: SV Schalding-Heining

Der SVS - in einem Vorort Passaus gelegen - stieg 2013 in die vierte Liga auf und wuchs seither beständig. "Wir sind ein reiner Mehrspartenverein mit etwa 1.500 Mitgliedern und spielen in einem städtischen Stadion. Wir haben keinen einzelnen Mäzen, von dem wir abhängig sind, sondern werden finanziell von einem breiten Pool von Sponsoren unterstützt, der über die Jahre kontinuierlich ausgebaut werden konnte", erklärt Wagner.

Die Regionalliga hält er grundsätzlich für eine attraktive Spielklasse: "Den Reiz der Liga macht ja aus, dass hier Profi- und Amateurvereine direkt aufeinandertreffen. Das ist auch für unsere im Schnitt etwa 1.000 Zuschauer bei Heimspielen sehr interessant", glaubt Wagner.

Allerdings ist sich der Passauer auch der Tatsache bewusst, dass die Vereine mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen an den Start gehen: "Viele Traditionsvereine im Westen und Südwesten haben natürlich eine große Fankultur, die infrastrukturell eine ganz andere Herausforderung bedeuten. Und wenn man dann als Verein möglicherweise noch ein eigenes Stadion finanzieren muss, kann es schnell schwierig werden."

Aufsteigen verboten

Alerdings weiß Wagner auch ganz genau, wohin er mit seinem Verein will und wohin eben nicht: "Wir wissen genau, dass die Regionalliga für uns die Oberkante ist. Mehr können wir nicht stemmen. Daher würden wir einen möglichen Aufstieg in die dritte Liga auch nicht wahrnehmen."

Mit solch einer Einstellung bräuchten die Vereinsverantwortlichen in Wuppertal, Kassel, Wattenscheid und Oberhausen ihren Anhängern natürlich nicht kommen.

Stand: 21.02.2019, 05:00

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