WM-Affäre: Schweizer Gericht eröffnet Verfahren im März

Ehemaliger DFB Präsident Theo Zwanziger (li) und ehemaliger DFB Generalsekretär Wolfgang Niersbach (Foto von 2010)

Anklage gegen frühere DFB-Spitzen

WM-Affäre: Schweizer Gericht eröffnet Verfahren im März

Nach jahrelang schleppenden Ermittlungen kommt es in der Sommermärchen-Affäre um die Fußball-WM 2006 zum juristischen Endspiel. Das Schweizer Bundesstrafgericht eröffnet am 9. März das Hauptverfahren gegen die früheren DFB-Funktionäre Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt sowie Ex-FIFA-Generalsekretär Urs Linsi. Dem Quartett wird "ungetreue Geschäftsbesorgung" vorgeworfen.

Das Schweizer Gericht hat zunächst zwölf Verhandlungstage angesetzt. Spätestens am 27. April muss ein erstinstanzliches Urteil gefällt werden, weil sonst die Verjährung eintritt.

Der renommierte Schweizer Strafrechtler Mark Pieth hatte der Bundesanwaltschaft und dem Bundesstrafgericht wegen des entstandenen Termindrucks unlängst sogar "Schlamperei" vorgeworfen.

Beckenbauer und Netzer als Zeugen geladen

Das Verfahren gegen Franz Beckenbauer, einem der Hauptdarsteller der WM-Affäre, war im Juli vergangenen Jahres aus Rücksicht auf Beckenbauers Gesundheitszustand abgetrennt worden. Der frühere WM-Organisationschef Beckenbauer ist in Bellinzona als Zeuge geladen, ebenso wie Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter und Günter Netzer. Ob Beckenbauer aber als Zeuge erscheinen wird, ist fraglich. Das Bundesstrafgericht behält sich daher eine Einvernahme Beckenbauers per Videokonferenz vor. Gleiches gilt für Netzer. Der frühere Vertraute des verstorbenen Adidas-Chefs Louis-Dreyfus ist in dem Fall bislang nicht befragt worden.

Zwanziger spricht Schweizer Gericht Zuständigkeit ab

Ursprünglich hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft Ex-DFB-Präsident Zwanziger, dem früheren DFB-Generalsekretär Schmidt und Linsi Betrug in Mittäterschaft vorgeworfen. Niersbach wurde die Gehilfenschaft zu Betrug angelastet. Diese Anklagepunkte wurden auf Einladung des Gerichts, das ein erstes Zeitfenster für die Verhandlung im Januar deshalb verstreichen ließ, nun von der Bundesanwaltschaft abgeschwächt.

Nach Ansicht von Zwanziger genügt die erweiterte Anklageschrift dennoch in keiner Weise den gesetzlichen Anforderungen, der frühere DFB-Boss sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von einer "Märchenerzählung". Zudem äußerte er Zweifel an der Zuständigkeit. "Die Rolle der Schweizer Bundesanwaltschaft ist durch absolute Respektlosigkeit vor dem deutschen Recht geprägt", sagte Zwanziger.

Die ehemaligen DFB-Funktionäre Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach

Gegen das beschuldigte Quartett wurde in Deutschland bereits seit 2015 wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Ende August 2019 hatte das Oberlandesgericht Frankfurt eine Anklage zugelassen. Zwanziger wies darauf hin, dass die gleiche Handlung in strafrechtlicher Hinsicht nicht zweimal verfolgt werden könne.

Kredit von Louis-Dreyfus an Beckenbauer und WM-OK

In beiden Verfahren geht es um die weiterhin nicht geklärten Zahlungen von umgerechnet 6,7 Millionen Euro aus den Jahren 2002 und 2005. Beckenbauer hatte 2002 vom Unternehmer Robert Louis-Dreyfus einen Kredit in dieser Höhe erhalten. Das Geld floss im Anschluss auf Konten des damaligen FIFA-Funktionärs Mohammed Bin Hammam, der in dem Verfahren weder als Beschuldigter noch als Zeuge auftaucht. Die Rückzahlung an Louis-Dreyfus drei Jahre später wurde von einem DFB-Konto über die FIFA abgewickelt.

"Wir haben uns nichts vorzuwerfen und den DFB nicht geschädigt", sagte Zwanziger. "Der Verband sieht das genauso." Dies gehe aus einer DFB-Stellungnahme an das Bundesstrafgericht vom 2. Februar dieses Jahres hervor. Auch Niersbach hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und als "völlig haltlos" bezeichnet.

WM-Verantwortliche auf der Anklagebank Sportschau 06.08.2019 01:40 Min. Verfügbar bis 06.08.2020 Das Erste

sid/dpa | Stand: 10.02.2020, 14:30

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