F-Jugend - flach spielen, hoch gewinnen!

Spieler vom SV Refrath

Jugendfußball

F-Jugend - flach spielen, hoch gewinnen!

Von Olaf Jansen

In der F-Jugend gewinnen meist die Teams mit dem besten Weitschuss-Schützen. Im Kreis Berg bei Köln wurden daher die Tore der 8- bis 9-Jährigen verkleinert. Mit erstaunlichen Folgen.

"Wer gewinnt, hat Recht", lautet eine landläufig bekannte Phrase aus dem Fußball, mit der unansehnliche Kicks im Nachhinein gern schöngeredet werden. Das darf bei den Kleinsten nicht sein, beschlossen vor rund einem Jahr eine Handvoll Kölner Sportwissenschaftler und sie schritten gemeinsam mit dem Fußballverband Mittelrhein (FVM) zur Tat: Sie verkleinerten in einem Pilotprojekt des Fußballkreises Berg die Tore bei den F-Jugendlichen.

Sie hatten erkannt: Bei den 8- bis 9-Jährigen gewannen meist die Teams, die den besten Weitschuss-Schützen in ihren Reihen hatten. FVM-Jugendreferent Oliver Zeppenfeld erklärt: "In einem zwei Meter hohen Tor sind die Keeper in diesem Alter angesichts ihrer Körpergröße einfach nicht in der Lage, hohe Bälle zu halten."

F-Jugend-Torhüter - "Man kann viel mehr Bälle fangen"

Sportschau 30.03.2019 00:17 Min. Verfügbar bis 30.03.2020 ARD

Kleinere Tore, mehr Treffer

Mit finanzieller Hilfe des 1. FC Köln erhielten im September 2018 alle Vereine spannbare Netze, mit deren Einsatz die Höhe der Tore bei den 8- bis 9-Jährigen von zwei Metern auf 1,65 Meter verkleinert wurden. Die Folgen waren erstaunlich: Statt weniger fielen mehr Treffer. Trotz kleinerer Tore. Aus durchschnittlich 4,68 wurden 5,27 Treffer pro Mannschaft pro Spiel.

Die Verringerung der Torgröße hatte zudem eindeutige Konsequenzen für die taktische Vorgehensweise im Spiel. Es wurde häufiger geschossen. Allerdings aus kürzerer Distanz. Statt aus durchschnittlich fast elf Metern erfolgte der Abschluss gemittelt aus 8,69 Metern. Anders ausgedrückt: Die Mannschaften spielten sich näher vor das gegnerische Tor.

"Es wird viel mehr gepasst"

Spielszene beim SV Refrath

Samstagmorgen: Viel los beim SV Refrath

Genau diese Beobachtung machte auch Patrick Eßer. "Es wird einfach viel mehr gepasst - also der Fußball praktiziert, den man fördern will, weil er langfristig erfolgversprechend ist", sagt der 21-jährige F-Jugendtrainer des SV Refrath, dessen Team am Pilotprojekt teilgenommen hat. Die Skepsis seiner Spieler sei schnell verflogen gewesen, "denn sie haben ja gemerkt, dass sie genauso erfolgreich sind."

Grundsätzlich konnte beobachtet werden: Aus Teams, die sich vormals auf einen starken Schützen verließen, wurden spielerisch bessere Mannschaften. Patrick Eßer weist auf einen weiteren Vorteil hin: "Die Alternativen bei der Auswahl des Torhüters werden größer. Statt des längsten Akteurs kann nun derjenige zwischen die Pfosten, der dazu am meisten Lust hat und vielleicht auch das größte Torwarttalent besitzt."

FVM-Leiter Zeppenfeld - "Wir wollen Dribbling und Kurzpassspiel fördern"

Sportschau 30.03.2019 02:19 Min. Verfügbar bis 30.03.2020 ARD

Die Idee kommt aus dem Handball. Dort wurden schon vor Jahren die Tore im Kinderhandball verkleinert, um die Wurftechnik der Nachwuchsspieler zu verbesseren.

"Die Konsequenzen sind vielfältig und positiv", sagt FVM-Mann Zeppenfeld. "Langfristig werden Begabungen gezielter gefördert und die kleinen Fußballer erhalten eine spielerisch bessere Ausbildung."

Bald Fünf gegen Fünf ganz ohne Torhüter

Dass die Verkleinerung der Tore nur ein Anfang sein kann, um die Spielkultur zu erhöhen, wurde vergangene Woche deutlich, als aus Bayern die Nachricht kam, man wolle dort ab der neuen Saison ganz ohne Torhüter und mit verkleinerten Teams auf Minitore spielen. "Ja, das wird auch bei uns in absehbarer Zeit angegangen", sagt Zeppenfeld.

Bundesweit sollen dann die Kleinsten im Spiel Fünf gegen Fünf geschult werden und im Spiel ohne große Tore noch mehr Ballkontakte generieren. "Das ist die Zukunft bei den Kleinsten", sagt Zeppenfeld.

Stand: 01.04.2019, 08:55

Darstellung: