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Prämien spielen auch im Amateurfußball immer mit

Amateurfussball: Bolzplatz

Was verdienen Spieler in Amateurklubs?

Prämien spielen auch im Amateurfußball immer mit

Von Olaf Jansen

Ob "Aufwandsentschädigung" oder "Fahrgeld" - Prämienzahlungen an Amateurfußballer sind gang und gäbe. Für Aktive sind sie Belohnung für ihren Einsatz, für Kritiker ein Sargnagel des Amateursports.

Als der Gelsenkirchener Fußball-Oberligist SC Hassel im November 2017 nicht mehr konnte und seine 1. Mannschaft vom Spielbetrieb zurückzog, war dies für Christian Fischer keine große Überraschung. "Der Verein hat sein Geld in den vergangenen Jahren falsch eingesetzt", kritisiert der Vorsitzende des Fußballkreises Gelsenkirchen.

"Statt seine Einnahmen nachhaltig in Infrastruktur und Jugendarbeit zu investieren, wanderte das Geld in die Taschen der Spieler der 1. Mannschaft. Und als man diese Zahlungen nicht mehr leisten konnte, war alles auf einen Schlag kaputt", sagt Fischer.

Rückzug des SC Hassel - plötzlich kein Geld mehr für die Spieler

Das Beispiel des SC Hassel ist nur eines von vielen im Amateurfußball, da selbst bis in unterste Ligen Hunderte von Euros in die Taschen der Fußballer wandern: getarnt als "Fahrgeld" oder "Aufwandsentschädigung".

Tobias S. spielt im Dortmunder Raum in der Oberliga, 5. Spielklasse. Seinen echten Namen möchte er nicht preisgeben - aus steuerlichen Gründen. Denn das Geld werde zumeist schwarz bezahlt. "Wir bekommen hier 150 Euro sozusagen Festgehalt plus 150 Euro pro Spiel Auflaufprämie. Hinzu kommt eine kleine Siegprämie. Das bedeutet für Stammspieler rund 800 bis 900 Euro pro Monat", berichtet er. "Damit befinden wir uns mit unserem Verein ungefähr in der Mitte der Liga, was die Bezahlung für die Spieler angeht. Ich weiß, dass zum Beispiel in Ostwestfalen mehr bezahlt wird."

Kreisvorsitzender Fischer: Oberligist SC Hassel wirtschaftete schlecht

Sportschau | 16.05.2018 | 01:21 Min.

Solche Zahlungen beruhen zumeist auf Sponsorengeldern gutlauniger Geschäftsmänner. Was immer passieren kann: Verliert ein solcher Geldgeber die Freude und zahlt nicht mehr, bricht alles zusammen. Die Spieler werden nicht mehr bezahlt, also spielen sie auch nicht mehr. Der Verein steigt ab - oder noch schlimmer: Er muss sein Team vom Spielbetrieb zurückziehen.

Hunderte Euro in der Kölner Kreisliga

"Ich habe das zuletzt bei einem Verein im Kölner Osten erlebt", berichtet Mike M. (Name geändert). "Wir Spieler haben da bei einem Verein in der Kreisklasse (8. Liga, Anmerkung der Redaktion) jeder mehrere Hundert Euro im Monat verdient. Es waren für die Spielklasse absolute Topspieler da, wir sind zweimal in Serie aufgestiegen."

Vorbei war es mit dem Jubel, als die Geldzahlungen plötzlich nicht mehr flossen: "Da haben die meisten sofort nicht mehr gespielt. Der Verein ist direkt wieder abgestiegen und hat im Jahr darauf sein Team sogar ganz zurückgezogen", berichtet M.

