Tätowierungen im Fußball - die lauernde Gefahr

Real Madrids Sergio Ramos nach dem Gewinn des Champions Leagues Finale in Mailand

Spielergewerkschaft warnt vor Langzeitfolgen

Tätowierungen im Fußball - die lauernde Gefahr

Von Frank Hellmann

Tattoos gehören zum Profifußball wie Stutzen und Hose. Immer mehr Spieler schmücken sich mit aufwändigen Verzierungen auf der Haut. Dabei warnt nun die Spielergewerkschaft VdV vor unbekannten Langzeitfolgen. Die medizinische Kommission des DFB sieht hingegen keinen Handlungsbedarf.

Wenn der Pokal nach dem Champions-League-Finale zwischen dem FC Liverpool und Tottenham Hotspur überreicht wird, sind diesmal nicht alle Augen auf Sergio Ramos gerichtet. Der Kapitän von Real Madrid empfing zuletzt dreimal in Folge die begehrteste Trophäe im europäischen Klubfußball.

Und spätestens bei der Ehrenrunde sprangen zwangsläufig seine Tätowierungen ins Auge. Denn bei Ramos gibt es eigentlich kaum noch ein Fleckchen Haut, das nicht verziert ist.

Arme und Rücken sind Projektionsflächen, auf denen sich die Bandbreite seines Wirkens widerspiegelt. Anspielungen auf seinen Champions-League-Sieg, die Weltmeisterschaft, die Jungfrau Maria, Nelson Mandela und sogar Michael Jackson.

Ramos ist nur das krasseste Beispiel

Der 33-Jährige lässt auch gerne die sozialen Netzwerke daran teilhaben. 2016 postete er ein Foto von seiner frisch tätowierten Hand und schrieb dazu: "Die Nummern meines Lebens in der reinsten Farbe. Was bedeuten sie???“

Dieses Element beinhaltet Daten von Instagram. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Verewigt in knallroter Farbe auf dem Fingerrücken seine erste Rückennummer beim FC Sevilla, das Alter seines Nationalmannschaftsdebüts – und mit 90+ war sein spätes Ausgleichstor gemeint, das 2014 im Stadtduell gegen Atletico half, die Königsklasse zum zehnten Mal zu gewinnen. Mehr Selbstdarstellung geht kaum.

VdV warnt: Vorsicht ist geboten

BVB-Spieler Marco Reus mit seinem Tattoo am linken Arm

BVB-Spieler Marco Reus mit seinem Tattoo am linken Arm

Auch in der Bundesliga ist die Häufung von Tätowierungen enorm. Selbst Zweit- und Drittligaprofis meinen mittlerweile, dass Tattoos dazugehören wie Hose und Stutzen. Der neueste Trend auf der Haut ist beliebtes Kabinengespräch. Aber ist das, was in die gut durchblutete "Lederhaut" – die mittlere der drei Hautschichten – gestochen wird, wirklich gesund?

Inzwischen hat sogar die Spielergewerkschaft VdV Alarm geschlagen, weil sie einen besorgniserregenden Trend im Profifußball beobachtet. "Vorsicht ist geboten", lautete die Botschaft im Magazin "Wir Profis" in der ersten Ausgabe 2019.

Dabei legte Reinhild Gumbiowski vom VdV-Gesundheitspartner "medicosAuf.Schalke" den Finger in die Wunde: "Zunächst ist kurzfristig das Risiko einer Infektion gegeben, weswegen sich Profisportler - wenn überhaupt - außerhalb der Saison tätowieren lassen sollten. Ein prominentes Beispiel ist der Uruguayer Guilermo Varela, der das DFB-Pokalfinale 2017 verpasste, da sich ein frisch gestochenes Tattoo entzündet hatte.“ 

Es wird weniger Schweiß transportiert

Desweiteren hätte eine US-Studie 2017 ergeben, "dass eine tätowierte Haut etwa 50 Prozent weniger Schweiß abgibt. Das kann sich auf die Hitzeregulierung auswirken, gerade bei Leistungssportlern mit großflächigen Tattoos". Und die Fachärztin für Innere Medizin gab zu bedenken, dass beim Einbringen der Farbpigmente mit kleinen Nadeln diese auch in die Blutbahn transportiert und sich in Lymphknoten ablagern würden – ohne dass die langfristigen Effekte auf die Gesundheit hinlänglich bekannt seien. 

