Der DFB sucht den Tausendsassa

Der Eingang zur DFB-Zentrale

Der Fahrplan für die Präsidentensuche steht

Der DFB sucht den Tausendsassa

Von Frank Hellmann

Der Profifußball wird bei der Suche nach dem neuen DFB-Präsidenten den Takt vorgeben. Denn es gilt, nach dem Rückzug von Reinhard Grindel aus allen Ämtern nicht wieder die alten Fehler zu machen.

Irgendwie war ja klar, dass auch vom letzten Dienstgang in die Otto-Fleck-Schneise noch Bilder aufgetaucht sind. Der zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel trug Anzug und Krawatte, als er am Donnerstag (11.04.2019) eigenhändig die Umzugskartons aus der Verbandszentrale zu seinem Dienstwagen trug.

Darin waren angeblich Fotos der Familie, ein Nationalmannschaftstrikot und mehrere Bücher. Sein lichtdurchflutetes Büro im ersten Stock wartet nun auf einen neuen Nutzer.

Offen für Mann und Frau

Völlig offen, welcher Mann oder welche Frau das sein wird. Zum ersten Mal in seiner Verbandsgeschichte gibt sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) betont offen für beide Geschlechter: Formulierungen von der "Wahl eines Kandidaten oder einer Kandidatin für das Amt des Präsidenten bzw. Präsidentin" sind Zeugnis eines Kulturwandels. Auch darauf haben sich DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) in einem Fahrplan verständigt, um am 27. September beim nächsten DFB-Bundestag in Frankfurt wieder ein Oberhaupt zu küren.

Vorbei - so scheint es - die Zeiten der Klüngelei in Hinterzimmern. So wie im November 2015, als DFB-Vize Rainer Koch gegen den Willen des Liga-Präsidenten Reinhard Rauball den Schatzmeister Grindel ins oberste Amt hievte, soll es nie wieder laufen.

Diesmal ist eine Personalberatungsfirma eingebunden, die mit den Landesfürsten, den Profiklubs, anderen Nationalverbänden und - man höre und staune - den DFB-Partnern ein Anforderungsprofil erstellen soll. Schließlich steuern die Sponsoren ihren Teil dazu bei, dass der DFB mehr als 300 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht. Da braucht es eine professionelle und keine amateurhafte Führung.

DFL stellte Forderungen schon früher

Reinhard Grindel

Reinhard Grindel

Der Zeitplan für Umstrukturierung und Präsidentensuche - beide Prozesse müssen parallel verlaufen - ist recht eng getaktet. Bis Mai sollen dem Präsidium die Vorschläge unterbreitet werden, wie der wirtschaftliche Bereich geordnet wird. Weil die innere Struktur auch "alle relevanten steuerlichen, wirtschaftlichen und sportpolitischen Aspekte" berücksichtigen soll, deutet vieles auf ein Modell mit einer hauptamtlichen Geschäftsführung hin.

Genau das forderte vor allem DFL-Geschäftsführer Christian Seifert schon vor drei Jahren. Der DFB könnte beispielsweise in einer solchen Struktur auch zwei Topkräfte installieren, damit sich einer als Repräsentant in den nach Grindels Gesamtrückzug vakanten Ämtern bei FIFA und UEFA verdingen kann.

Weniger Macht für den Präsidenten

Der Präsident wäre dann ein ganzes Stück entmachtet, weil nur noch Vorsteher eines Aufsichtsrates. An Arbeit würde es ihm jedoch nicht mangeln, weil er Repräsentant für die gesellschaftlichen Verpflichtungen des größten deutschen Sportverbandes wäre und das gemeinnützige Tun für mehr als sieben Millionen Mitglieder und 25.000 Vereine verantworten würde.

Die Nominierungsfrist läuft am 1. August ab, am 26. Juli will das Präsidium die Nominierung offiziell machen. Bleiben also gut drei Monate, in denen alles auf den Prüfstand muss. Kommt es zu dieser Ämtertrennung, bräuchte es auch nicht mehr jene "eierlegende Wollmilchsau“, über die sich unlängst der Liga-Insider Heribert Bruchhagen lustig machte. Der Neue darf auch ruhig nach innen mehr Empathie und nach außen mehr Entschlossenheit zeigen als der Vorgänger.

Typischer Fall von Überforderung

Mit seiner Aufgabenfülle und Ämtervielfalt rannte Grindel ständig in Sackgassen oder trat in Fettnäpfchen. Und als DFB-Chef, Fifa-Council- und Uefa-Exekutivmitglied eine gemeinsamen Haltung zu entwickeln, ist in den vergangenen Jahren ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Die Interessen dieser Institutionen divergieren fast so weit auseinander wie die politischen Positionen zwischen Grünen, FDP und AfD.

Grindel hat orientierungslos gewirkt, weil er es jedem Recht machen und auf jeder Hochzeit tanzen wollte. Ein Sonntag Anfang Februar sah beim 57-Jährigen beispielsweise so aus: Erst den Dorfverein FC Schöffengrund im Lahn-Dill-Kreis besuchen, dann mit Christoph Daum und Wolfgang Bosbach bei einer Talkrunde in einem Frankfurter Hotel parlieren, später noch schnell nach Berlin fliegen. In der akkordartigen Abarbeitung der Termine bekam der Fußballboss gar nicht mehr mit, dass ihn dieser Job irgendwann auffressen würde.

Stand: 12.04.2019, 11:39

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