Bundes-"Notbremse": Sport für Kinder erlaubt - aber mit Grenzen

Kinder spielen Fussball auf einem Sportplatz

Bundes-"Notbremse": Sport für Kinder erlaubt - aber mit Grenzen

Von Michael Buchartz

Sport im Freien in Kleingruppen bei hoher Inzidenz, größere Zusammenkünfte bei niedrigen Corona-Zahlen. Dem Kindersport ist einiges erlaubt, doch was gilt wann und wo? Ein Überblick.

Nun ist es klar: Die bundeseinheitlichen Regeln für die Corona-"Notbremse" werden kommen und ab Freitag (23.04.2021) gelten. Das Gesetz ist befristet bis zum 30. Juni 2021.

Betroffen ist dann auch der Sport - vor allem bei Kindern bis 14 Jahren. Doch was gilt jetzt eigentlich bei welchen Zahlen und wo?

Was gilt unter der 100er-Inzidenz?

Der Stufenplan für den Bereich unter 100 hat sich nicht verändert. Aktuell gilt dort zu großen Teilen der erste Lockerungsschritt von den Bund-Länder-Beschlüssen Anfang März.

Damit ist Kindertraining in 20er-Gruppen erlaubt. Jedoch haben die meisten Bundesländer und Regionen Einschränkungen für Erwachsene ausgegeben.

Die Öffnungsschritte im Überblick
Bei Inzidenz unter 50Inzidenz zwischen 50-100Inzidenz über 100
Aktuell erlaubt
  • Kontakfreies Training bis zehn Personen im Freien

Kindertraining bis 14 Jahre in 20er-Gruppen; teilweise Individualsport mit zwei Haushalten und maximal fünf Personen im Freien

Kindertraining bis 14 Jahre in 5er-Gruppen; Individualsport mit bis zu zwei Personen oder eigener Hausstand
2. LockerungsschrittStart kontaktfreier Indoorsport, Start Kontaktsport draußenStart kontaktfreier Indoorsport mit negativem, tagesaktuellen Test; Start Kontaktsport draußen mit negativem, tagesaktuellen Test-
3. LockerungsschrittStart Kontaktsport Indoor; Bis zu 50 Zuschauer bei Sportevents im FreienKontaktfreier Indoorsport ohne Test; Kontaktsport draußen ohne Test-

Was ist neu im Gesetz?

Neu gestaltet wird die Regelung, die oberhalb der Inzidenz-Grenze von 100 liegt. Dort wird ein Landkreis oder die jeweilige Kommune verpflichtet, die bundesweite Vorschrift umzusetzen.

Vorher konnten die Regionen oder Länder selbst Ausnahmen bestimmen. So war beispielsweise in NRW auch bei hoher Inzidenz Training mit 20 Kindern erlaubt, wenn ein negatives Testergebnis vorlag.

Silbersack: "Wir haben die Pflicht, für die Kinder und ihre Bewegung zu kämpfen" Sportschau 20.04.2021 08:49 Min. Verfügbar bis 20.04.2022 Das Erste

Sonst durften zehn Kinder unter Anleitung trainieren. Diese Grenze wird nun bundeseinheitlich herabgesetzt: Demnächst dürfen nur noch maximal fünf Kinder bis 14 Jahren zusammen trainieren. Ohne Ausnahme. Außerdem können Betreuer von der zuständigen Behörde aufgefordert werden einen negativen Corona-Test vorweisen zu müssen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Für Erwachsene ist dann übrigens nur Individualsport erlaubt - bedeutet maximal mit bis zu zwei Personen oder dem eigenen Hausstand.

Was sind die Vorteile, was die Nachteile?

Vorteile: Positiv muss man sehen, dass die Kinder überhaupt trainieren dürfen - selbst bei relativ hohen Inzidenzen. Ebenfalls gut könnte die Vereinheitlichung sein. Regelungen gelten für alle und sind nicht von Region zu Region oder Bundesland zu Bundesland verschieden.

Nachteile: Das Mannschaftstraining und die wegfallenden Ausnahmen fehlen. Aber auch andere Fragen ergeben sich daraus. Macht es für einen Verein überhaupt Sinn bei einem großen Aufwand ein solch geringes Training zu ermöglichen?

Denn es wird weiterhin eine Kontaktnachverfolgung gebraucht oder Freiwillige, die beim Einlass helfen. Auch der Aufwand für die zumeist ehrenamtlichen Trainer wird immens, da sie einen negativen Test, nicht älter als 24 Stunden, notfalls vorlegen müssen und somit immer verpflichtet werden, einen solchen im Vorhinein zu machen.

Und: Wer glaubt, dass sich die Kinder nicht vorher vermischen oder mit mehr Personen auf dem Bolzplatz vor der Sportanlage treffen, irrt sich sowieso.

Bewegungsnot: Kinder- und Jugendsport in Zeiten von Corona

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 10.04.2021 53:23 Min. Verfügbar bis 04.04.2041 WDR 5


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Wo gibt es Konflikte?

Schwierigkeiten bereiten vor allem "Grenzregionen". Wenn also beispielsweise in der einen Stadt oder dem Landkreis aufgrund sehr hoher Infektionszahlen die Sportanlagen komplett gesperrt werden oder nur fünf Kinder trainieren dürfen. Wenn im Nachbardorf, welches zum nächsten, geringer belasteten Landkreis gehört, sind jedoch eventuell größere Trainingsgruppen erlaubt - dann wandern Kinder womöglich ab.

Gesperrtes Spielfeld

Gesperrtes Spielfeld

Ein Beispiel dafür gibt es beim TuS Hackenbroich, dem südlichsten Verein des Rhein-Kreises Neuss. "Wir hatten Anfragen aus unserem nächsten Ort Köln-Roggendorf, ob Kinder zu uns wechseln oder bei uns mitmachen dürfen. Weil bei uns relativ normal trainiert werden kann und in Köln aktuell alles zu ist", berichtet ein Trainer des TuS.

Ebenfalls ein Problem stellt ein Schwanken um die Inzidenz von 100 dar. Wenn dieser Wert dauerhaft um diese Grenze herumwabert, könnte sich auf Wochen hinaus ein unübersichtliches und schwer planbares "Auf-Zu-Spiel" entwickeln.

Kritik an Sporteinschränkungen im Freien

Darüber hinaus gibt es allgemine Kritik an den großen Einschränkungen für Sport im Freien. Führende Aerosolforscher wie auch das Robert Koch-Institut schätzen die Infektionsgefahr draußen als sehr gering ein.

Einzig Duschen und Umkleiden stellen als Innenräume einen Treiber der Zahlen dar - diese könnten jedoch geschlossen bleiben. Daher forderte zuletzt DOSB-Vizepräsident Andreas Silbersack im Sportschau-Interview vor allem für Kinder: "Die Sportplätze müssen sofort komplett geöffnet werden!"

Steinmeiers Unterschrift setzt Gesetz in Kraft

Jetzt kommt es aber erst einmal zur Bundes-"Notbremse": Bundestag und Bundesrat stimmten dem Bundesinfektionsschutzgesetz zu. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Gesetz am Donnerstag (22.04.2021) mit seiner Unterschrift dann abgesegnet.

Stand: 22.04.2021, 12:43

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