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Grundlagenvertrag - DFB verzichtet freiwillig auf viel Geld

DFB-Präsident Reinhard Grindel

Kein Zeichen für Amateurvereine

Grundlagenvertrag - DFB verzichtet freiwillig auf viel Geld

Mit der Zustimmung zum Grundlagenvertrag hat der Deutsche Fußball-Bund Ende 2017 gegenüber der Deutschen Fußball-Liga auf viel Geld verzichtet. Und ein klares Zeichen für seine Amateurvereine verpasst.

Der Grundlagenvertrag regelt vor allem die jährlichen Geldflüsse zwischen DFB und DFL. So überträgt der Verband (DFB) der Dachorganisation der Profivereine (DFL) das Recht, den Spielbetrieb der Bundesliga zu organisieren. Als Gegenleistung erhält er einen Pachtzins von drei Prozent der Marketingeinnahmen der 36 Vereine.

Umgekehrt beteiligt der DFB die DFL an den Vermarktungserlösen der Nationalmannschaft. Der Vertrag wurde auf dem DFB-Bundestag im Dezember 2017 einstimmig bestätigt. Berechnungen zeigen, dass der Verband damit freiwillig auf viel Geld für seine Amateure verzichtet.

DFB bekommt gedeckelte 26 Millionen Euro von der DFL

Es kam heraus, dass diese beiden wichtigen Geldflüsse gedeckelt werden. So erhält der DFB von der DFL nur maximal 26 Millionen Euro pro Jahr an TV- und Ticketeinnahmen - ganz egal, wie sehr diese Einnahmen für die Liga auch steigen.

Grundlage des Vertrags ist ein Solidarprinzip, das durch einen Zusatzvertrag ausgehebelt wurde. Dieser sorgt für die Deckelung der Einkünfte. Im Fall der DFL heißt das konkret: Obwohl in den kommenden fünf Jahren ein TV-Deal über 1,16 Milliarden Euro abgeschlossen wurde und weitere Einkünfte hinzukommen, werden nur Einkünfte bis 886,66 Millionen berechnet. Eine Zahl, die seit acht Jahren nicht mehr aktualisiert wurde.

Geschätzt wird, dass die DFL damit Zusatzeinnahmen von rund 1 Milliarde Euro nicht berechnet. Entsprechend der Drei-Prozent-Regel bedeutet das, dass die DFL eigentlich rund 54 Millionen Euro an den DFB zahlen müsste. Sie zahlt aber nur 26 Millionen.

DFB zahlt gedeckelte 20 Millionen Euro für die Nationalspieler an die DFL

Auf der anderen Seite nahm der DFB im Jahr der Europameisterschaft 2016, also einem Jahr mit gesteigertem Interesse an der Nationalmannschaft, laut Jahresbericht 85,88 Millionen ein. Das Einkommen des DFB wird im Vertrag mit 80 Millionen Euro gedeckelt. Ein eher realistischer Wert, der aber ebenfalls seit 2009 nicht mehr angepasst wurde. 25 Prozent, nämlich 20 Millionen Euro, tritt der Verband deshalb jährlich an die DFL ab.

Eine Million für die Vereine

Bleiben unter dem Strich: 6 Millionen Euro für die Amateure. Davon gehen laut DFB-Jahresbericht fünf Millionen Euro an die Landesverbände. Eine Million bleibt den Regionalverbänden. Und nur diese eine Million kann theoretisch zu den Vereinen gelangen.

Klagen aus dem Ausland möglich

Besonders problematisch wird der Vertrag, wenn man bedenkt, dass dem DFB möglicherweise eine teure Klagewelle aus dem Ausland ins Haus steht. Denn: Der DFB zahlt 20 Millionen Euro, um mit DFL-Spielern zu werben. Eine Abstellungsverpflichtung wird davon nicht bezahlt, denn sie ist, wie der Name schon sagt, eine Pflicht. Eine Pflicht, der auch andere Klubs in Europa nachkommen.

Nur, wenn mit Mesut Özil (Arsenal), Toni Kroos (Real Madrid), Sami Khedira (Juventus Turin), Kevin Trapp (Paris SG) oder einem der vielen anderen Legionäre geworben wird, zahlt der DFB kein Geld an ausländische Ligen. Sollte das eine dieser Ligen einmal bemerken und ebenfalls Zahlungen fordern, könnte das Folgen für den DFB und seinen Haushalt nach sich ziehen.

sid/dpa/red | Stand: 14.05.2018, 08:00

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