Christian Fischer

Christian Fischer, Vorsitzender des Fußballkreises Gelsenkirchen

Solche Geschichten kennt auch Christian Fischer, der Kreisvorsitzende aus dem Ruhrgebiet. "Wir hatten auch schon einige Vereine, da ist das so gelaufen. Daher nehmen wir heute Kontakt zu jenen Vereinen auf, von denen wir wissen, dass sie den Spielern über einen Sponsor Geld zukommen lassen. Wir sagen denen dann: 'Ihr steht unter Beobachtung'. Wir schauen denen so genau wie möglich auf die Finger."

Über die Höhe der Beträge darf nicht gesprochen werden

Nüchtern betrachtet gehört die Aufwandsentschädigung zum Amateurfußball dazu wie der Elfmeterpunkt zum Strafraum. Ebenso wie das Schweigen über konkrete Beträge - denn eine Offenlegung zöge unweigerlich eine Untersuchung der zuständigen Steuerbehörden nach sich. Gern werden Prämienzahlungen im Amateurbereich daher auch als 450-Euro-Jobs im Betrieb des Vereinsvorsitzenden getarnt, oder es gibt bei den Vereinen "schwarze Kassen", in denen Bargeld zur Auszahlung an die Akteure bereit liegt.

Für die meisten Beteiligten gehört ein kleines Prämiensystem einfach dazu. "Das gab es schon immer, und ich halte kleine Taschengelder auch nicht für schädlich", sagt Micha Skorzenski, der seit einigen Jahren als Trainer im Amateurfußball in der Nähe Kölns arbeitet. Skorzenski trainierte schon Teams in der Kreis-, Bezirks- und Landesliga, in der Saison 2015/16 betreute er den Essener Viertligisten FC Kray. Er kennt sich also vom unteren bis zum oberen Amateurbereich gut aus.  

Wichtige Einnahmequelle für Studenten

Micha Skorzenski

Amateur-Coach in Köln: Micha Skorzenski

"Ich habe derzeit als Trainer in der 6. Liga einige Studenten im Team. Wenn die beim Fußball nicht ihre Euros bekämen, müssten sie wahrscheinlich nebenbei viel mehr arbeiten gehen und könnten möglicherweise nicht ausreichend trainieren", sagt er. Für Skorzenski ist wichtig, dass er die Prämien gelegentlich auch als Druckmittel nutzen kann: "Ich schaue immer, dass meine Spieler leistungsbezogen etwas bekommen. Heißt: Wer viele Fehlzeiten beim Training hat, bekommt prozentual weniger Taschengeld ausbezahlt."

Generell ist für ihn wichtig, dass für seine Spieler das Geld nicht an erster Stelle rangiert. "Wenn wir uns für einen neuen Spieler interessieren, soll er sich erst einmal bei uns umsehen, uns kennenlernen. Wenn er dann ein paar Mal beim Training war, sprechen wir die Rahmenbedingungen an. Spieler, die im ersten Gespräch auf Geld zu sprechen kommen, passen in der Regel nicht zu uns".  

500 Euro in kleine Scheine gewechselt

Ehrlich sagt Skorzenski aber auch, dass er Geld schon einmal als Motivationshilfe benutzt hat: "Wir hatten mal ein Lokalderby vor der Brust, da gab es einen privaten Gönner, der dem Team 500 Euro für einen Sieg versprochen hat. Ich habe das Geld dann in 5-Euro-Scheine umgetauscht und die Tüte voller Geldscheine am Spieltag auf den Tisch gestellt. Wir haben das Spiel gewonnen."  

Und wie ist das generell als Trainer im Amateurbereich? Wie groß ist der Unterschied zwischen der 4. und 8. Liga wirklich? Skorzenski: "In der 4. Liga sehen die Spieler den Fußball als Job. Jeder kommt und geht, macht professionell sein Ding. Das ist in der Kreisliga doch ganz anders. Dort, wo fast gar nichts bezahlt wird, ist die persönliche Bindung größer. Die sind eine stärkere Gemeinschaft. Da ist der Spaßfaktor sicherlich größer."

Stand: 16.05.2018, 08:00

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