Gefährliche Tinte: Tattoos und ihre Risiken

COSMO 02.05.2019 03:26 Min. Verfügbar bis 01.05.2020 COSMO

Die Hautärztin Dr. Andrea Schlöbe warnt in seltenen Fällen "vor einer Sensibilisierung gegen die verwendeten Farbstoffe, was zu einem Kontaktekzem führen kann". Dieses könne dann in der Regel nur chirurgisch behandelt werden.

Im Alter nicht mehr so schick

Hinzu kommt der kosmetische Aspekt, der vielfach unterschätzt wird. "Gerade bunte Farben verblassen häufig unter Sonneneinstrahlung, Kontraste können im Laufe der Zeit unschärfer werden", führt Expertin Gumbiowski aus.

"Deshalb verlieren besonders realitätsnahe Motive mit filigranen Linien im Laufe der Zeit ihr ursprüngliches Aussehen." Und wenn im Alter der Körper nicht mehr ganz so definiert ist, wirkt manches eben auch nicht mehr ganz so schick.

Timo Werner braucht keine Tattoos

Timo Werner

Timo Werner möchte lieber durch Leistung auffallen statt mit Tattoos.

Aber solche Warnungen scheinen zu verhallen. Stürmer Timo Werner von RB Leipzig wurde im offiziellen Begleitheft für das jüngste DFB-Pokalfinale dafür gelobt, dass er kein Tattoo trägt. Seine Begründung: "Auffallen sollen wir auf dem Platz, nicht daneben."

Der 23-Jährige führte ferner seine frühkindliche Prägung an: "Ich habe gelernt, was wichtig ist und was ablenkt von der Hauptsache.“ Die Mehrzahl seiner Kollegen in der Nationalmannschaft ist hingegen längst tätowiert. Übrigens auch der als äußerst bodenständig geltende Familienvater Toni Kroos.

Gleichwohl sieht Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer keinen Anlass, vonseiten des DFB einzuschreiten. Ihm sei keine Studie bekannt, die bei dieser Thematik vor negativen Folgen auf die Leistungsfähigkeit warnt.  "Inhaltlich muss man hier unterscheiden zwischen einem Einfluss auf die Performance und einem auf die Gesundheit - mit möglichen indirekten Auswirkungen auf die Performance“, teilte Meyer auf Anfrage von sportschau.de mit.

DFB will erst griffige Daten haben

"Natürlich kann es bei Tattoos - wie bei vielen Dingen im Leben - einmal Nebenwirkungen geben, die unangenehm oder gar behandlungsbedürftig sind. Und man würde wohl einem Fußballspieler - wie auch jedem anderen Bürger - empfehlen, zu Tattoostudios zu gehen, die für Qualität, d. h. insbesondere Hygiene, bürgen." Auch könne er verstehen, wenn man eine "Ganzkörpertätowierung" für fraglich hält. Das gelte aber ebenso für die Allgemeinbevölkerung.

Das seriöse Tattoo-Studio Quarks & Co 19.04.2016 03:43 Min. Verfügbar bis 19.04.2021 WDR

Der 51-Jährige, der die Nationalmannschaft seit 2001 begleitet und seit 2008 die Professur für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes besetzt, sieht das Thema aber nicht als so dringlich an, um es in der von ihm geleiteten Medizinischen Kommission des DFB auf die Tagesordnung zu bringen: "Dementsprechend gibt es von meiner Seite keine Handlungsanweisung an die Nationalspieler, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Medizinische Kommission damit beschäftigt, sofern nicht irgendwelche griffigen Daten auf den Tisch kommen."

Stand: 28.05.2019, 06:00

Darstellung: